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SenfkornDie Tessiner Busecca

Der Röstigraben zwischen der lateinischen und der deutschen Schweiz könnte auch Kuttelgraben heissen. Schade, dass die Kutteln hier so einen schweren Stand haben.

Ausgewogen, günstig, fettarm und gesund: Die Tessiner Kuttelsuppe.
Ausgewogen, günstig, fettarm und gesund: Die Tessiner Kuttelsuppe.
Foto: © Swissmilk

Ein Pastis in einem Pariser Bistro? Ein Teller Pasta in einer Trattoria in Italien? Eine Weisswurst mit süssem Senf in einem Münchner Biergarten? Ein Tafelspitz bei Plachutta an der Wiener Wollzeile?

Das Schönste am Reisen ist doch die Bekanntschaft mit einer anderen, oft vertrauten, manchmal fremden Lebensart. Ein Spaziergang über einen der grossen Märkte in Italien offenbart mehr über Land und Leute als ein halber gedruckter Reiseführer. Wir haben es in der Schweiz gut. Selbst in Corona-Zeiten müssen wir nicht auf andere, zumindest kulinarische Kulturen verzichten. So wie das Tessin kulinarisch vom Norden Italiens geprägt ist, ist das Essen in der französischsprachigen Schweiz von Frankreich beeinflusst. Deshalb auch haben Coop und Migros in Lugano und Genf ein anderes Angebot als in Basel und Bern.

Nun habe ich mir für einmal die Tessiner Küche nach Hause geholt. Ich habe beim Metzger schneeweisse, frische Kutteln gekauft und eine Busecca zubereitet: eine Kuttelsuppe nach Tessiner Art. Anstatt Röstigraben könnte man die Grenze zwischen der lateinischen und der deutschen Schweiz auch Kuttelgraben nennen. Denn was in Italien und Frankreich als Delikatesse gilt, erzeugt bei vielen Deutschschweizern ein angewidertes Nasenrümpfen: Kutteln.

Die Busecca gibt es natürlich auch in Mailand und vor allem: Sie kann in unzähligen Varianten zubereitet werden und schmeckt immer – am besten, wenn sie aufgewärmt wird.

Ich habe im Internet unter dem Stichwort Busecca nachgeschaut und ein Rezept von Swissmilk gefunden, das einer originalen Tessiner Kuttelsuppe entsprechen soll. Ich habe mich mehr oder weniger an die Zutaten gehalten, allerdings Stangen- anstelle von Knollensellerie verarbeitet und Borlotti-Bohnen aus der Dose verwendet, ein Glas Weisswein beigegeben, Gemüsebouillon, flachblättrige Petersilie und mehr Knoblauch verwendet sowie die Kochzeit um das Doppelte verlängert. Der Aufwand hat sich gelohnt.

Ich verstehe nicht, warum man sich einem so ausgewogenen, günstigen, fettarmen und gesunden Festessen verweigern kann.

www.swissmilk.ch