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Landrat diskutiert Affäre MärkliDie Regierungsrätin bringt neuen Aspekt ins Spiel

Die Antworten von Sicherheitsdirektorin Kathrin Schweizer vermochten nur teilweise zu befriedigen. Ungeklärt blieb die Frage, warum der Fall Märkli nicht harmlos sei.

Sicherheitsdirektorin Kathrin Schweizer konnte bei der Diskussion des Falles Märkli im Landrat eine gewisse Nervosität nicht verbergen.
Sicherheitsdirektorin Kathrin Schweizer konnte bei der Diskussion des Falles Märkli im Landrat eine gewisse Nervosität nicht verbergen.
Foto: Dominik Plüss

Nach der Aufregung der vergangenen Tage über den Fall des achtjährigen Märkli und seiner Spielgeld-Aktion in der Volg-Filiale Diegten war gestern männiglich gespannt auf die Stellungnahme von Regierungsrätin Kathrin Schweizer (SP) im Landrat. Dies umso mehr, als die Sicherheitsdirektorin den Fall gegenüber der BaZ als «gar nicht so harmlos» bezeichnet hatte. Veranlasst hatte den Auftritt Schweizers SVP-Landrätin Susanne Strub mit einer entsprechenden Interpellation. Klarheit konnte Kathrin Schweizer aber nur teilweise herstellen. Insbesondere blieb die Frage, warum der Fall «nicht so harmlos sei», aus verfahrensrechtlichen Gründen unbeantwortet. Auch auf das Problem der Verhältnismässigkeit ging sie kaum ein.

Zwar gab die Sicherheitsdirektorin gewisse Fehler der Polizei durchaus zu. So erachtet sie es als unnötig, dass das achtjährige Kind wie ein Krimineller fotografiert worden ist. Im Wesentlichen verteidigte sie aber das Vorgehen der Polizei. Nachdem seitens der Volg-Mitarbeiterinnen gemeldet worden war, Kinder wollten mit Falschgeld Waren bezahlen, habe die Polizei ermitteln müssen. Die Identität der Kinder sei nicht von vornherein festgestanden. Auch von einer offensichtlichen Strafunmündigkeit könne nicht die Rede sein. Im Übrigen sprach die Sicherheitsdirektorin vorwiegend von Falsch- und nicht von Spielgeld.

Die Rückkehr-Geschichte

Dann brachte Kathrin Schweizer eine neue Episode oder gar einen neuen Fall ins Spiel, der den Fall angeblich «nicht so harmlos» macht. Wie die Regierungsrätin erläuterte, seien die Kinder nämlich nochmals in die Volg-Filiale zurückgekehrt. Mehr wollte sie dazu allerdings nicht sagen, «weil dazu ein Verfahren läuft». Die Ermittlungen im bekannten Fall würden indessen nicht weitergeführt. Es werde darüber ein Bericht verfasst, der 2025 gelöscht würde. «Die Mitteilung über eine Löschung erst im Jahr 2032 geht auf ein Missverständnis zurück, für das wir uns bei der Familie entschuldigt haben», sagte die Regierungsrätin.

Neben dem Fall Märkli informierte Kathrin Schweizer auch über den Fall der vor Monatsfrist in einen Hinterhalt geratenen Gelterkinder Schüler, denen die Polizei mangels Einsatzfahrzeug nicht zu Hilfe kommen konnte. Da sei gemeldet worden, dass es beim Vorfall keine Verletzten gegeben habe. Und weil eben kein Einsatzfahrzeug zur Verfügung stand, habe man die Betroffenen unter diesen Umständen an den Stützpunkt verwiesen.

Richtig zu überzeugen vermochte die sichtlich nervöse Kathrin Schweizer den Landrat aber nicht. Vor allem die rechte Ratsseite nicht, die dann auch für eine «blosse» Interpellation eine ungewohnt lange und engagierte Diskussion vom Zaun brach. Interpellantin Susanne Strub sprach von einem Scherbenhaufen, der angerichtet worden sei. Hanspeter Weibel (SVP) liess sich von seiner Überzeugung nicht abbringen, «dass die Polizei übertrieben hat», und Matthias Ritter (SVP) bemängelte, dass das Gespräch mit den Eltern erst nach einem Monat stattgefunden habe.

Rebers Hilfe

Schliesslich kam Regierungspräsident Isaac Reber (Grüne), der frühere Sicherheitsdirektor, seiner Kollegin und Nachfolgerin zu Hilfe. Natürlich hätte der Fall so nicht stattfinden sollen, meinte Reber. Der Umstand aber, so Reber, dass es um ein Kind gehe, könne nicht bedeuten, dass man nicht ermittle. «Auch in meiner Zeit als Sicherheitsdirektor musste gegen Kinder ermittelt werden – bei Einbrüchen etwa. Und dabei handelte es sich nicht um Spieleinbrüche. Bitte verallgemeinern Sie also nicht», sagte der Regierungspräsident.

27 Kommentare
    frank müller

    kleines gedankenspiel: volg meldet der polizei, dass zwei buben mit falschgeld zahlen wollten. polizei rückt SOFORT aus, befragt die jungs und stellt fest, dass es "nur" spielgeld ist. polizei lässt es damit sein, nachdem noch ein paar fotos vom spielgeld gemacht worden sind, geht zu volg, erklärt den sachverhalt, zeigt die fotos, volg bestätigt, polizeit fährt zurück zum polizeiposten. hätten wir so je davon erfahren ?