Die Schweizer Bundesbahnen sind überfordert

Die SBB-Züge sind zu spät, zwischen Basel und Zürich wird das älteste Rollmaterial verwendet und das WLAN-Netz in der Schweiz gehört zu den schlechtesten in Europa. Nun ist die Politik gefordert.

Für einen Klassenwechsel von der ersten in die zweite Klasse gibt es in aller Regel einen Zuschlag von 12 Franken.

Für einen Klassenwechsel von der ersten in die zweite Klasse gibt es in aller Regel einen Zuschlag von 12 Franken.

(Bild: Keystone)

Diese Woche war ich dreimal in ­Zürich. Dabei ist mir aufgefallen, dass entweder die Züge zu spät sind oder zwischen Zürich und Basel das älteste Rollmaterial der SBB eingesetzt wird. Wagen aus den 80er-Jahren, alle Fenster geöffnet (da 35°C), keine Steckdosen, die 2. Klasse (ich habe ein GA, 2. Klasse) voll belegt. Darum erlaubte ich mir, in die 1. Klasse zu gehen.

Die Kondukteurin verlangte den üblichen Zuschlag von 12 Franken. Diesen habe ich ihr verweigert mit dem Hinweis, dass die 2. Klasse voll ist, und fragte sie, warum zwischen Basel und Zürich immer das älteste Rollmaterial benützt wird. Sie meinte, dass sie (das Personal) sich schon oft beschwert hätten, sogar an oberster Stelle, jedoch immer «abgeputzt» wurden. Schliesslich bietet sie mir für fünf Franken den Klassenwechsel an und übergibt mir mit einer grossen Entschuldigung einen Imbissgutschein im Wert von sechs Franken. Solche Vorfälle passieren regelmässig.

Auch das WLAN-Netz in der Schweiz gehört mitunter zu den schlechtesten in Europa, weil sich SBB und Swisscom nicht einigen können. Oder können Sie zwischen Basel und Zürich ohne Unterbrechung telefonieren …? Das oberste Management kümmert all das nicht sehr, eher nehmen sich die gestressten Manager bezahlte «Sabbaticals», für sie ist auf dem Schweizer Schienennetz ja alles in bester Ordnung. Das Personal an der Front muss den Unmut verärgerter Fahrgäste auf sich nehmen.

Privatisierung der SBB und der Autobahnen?

Wir haben ein Infrastruktur-Problem in der Schweiz – auf Schiene und Strasse. Die Züge sind überfüllt, die Strassen sind dem zunehmenden Verkehr nicht gewachsen. Auf der zweispurigen Hauptachse Bern–Zürich ist Stau an der Tagesordnung, auch auf dem Abschnitt Gubrist–Zürich-­Flughafen, wo die Bauarbeiten rund zehn Jahre dauern. Werden wir in Zukunft auf den Hauptverkehrsachsen in einem permanenten Stau stehen?

Dann wechseln wir halt auf die Bahn. Ach ja – geht ja nicht, gleiches Problem. Was könnte die Lösung sein? Privatisierung der SBB und der Autobahnen, so wie in Frankreich? Kürzlich bin ich von Basel aus in die Provence gefahren – keine einzige Baustelle! Fliegen wäre noch eine Option, aber das ist ja mittlerweile verpönt. Die Politik ist einmal mehr gefordert, aber diese debattiert lieber über eine neue Kampffliegerflotte für zig Milliarden, als die Infrastruktur schnell und nachhaltig zu sanieren.

Gehen wir also am besten wieder zu Fuss!

Basler Zeitung

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