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PodiumsveranstaltungDie mit der Maske hadern

Maske ja oder nein? Massnahmen gut oder schlecht? Alles rund um die Corona-Pandemie erhitzt die Gemüter. In Waldenburg hat ein Komitee zu einer öffentlichen Debatte eingeladen.

An der Podiumsveranstaltung «Covid 19 – Offenes Mikrofon» konnten alle Teilnehmenden ihre Meinung offen kundtun.
An der Podiumsveranstaltung «Covid 19 – Offenes Mikrofon» konnten alle Teilnehmenden ihre Meinung offen kundtun.
Foto: Dominik Plüss / Tamedia AG

Auf der einen Seite: die Befürworter. Jene, welche die Massnahmen billigen, die gegen die Corona-Pandemie getroffen wurden und werden. Die die Masken klaglos tragen und die Fallzahlen mit Sorge verfolgen.Auf der anderen Seite: die Gegner. Jene, die sich gegängelt, bevormundet, überfahren fühlen. Die der Politik Aktivismus und den Medien tendenziöse Berichterstattung unterstellen, ja, die – mitunter – gar System, einen klandestinen Plan hinter Maskenpflicht, Lockdown und Contact-Tracing erkennen wollen.

Das Resultat: Man wirft sich gegenseitig Arglosigkeit und blinden Gehorsam vor. Oder bezichtigt «die anderen», Verschwörungstheorien auf den Leim zu kriechen. «Doch das bringt uns nicht weiter.»Der das sagt, ist Torsten Amling, Pfarrer in Waldenburg und so etwas wie das Sprachrohr des Aktionskomitees «Corona-Debatte Waldenburgertal». Dieses hat sich genau aus diesem Grund gebildet: seine Meinung offen kundzutun. Neben dem Pfarrer sind etwa die Gemeindepräsidenten von Langenbruck und Oberdorf dabei, Hector Herzig respektive Piero Grumelli– oder die Langenbrucker Unternehmerin Cornelia Bärtschi.

Man wirft sich gegenseitig Arglosigkeit und blinden Gehorsam vor.

Am Donnerstagabend lud das Komitee zu einem offenen Podium . «Um alles sagen zu können», sagt Torsten Amling. Ohne Bewertung, ohne Urteil – und ohne fürchten zu müssen, für seine Meinung in eine Ecke gestellt zu werden. Das funktionierte denn auch recht gut. Die Kritiker waren zwar in grosser Überzahl, von den rund 30 Anwesenden bezogen lediglich 2 eine Position, die man als «pro Corona-Massnahmen» umschreiben könnte.

Doch man hörte sich die Argumente der anderen an und liess einander ausreden. Das war auch der tadellosen Moderation und der begrenzten Redezeit von höchstens 90 Sekunden geschuldet. Auch wurde bewusst keine Debatte befeuert; der Fokus lag auf den einzelnen Voten, die für sich allein stehen sollten.

Voten wie jene Hector Herzigs, der an die Eigenverantwortung appellierte: «Wir sind mündige Menschen, und jetzt kommen Politiker daher und nehmen uns diese Mündigkeit weg. Ich fühle mich wie ein Kleinkind, dem die Politik sagen will, was ich zu tun habe.» Nicht das Virus löse Angst in der Bevölkerung aus, sondern diese Entwicklung. Wortmeldungen wie jene Cornelia und Rolf Bärtschis, die Angestellte entlassen mussten und die Wirtschaft vor die Hunde gehen sehen. Oder die Aussage Piero Grumellis, der im Masketragen mehr Schaden als Nutzen erkennt und nicht sehr verklausuliert auf den Punkt brachte, was er von gewissen «selbst ernannten Experten» hält: «Die Worte Arsch, Loch und grosses kommen darin vor.»

«Wir müssen endlich aufhören, vor den Infektionszahlen zu erstarren wie das Kaninchen vor der Schlange.»

Hans Peter Altermatt, Podiums-Teilnehmer

Torsten Amling wiederum irritierte die Fixierung auf die Infektionszahlen genauso wie die Berichterstattung der Medien. Hans Peter Altermatt, ehemaliger Chef der Basler Sanität, setzte dem noch eins drauf: «Wir müssen endlich aufhören, vor den Infektionszahlen zu erstarren wie das Kaninchen vor der Schlange.» Und zu den Medien: «Sie sind nicht mehr die vierte Macht, sondern nur noch Propaganda.»Thomas Amiet aus Oberdorf hielt dagegen: «Ich verstehe das Misstrauen gegenüber unseren Bundesräten nicht. Sie heissen ja nicht Trump, Putin oder Bolzonaro.» Auch die Verweigerung der Maskenpflicht könne er nicht nachvollziehen, beim Autofahren trage man doch auch Sicherheitsgurte. Er bekam Unterstützung von Hansjörg Thommen: «Wenn die Maskenpflicht nur ein paar Leben rettet, ist doch schon viel gewonnen.»

Andere warnten vor einer möglichen Impfpflicht, der Diffamierung kritischer Zeitgenossen und einer Spaltung der Gesellschaft. «Ich frage mich: Wann explodiert das Ganze?», fragte Cornelia Bärtschi. Er mache sich grosse Sorgen um seine Zukunft, mahnte der einzige Teenager in der Runde: «Wenn es so weitergeht, dann werden Querdenker bald an die Wand gestellt und erschossen.»Versöhnlich äusserte sich Trudi Portmann, die in Langenbruck ein Bed & Breakfast betreibt. Respekt sei wichtig, betonte sie: «Respekt vor der Krankheit, Respekt vor den wirtschaftlichen Auswirkungen der Massnahmen und Respekt vor der Meinung der anderen.»

34 Kommentare
    Alexander Wetter

    da kein Impfstoff und Medikament bekannt sind, bleibt der wirksamste Schutz Maske, Distanz und Hygiene - das sollte, kann jeder verstehen - alles andere ist Hetze, Wichtigtuerei, verantwortungslos