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«Die meisten lesen eigentlich nur noch die Titel»

«Mit der Beschreibung von Problemen erziehen wir unsere Leserschaft zur Hilflosigkeit»: Maren Urner. Foto: Lars Berg (Laif)

Sie machen uns Journalisten in Ihrem Buch einen schwerwiegenden Vorwurf. Wir seien nicht objektiv. Sie erinnern mich da an einen mächtigen Mann, der ständig von Fake News spricht.

Aber Sie schreiben, dass es objektiven Journalismus nicht geben könne.

Alles ist demnach nur eine Frage des Standpunkts. Kann es da überhaupt Fakten geben?

Überschätzen sich Journalisten?

Also ja.

Dürfen Journalisten also nur noch nach einem langjährigen Studium über etwas schreiben?

Sie behaupten, dass Medien zu viel Negatives berichten. Ist es nicht unsere Aufgabe, Missstände aufzudecken?

Und dazu gehört Harmloses, Nettes und Liebes?

Die Kernaufgabe der Medien, Bürger adäquat zu informieren, bleibt. Die Art und Weise muss sich aber fundamental ändern.

Maren Urner

Wohl weniger, als ich hier gerne zugeben würde.

Aber gerade in Onlinemedien zeigt sich: Only bad news are good news.

Social Media, Pushmeldungen aufs Handy, ständiger Zugang zum Internet. Die Digitalisierung lässt sich aber nicht mehr aufhalten.

Zurück zu den Bad News. Warum reagieren wir so stark auf diese?

Sie meinen den sogenannten Säbelzahntiger-Effekt.

Aber die Zeitungsleser müssen heute keinen unmittelbaren Angriff eines wilden Tiers mehr befürchten.

Ich glaube, dass wir tatsächlich anfangen sollten, in den Redaktionen anders zu denken, nicht nur von den Problemen schreiben.

Maren Urner

Engagierte Journalisten wollen ihre Leser nicht stressen, aber durchaus aufrütteln. Sie aber schreiben, dass unablässig schlechte Nachrichten bei der Leserschaft vor allem zu einem führen: Hilflosigkeit. Zeichnen Sie da nicht etwas gar schwarz?

Das ist nicht gut.

Die Folge ist Wut, Rückzug.

Was jetzt?

Wir wollen keine Werbung. Wir sind der Auffassung, dass diese die journalistische Arbeit beeinflusst. Und zudem die Leser vom Wesentlichen ablenkt.

Maren Urner

Sie fordern einen Paradigmenwechsel in den Redaktionen: weniger problemorientiert berichten, mehr Lösungen präsentieren. Ist das nicht etwas viel Romantik im News-Geschäft?

Sie beschreiben aber, dass genau dieser ein Kilo schwere Klumpen nur sehr schwer umprogrammierbar ist.

Wenn die Journalisten schon so sehr Mühe haben, ihre Hirne umzupolen: Dürfen wir denn ein solches Umdenken von den Lesern verlangen?

Das Onlinemagazin «Perspective Daily», das Sie 2016 mit Kollegen gegründet haben, tritt genau so auf. Revolutionär ist das nicht. Was aber auffällt: Das Angebot ist sehr überschaubar. Warum?

Sie leisten sich auch den Luxus, auf Werbung zu verzichten.

Mit Verlaub, aber nur ein elitäres Nischenprodukt wie Ihres, das 60 Euro pro Jahr verlangt, kann sich so etwas leisten.

In der Schweiz ist gerade eine direkte oder indirekte Subventionierung privater Medien ein Thema. Ein gangbarer Weg?

Ihr Buch «Schluss mit dem täglichen Weltuntergang» ist ein Bestseller. Sie scheinen damit einen Nerv getroffen zu haben. Auch Good News sind also Good News.

Sie wollen die Welt besser machen. Was stimmt Sie zuversichtlich?