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Für immer weg Die Totensteine sind von der Wand der Barfüsserkirche verschwunden

Die Epitaphe wurden an der Mailand-Strasse im Steindepot des Historischen Museums untergebracht.

So sieht die Kirchenfassade neben dem neuen Stadtcasino heute aus…
So sieht die Kirchenfassade neben dem neuen Stadtcasino heute aus…
Foto: Nicole Pont
Und so, bevor die Epitaphe und das Schutzdach entfernt wurden (Hier an der Fasnacht 2017).
Und so, bevor die Epitaphe und das Schutzdach entfernt wurden (Hier an der Fasnacht 2017).
Foto: Christian Jaeggi

Nackt sieht sie aus, die Wand der Barfüsserkirche. Die steinernen Gedenktafeln, die dort seit Jahrzehnten an Verstorbene erinnern, sind weg. Ebenso das schützende Holzdach. Nichts weist mehr auf die Totensteine hin. «Im Januar wurde mir erzählt, dass die historischen Epitaphe an der Barfüsserkirche weg müssten, weil sie die Aura des teuer ausgebauten Stadtcasinos störten. Ich hielt das für bösartiges Geschwätz. Nun sind sie tatsächlich weg, samt Schutzdach. Was soll man dazu noch sagen?», schreibt der Basler Stadtführer Roger Jean Rebmann alias Grabmacherjoggi auf Twitter.

Rebmann kennt Basel und dessen Geschichte wie seine eigene Westentasche. Dass man die Totensteine den Casinobesuchern nicht zumuten könne, habe ihm ein involvierter Handwerker erzählt. Sein Tweet sorgte für grosse Empörung. Von grossem Verlust, einem Schildbürgerstreich, gar einer Schandtat war die Rede. Die Denkmalpflege solle sich der Sache annehmen.

Die Empörung erreichte sogar den Kanton. Mit seinem offiziellen Twitter-Account schaltete sich dieser in die Diskussion ein. Die abmontierten Epitaphe, so nennt man die Gedenktafeln an Kirchenwänden, seien kein Problem für die Denkmalpflege. «Die Epitaphe und das Schutzdach haben mit der historischen Barfüsserkirche geschichtlich oder architektonisch in erster Linie nichts zu tun», so der Kanton. Es handle sich hierbei um Sammlungsgut des Historischen Museums, das in den 1970er-Jahren rund um die Barfüsserkirche arrangiert worden sei.

Was jedoch stimmt: Die Gedenksteine, die gegenüber dem neuen Eingang des Stadtcasinos hingen, kommen nicht mehr an die Kirchenwand. Schon länger sei geplant gewesen, diese dem Mutwillen von Passantinnen und Passanten ausgesetzten Steinobjekte sicherer zu verwahren.

Im Depot verwahrt

Noch genauer wird auf Anfrage das Historische Museum. Epitaphe und Schutzdach wurden abgebaut, weil die Kirchenwand saniert werden müsse. Das Schutzdach werde jedoch nicht mehr aufgebaut. Es handle sich um eine Ergänzung aus dem Jahr 1981, welche historisch aber keine Grundlage habe. «Da die Epitaphe ohne Schutzdach zu sehr der Verwitterung ausgesetzt wären, wurde aus konservatorischen Gründen entschieden, dass sie nicht mehr angebracht, sondern sicher im Depot verwahrt werden», sagt Kuratorin Sabine Söll-Tauchert.

Allerdings erleiden nicht alle Steinobjekte dasselbe Schicksal. An der Wand hinter der Kirche wurden sämtliche Steine, die am Boden standen, wie beispielsweise Grenzsteine, entfernt. Sie waren laut der Kuratorin in besonderem Masse Beschädigungen wie dem Abstellen von Bierflaschen oder dem Ausdrücken von Zigaretten ausgesetzt. Zudem wurden Ende April auch fünf Wanddenkmäler von weniger hoher historischer Bedeutung abmontiert. Die übrigen Epitaphe und Steindenkmäler bleiben aber. Dies, weil dort das Schutzdach nicht weggenommen wird. Neu sollen sogar dreisprachige Texttafeln angebracht werden, welche die Objekte inhaltlich wie auch im historischen Kontext erklären.

Zu dem Gerücht, dass die Totensteine wegen des neu ausgebauten Stadtcasinos entfernt wurden, kann sich Andreas Mante, Kommunikationsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung des Historischen Museums, nicht äussern: «Wir nahmen sie aus konservatorischen Gründen wegDer einzige Zusammenhang sei, dass man im Zuge der Bauarbeiten rund um das Stadtcasino die Gelegenheit ergriffen habe, auch diese Arbeit anzugehen.