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Die Messe muss konkurrenzfähig bleiben

Wer die letzten Tage über den Messeplatz ging, erlebte immer das gleiche Bild: Velofahrer queren die schwarze Teerfläche, Trämli kurven vorbei, die Schachspieler vor dem Kopfbau der Halle 1 ziehen ihre Figuren. Eine riesige freie Fläche bietet sich da an – und trotz strahlendem Wetter sind kaum Menschen auf diesem Platz.

Genau diese Fläche, dieses Stück Allmend, wird nun von den Gegnern des neuen Messebaus zu einem Heiligtum von ausserordentlicher Bedeutung hochstilisiert, das nicht angetastet werden darf. Vom «wohlproportionierten Messeplatz» ist die Rede, der zu «einem schattigen Unort» werden soll, der «jeglichen Repräsentationscharakter vermissen lassen» werde.

Das tönt, als ob ein Denkmal von historischer Bedeutung gerettet werden müsse. Der Augenschein bei idealem Wetter zeigt: Dieser Platz funktioniert nicht – er kann mit dem geplanten Neubau nur gewinnen.

Topmessen in Basel

Die Messe Schweiz glaubt an den Standort Basel und will hier investieren. Denn hier konnte das Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem zwei Messen etablieren, die weltweit eine Leader-Rolle einnehmen: die Baselworld und die Art. Warum sind diese Weltmessen ausgerechnet in Basel gross geworden? Warum konnte Genf trotz zahlreicher Uhrenfirmen und hervorragendem Luxushotel-Angebot den Baslern die Uhrenmesse nie streitig machen? Warum spielt sich der weltgrösste temporäre Kunstmarkt ausgerechnet jedes Jahr im Juni in Basel ab und nicht in Zürich, Paris, London oder New York, wo die Künstler- und Galeristenszene heute viel lebendiger ist als bei uns? Weil die Messe – mit Unterstützung einer ganzen Region – es geschafft hat, die Bedürfnisse ihrer Kunden frühzeitig zu erkennen und bestmöglichst zu erfüllen. Diese zuverlässige Partnerschaft zwischen Ausstellern, Besuchern und Veranstaltern hat dazu geführt, dass die wichtigsten Partner – die grossen Aussteller der Weltmessen – der Basler Messemannschaft zutrauen, dass sie die Anforderungen und Wünsche einer Branche kennt und umsetzen kann.

Nur das Beste

Diese Kunden erwarten tolle Messehallen, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Sie wollen das Beste und sind bereit, dafür einen ordentlichen Preis zu bezahlen. Sie vergleichen das Angebot in Basel nicht mit jenem von Zürich, Bern oder Genf, sondern mit Stuttgart, New York oder Dubai. Jedem von uns steht das Recht zu, dies zu kritisieren. Wenn sich diese Region aber als gute Gastgeberin präsentieren möchte, dann muss es unser erklärter Wille sein, diese Gäste möglichst bei Laune zu halten und ihnen den Aufenthalt zu einem angenehmen Erlebnis zu machen.

Denn in den acht Tagen einer Baselworld machen manche Uhrenfirmen bis zu vier Fünftel ihres Jahresumsatzes. Eine gute Baselworld bedeutet für die meisten Manufakturen ein gutes Geschäftsjahr. Darum setzen sie – zum Glück für diese Region – alles auf diese Karte: Millionen werden für den Bau und Betrieb der Messestände investiert. Rund 10 000 Arbeitsplätze in der Region hängen direkt oder indirekt vom Messestandort ab, der in den beiden Halbkantonen jährlich 70 Millionen Steuerfranken generiert.

Widerstand regt sich

Widerstand gegen den geplanten Messebau regt sich im Kleinbasel. Dieser Unmut hat seine Wurzeln: Kein Basler Quartier hat sich in den letzten Jahrzehnten derart verändert. Früher sorgte eine gesunde Durchmischung von Kleingewerbe, Quartierläden und belebten Hinterhöfen für eine beschauliche Quartieridylle, die gerade von Familien sehr geschätzt wurde. Heute ist das Kleinbasel ein spannender, multinationaler Raum, in dem sich viel bewegt und verändert.

Viele alteingesessene Bewohner beklagen die Zustände und denken mit Wehmut an die guten alten Zeiten zurück. Sie lieben ihre Umgebung, haben Angst vor einer Verschlechterung der Zustände und sind damit offen für die Argumente der Neubaugegner.

Unmut macht sich aber auch bei jenen breit, die im Vorgehen der Messe und der Behörden ein Demokratie-Defizit orten: Man habe, so der Vorwurf, keinen Architekturwettbewerb veranstaltet und die Wünsche grosser Firmen nahezu widerstandslos erfüllt. Die Interessen der Bewohner, so die Gegner, würden zweitrangig behandelt.

Mitwirkung

Die Verantwortlichen der Messe Schweiz und die zuständigen Behörden nahmen diese Vorwürfe ernst und haben darum das Gespräch mit den Anwohnern und den Gewerbetreibenden gesucht. Regelmässig wurden diese über die Projektentwicklung informiert, einige ihrer Anliegen flossen in den politischen Prozess ein und sind nun im vorliegenden Ratschlag enthalten, über den nun abgestimmt wird.

Doch die Planung eines für die Region bedeutenden Bauwerks kann kein basisdemokratischer Vorgang sein, bei dem alle Wünsche erfüllt werden. Regierung und Messe haben geplant, Varianten geprüft, Vor- und Nachteile abgewogen und schliesslich ein Projekt präsentiert, das aus ihrer Sicht die beste Lösung ist.Es ist darum verständlich, dass sich Befürworter dieser Vorlage ärgern, wenn die Gegner mit polemischen Argumenten ins Feld ziehen: So wird der Neubau als «Hallenkoloss» beschrieben, obwohl die von den Gegnern vorgeschlagene Alternative entlang der Riehenstrasse nahezu dieselben Dimensionen aufweist und die Rosentalanlage zeitweise fast ganz in den Schatten stellt. Auch die Kritik des Basler Heimatschutzes, der Neubau zerstöre die wichtige Achse von der Mittleren Brücke zum Badischen Bahnhof, hält einer fundierten Betrachtung nicht Stand. Der Basler Architekt Roger Diener zeigt in seinem heutigen Beitrag im baz.kulturmagazin auf, dass es ein Bauwerk wie jenes von Herzog & de Meuron braucht, damit diese städtebaulich unbefriedigende Situation am Messeplatz endlich geklärt werden kann.

Wie an allen Messestandorten der Welt beteiligt sich auch in Basel der Staat an der Finanzierung der Infrastruktur, weil die Volkswirtschaft und damit die Öffentlichkeit die grösste Nutzniesserin eines florierenden Messebetriebs ist. Und gerade weil die Messe Schweiz in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet hat, kann sie 75 Prozent der Neubaukosten selbst tragen. Die Investition in den Neubau ist eine Investition in die Zukunft der Messe und so die Ausgangslage für eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit mit den wichtigsten Kunden.

Sinnvolle Strategie

Wenn für die Messe Schweiz die Bedürfnisse ihrer Kunden an oberster Stelle stehen, dann heisst das noch lange nicht, dass die Anliegen der Bevölkerung missachtet werden. Die Fokussierung der Messe auf die Kunden ist unternehmerisch gesehen die einzige sinnvolle Strategie und letztlich das Geheimnis ihres nachhaltigen Erfolges: Seit bald hundert Jahren spielt sie die perfekte Gastgeberin und hat damit einen entscheidenden Beitrag zum Wohlstand und zur Entwicklung dieser Region geleistet. Damit sie das in Zukunft weiter tun kann, ist sie auf die Realisierung des neuen Hallenbaus dringend angewiesen.

matthias.geering@baz.ch

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