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Schweizer Museen während CoronaDie Pandemie stellt das Programm der Kunstmuseen auf den Kopf

Es sieht schlecht aus für die Goya-Ausstellung in Riehen. Und für viele andere Schauen von Lugano bis Zürich. Die Zwangsschliessungen sind nicht das einzige Problem der Museen.

Wird kaum rechtzeitig in der Schweiz ankommen: Francisco de Goyas «Bekleidete Maya» («La Maja vestida», 1800-1807).
Wird kaum rechtzeitig in der Schweiz ankommen: Francisco de Goyas «Bekleidete Maya» («La Maja vestida», 1800-1807).
Museo Nacional del Prado

Die Goya-Ausstellung in der Fondation Beyeler, die vom 17. Mai bis zum 1. August geplant war, hätte das Schweizer Kunstereignis des Jahres werden sollen. Siebzig Gemälde und zahlreiche Zeichnungen des spanischen Meisters wollte das Museum in Riehen seinem Publikum zeigen. Die Ausstellung wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Prado in Madrid geplant, der über die umfassendste Sammlung von Gemälden Francisco de Goyas (1746–1828) verfügt. Zahlreiche weitere Museen in Europa und den USA willigten ein, ihre schönsten Stücke für die Dauer der Ausstellung in die Schweiz auszuleihen.

Daraus wird in Zeiten der Corona-Epidemie wohl nichts. Noch hält sich die Fondation Beyeler zurück, ein offizielles Statement abzugeben. Sam Keller schreibt uns auf Anfrage: «Bis zum 19. April sollten wir wissen, ob und wie die Massnahmen des Bundesrates und des Kantons gegen die Corona-Krise weitergeführt werden und was die mittelfristigen Auswirkungen auf unser Museum sind.»

Dennoch, ein Kunsttransport aus der spanischen Metropole, die in dieser Pandemie zum Totenhaus Europas geworden ist, wird in diesem Monat mit Sicherheit nicht stattfinden. Und selbst wenn man vom unwahrscheinlichen Fall ausgeht, dass der Bundesrat die Schliessung der Museen ab dem 20. April wieder aufhebt: Wer sagt, dass dann die Grenzen unserer Nachbarländer wieder offen sein werden?

Ausstellungen ohne Publikum

Schweizer Museen reagieren unterschiedlich auf die Corona-Krise: Nachdem der Bundesrat die Schliessungsverordnung verkündet hatte, baute das Kunsthaus Zürich umgehend seine Ausstellung mit Werken von Olafur Eliasson ab und liess sie per Lastwagen nach Berlin verfrachten, wo sich das Atelier des Künstlers befindet. Andere Museen halten ihre Frühlingsausstellungen ohne Publikum ab, weil die Bilder gar nicht mehr ausreisen können.

Kurz vor dem Lockdown konnte man El Anatsuis «Gravity and Grace, 2010» im Kunstmuseum Bern noch bewundern. Zurzeit sind die Werke des Ghanaers nur in einer Videoführung zu sehen, auf der Homepage des Museums.
Kurz vor dem Lockdown konnte man El Anatsuis «Gravity and Grace, 2010» im Kunstmuseum Bern noch bewundern. Zurzeit sind die Werke des Ghanaers nur in einer Videoführung zu sehen, auf der Homepage des Museums.
Keystone

In Bern beispielsweise wurde die El-Anatsui-Ausstellung im Kunstmuseum genau am Wochenende vor dem Lockdown eröffnet. Seither hängen die wunderbaren Bilder in menschenleeren Räumen. Ganz ähnlich im Zentrum Paul Klee, wo die Ausstellung mit Bildern von Lee Krasner ohne Publikum stattfindet.

Wie wir vom Kunstmuseum Bern erfahren, würde man gerne die beiden Ausstellungen, die ursprünglich bis zum 21. Juni beziehungsweise 10. Mai laufen sollten, verlängern, sodass sie vom Publikum nach dem Lockdown angeschaut werden könnten. Dabei stellt sich allerdings die Frage: Wird das Museum Guggenheim in Bilbao, das beide Ausstellungen übernehmen will, zuwarten können? Die Homepage des Museums in der baskischen Stadt macht wenig Hoffnung: Dort ist Lee Krasner ab 29. Mai programmiert, El Anatsui ab 16. Juli.

Schwierige Bildertransporte

Auch im Kunstmuseum Basel rechnet man nicht damit, dass die geplanten Ausstellungen zu Kara Walker (ab 16. Mai) und Isa Genzken (ab 6. Juni) termingerecht stattfinden können. Die Bildertransporte und der Aufbau der Ausstellungen müssten genau in jenen Wochen stattfinden, in denen aller Voraussicht nach weder in der Schweiz noch in Europa und den USA ein problemloser Leihverkehr möglich sein wird.

Wird nicht zu sehen sein in Lugano: Claude Monets «Champ de coquelicots près de Vétheuil»
Wird nicht zu sehen sein in Lugano: Claude Monets «Champ de coquelicots près de Vétheuil»
Wikimedia Commons

Und das Kunsthaus Zürich, hält es an der Eröffnung seiner Ausstellung zu den wilden 20er-Jahren am 24. April fest? Die Daten stehen unverändert auf der Homepage. Pressesprecher Björn Quellenberg vom Kunsthaus Zürich antwortet auf unsere Anfrage: «Wir rechnen damit, die Ausstellung ‹Schall & Rauch› in diesem Frühjahr eröffnen zu können – wann, ist derzeit offen.» Das Kunsthaus werde den Start- und Endtermin kommunizieren, sobald es wisse, wann die vom Bundesrat verordneten Beschränkungen aufgehoben werden.

Das MASI Lugano dagegen teilte gestern mit, dass die geplante Ausstellung mit Bildern aus der Sammlung von Emil Bührle abgesagt werden müsse. Die Ausstellung war vom 10. Mai bis zum 30. August geplant.

Gut gepolsterte Schweizer Museen

Die Sonderausstellungen sind nicht nur darauf angewiesen, dass der internationale Leihverkehr tadellos funktioniert, sondern sind auch von der Zeitplanung der Museen abhängig, die ihre Ausstellungen in dichter Folge programmieren, was eine Verschiebung erschwert. Mithin werden die Museen, die sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr zu Ausstellungsmaschinen entwickelt haben, durch die Reiseerschwernisse in der Corona-Krise an ihrer empfindlichsten Stelle getroffen.

Dennoch, die Krise geht den Schweizer Museen nicht wirklich ans Eingemachte: Da die meisten von ihnen mit staatlichen Zuwendungen arbeiten, werden sie aller Wahrscheinlichkeit nach – im Gegensatz zu den vielen privat finanzierten Museen in den USA – die Zeit des Lockdowns relativ gut überstehen.