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Sport in der guten StubeDie Rückkehr der Sympathieträgerin

Am Mittwochabend ist Abfahrts-Olympiasiegerin Dominique Gisin wieder mal im Schweizer Fernsehen zu sehen. Die Doku zeigt sie nicht im Schnee, dafür in Afrika.

Die SRF-Doku zeigt ungewohnte Bilder: Dominique Gisin in Afrika.
Die SRF-Doku zeigt ungewohnte Bilder: Dominique Gisin in Afrika.
SRF

Jetzt, in Zeiten von Corona, ist Skifahren auch in unseren Breitengraden so weit weg und undenkbar, wie es das normalerweise in Afrika ist. Genau dorthin verschlägt es die ehemalige Abfahrtsgrösse Dominique Gisin im Dokfilm, der am Mittwochabend zur besten Sendezeit im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wird (20.55 Uhr, SRF1). Für das Schweizerische Rote Kreuz ist sie als Botschafterin nach Togo gereist und muss den Kindern zuerst erklären, wer sie ist, und vor allem, was sie tut. «Ich bin Skifahrerin, vermutlich wisst ihr nicht, was das ist», sagt sie, «ich habe an den Olympischen Spielen die Goldmedaille gewonnen.»

Der Triumph in der Olympiaabfahrt von Sotschi 2014 war der Höhepunkt ihrer Karriere. Noch in der Siegerbox rief Gisin ihre Grosseltern an und wollte mit ihnen diesen besonderen Moment teilen. «Hallo, hier ist Dominique…», vermochte sie noch zu stammeln, dann begann sie zu weinen – und rührte eine ganze Ski-Nation zu Hause auf dem Sofa zu Tränen. Es war eine Szene für die Ewigkeit, aber nicht für diesen Dokfilm: Die Macher vom Tessiner Fernsehen warten stattdessen mit anderen Bildern auf, die man so noch nie gesehen oder zumindest nicht mehr so präsent hat.

Dazu gehört unter anderem die Rückkehr nach Sarajevo. Dominique Gisin, ausgebildete Pilotin, sitzt selber am Steuer des Flugzeugs, neben ihr Michela Figini, eine andere Olympiasiegerin von Swiss-Ski, die 1984 in Sarajevo ebenfalls Olympiagold in der Abfahrt holte. Damals gehörte der Olympiaort noch zu Jugoslawien und punktete bei den Athleten mit seinem Charme und grosser Gastfreundlichkeit. Jahre später fuhr Gisin hier als 14-jährige Juniorin ihr erstes internationales Rennen. Sie sah in Sarajevo ganz andere Bilder als Figini, nämlich schreckliche Spuren des Kriegs, der die Balkanregion erschüttert hatte.

Neun Knieoperationen

Figini wurde auch noch Weltmeisterin und siegte in 26 Weltcuprennen. Dominique Gisin musste sich demgegenüber mit bloss drei gewonnenen Rennen im Weltcup bescheiden. Viele Verletzungen und neun Knieoperationen verhinderten, dass sie öfter auf dem Podest stand. Jedes Mal kämpfte sie sich wieder zurück. Das machte sie zum grösseren Vorbild, als wenn sie einen Sieg an den anderen gereiht hätte. 2015, ein Jahr nach dem Olympiatriumph, beendete sie ihre Karriere.


Heute ist auch sie von der Corona-Krise betroffen. Ihre Auftritte als Gastrednerin mussten abgesagt werden. «Also habe ich mich kurzerhand dazu entschlossen, wieder an die Uni zu gehen.» Gisin, 34 Jahre alt, peilt nun den Master in Physik an. An der ETH Zürich ist sie eine von vielen. Am Mittwochabend kehrt sie kurzzeitig ins Rampenlicht zurück.

Die BaZ-Serie «Sport in der guten Stube» gibt täglich Tipps für zu Hause, die dabei helfen sollen, die Corona-Zeit halbwegs sportlich zu überbrücken.