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Vor dem Labour-ParteitagDie Opposition setzt auf Johnsons Versagen beim Brexit

Die britische Labour-Partei kritisiert Boris Johnson scharf für seine Corona-Politik. Zum Thema Brexit hat sie dagegen nicht viel zu sagen.

Seit gut fünf Monaten an der Spitze der grössten Oppositionspartei: Keir Starmer.
Seit gut fünf Monaten an der Spitze der grössten Oppositionspartei: Keir Starmer.
Foto: Stefan Rousseau (Keystone)

Keir Starmer musste diese Woche ein paar Tage zu Hause bleiben. Eines seiner Kinder hatte Corona-Symptome, und so begab sich der Labour-Chef in Selbstisolation. Johnson stand am Rednerpult und zeigte sich verwundert, dass Starmer nicht im Parlament erschienen sei, obwohl er doch ein negatives Testergebnis erhalten habe. Eine Parteikollegin erklärte zwar, dass Starmer mehr als 24 Stunden auf das Ergebnis des Tests habe warten müssen – länger als Johnson immer behaupte. Doch Starmer stand plötzlich als Drückeberger da. Kein guter Eindruck für jemanden, der erst seit gut fünf Monaten an der Spitze der grössten Oppositionspartei steht. Schon gar nicht so kurz vor dem Labour-Parteitag, der am Samstag beginnt.

Als Starmer seinen Vorgänger Jeremy Corbyn im April ablöste, befand sich Grossbritannien mitten im Lockdown. Eigentlich keine schlechte Zeit für einen Oppositionsführer, denn die Regierung bot mit ihrer Corona-Politik genug Angriffsfläche. Und so geisselte Starmer die zahlreichen Kehrtwenden des Premiers. Er tut das bis heute. Starmer, ein früherer Staatsanwalt, versteht es, Johnson mit seinen präzisen Fragen in die Enge zu treiben.

In den Stammlanden von Labour gewildert

Doch so offensiv der Labour-Chef in Sachen Corona auftritt, so defensiv verhält er sich bei dem anderen grossen Thema, das Grossbritannien umtreibt: dem Brexit. Starmer kämpfte einst für den Verbleib in der EU, aber davon ist nichts mehr zu spüren. Der Oppositionsführer nimmt stattdessen Johnsons Wahlkampfmotto auf: «Get Brexit Done». Das ist nur auf den ersten Blick verwunderlich, schliesslich holte Johnson mit diesem Slogan eine 80-Stimmen-Mehrheit im Unterhaus. Mit seinem Brexit-Versprechen schaffte es Johnsons Konservative Partei, im einstmaligen Stammland von Labour zu wildern. Viele Wahlkreise im Norden Englands, die über Jahrzehnte in Labour-Hand waren, gingen auf einmal an die Tories.

Will Starmer bei der nächsten Wahl über Johnson triumphieren, muss er versuchen, diese Sitze zurückzuerobern. Das gelingt aber nach Einschätzung der Labour-Strategen nicht, indem Starmer den Premier von einem harten Brexit abzuhalten versucht. Der Labour-Chef scheut sich offenbar davor, von Johnson als Remainer abgestempelt zu werden. Und so versucht er, den Blick nach vorn zu richten: «Ich akzeptierte, dass die Teilung in Leave und Remain vorbei ist. Das Land muss – und will – sich loslösen von dieser qualvollen Debatte.» Dem Vernehmen nach setzt der Labour-Chef darauf, dass Johnson sich mit seinen Brexit-Drohungen gegenüber der EU verzettelt und am Ende als derjenige dasteht, der vor Brüssel einknickt.

Der Labour-Chef scheut sich offenbar davor, von Johnson als Remainer abgestempelt zu werden.

Wie in der Corona-Debatte versucht Starmer auch beim Brexit zu zeigen, dass Johnson weit davon entfernt ist, ein kompetenter Premierminister zu sein. Der Labour-Chef erklärte, dass ein Freihandelsabkommen zwischen London und Brüssel geschlossen werden könnte, vorausgesetzt, beide Seiten würden «in gutem Glauben» verhandeln. Es seien aber leider «dieser Premierminister und diese konservative Regierung, die die Uhr zurückgedreht haben und alte Streitigkeiten wieder aufleben lassen». Johnson solle sich auf die Bekämpfung der Corona-Pandemie konzentrieren, anstatt auf Europa herumzuhacken.

2 Kommentare
    Wolfgang Blanck

    GB hat nichts zu verschenken... die EU aber schon... 390 Mrd. €uro Geldgeschenke zum "Wiederaufbau" Südeuropas... Deutschland ist wieder mal der Spender Nr.1 und verschuldet sich mit ingesamt 840 Mrd. €uro neu, damit u.a. die Mafia ihren Tei,l abbekommt. Was bekommt Deutschland dafür? Muslimische Migranten ohne Ende, von denen die meisten eine Schule nur bis zu 12 Lebensjahr von innen gesehen haben. Dafür sind sie im Kindermachen einsame Spitze. Sie können sie zwar nicht versorgen, darum als Vorhut gen Europa - den Rest erledigt der familiäre Nachzug... Arbeiten können sie nicht, weil es nicht für alle Arbeit gibt... Also belügt die Merkel-Regierung das eigene Volk und malt alles schön. Das Merkel aus der DDR stammt, wird bei ihrer Politik mehr und mehr klar...