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Ansteckungen durch Coronaviren sinkenDie Italiener klammern sich an eine dünne Hoffnung

Die Zahlen werden etwas besser, aber ist das schon die Trendwende? Die römische Regierung sinniert über eine partielle Lockerung der strengen Massnahmen – aber frühestens per Ende April.

Ein übergrosses Plakat an der Fassade des Krankenhauses Giovanni XXIII. in Bergamo macht Ärzten und Pflegern Mut.
Ein übergrosses Plakat an der Fassade des Krankenhauses Giovanni XXIII. in Bergamo macht Ärzten und Pflegern Mut.
Foto: Getty

Noch ist es eine karge Hoffnung, doch die Italiener klammern sich daran. Drei Wochen nach der Verordnung des harten Lockdowns zeigen sich erste Erfolge im Kampf gegen Corona. «Das Virus verlangsamt jetzt seinen Lauf», titelt die Mailänder Zeitung «Corriere della Sera» auf seiner ersten Seite. Die famose Kurve, sie flacht etwas ab.

Die Zahl der Neuinfektionen ist zuletzt viel weniger stark gewachsen als in den vergangenen Wochen, auch in der besonders getroffenen Lombardei. Und von den Menschen, die nun mit Symptomen ins Krankenhaus gebracht werden, brauchen weniger als bisher intensive Behandlungen, was die Lage entspannt. Die Anrufe im Notfall haben sich halbiert. Auch die Zahl der Genesenen ist ein Lichtblick: Sie ist deutlich angestiegen. Dramatisch bleibt die Bilanz des Todesopfer. Noch immer kommen jeden Tag viele neue hinzu, am Dienstag waren es 837. Mittlerweile sind in Italien 12’428 Menschen gestorben mit Corona. In vielen Gemeinden im Land hingen die Fahnen deshalb auf Halbmast. Um zwölf Uhr waren alle Italiener aufgerufen, eine Schweigeminute zu befolgen.

Ungeduld und Warnungen

Bei allen positiven Anzeichen: Ist das schon eine Trendwende? Die Experten sagen, die Ansteckungsrate sinke. Auf jeden Positiven kommt nun etwa ein Neuinfizierter, und das ist viel besser als vor einer Woche. Doch erst wenn diese Quote unter 1 fällt, wird ein baldiges Ende greifbar. Das Forschungsinstitut Einaudi hat eine Prognose gewagt und dafür die offiziellen Zahlen herangezogen. Zumindest diese erste Infektionswelle soll demnach zwischen dem 5. und 15. Mai überwunden sein.

Die italienische Regierung und das wissenschaftliche Komitee, das sie berät, teilen offenbar die Einschätzung. Damit die bisherigen Anstrengungen nicht gleich wieder verpuffen, werden die Massnahmen nun mindestens bis nach Ostern gelten. Wahrscheinlicher ist aber, dass der Lockdown dann noch einmal bis zum 4. Mai verlängert wird – also bis nach dem langen Wochenende mit dem 1. Mai. So soll verhindert werden, dass die Italiener für die Feiertage in ihre Heimatgemeinden reisen, wie sie das sonst zu dieser Jahreszeit tun.

«Ich will nicht, dass wir nach der Viruskrise übergehen in eine Hungersnot.»

Matteo Renzi, Italiens Ex-Premier

Politik und Wirtschaftsverbände debattieren unterdessen darüber, wann und wie genau die Unternehmen und Läden, die seit dem Shutdown geschlossen sind, wieder öffnen sollen. Einige Aufregung stiftete der frühere Premier Matteo Renzi, der schon vor Tagen mahnte, einen Plan für das Danach zu entwerfen. Man warf ihm vor, er wolle sich um jeden Preis interessant machen. Renzi gab zurück, die Aufgabe eines Politikers sei es, nach vorne zu schauen. «Ich will nicht, dass wir aus der Viruskrise direkt übergehen in eine Hungersnot», sagte er. Die Regierung sinniert nun über eine stufenweise Reaktivierung der Wirtschaft. Bereits nach Ostern sollen zum Beispiel Fabriken wieder öffnen, die Maschinen für die Lebensmittelproduktion herstellen – allerdings müssten sie ein strenges Sicherheitsprotokoll für Social Distancing befolgen. Läden in den Städten würden natürlich erst nach Lockerung des Lockdowns folgen. Ganz zum Schluss kämen dann Restaurants, Bars, Kinos, Museen, Stadien dazu.

Die Italiener werden schon mal darauf vorbereitet, dass manche neue Gewohnheiten auch nach Abebben der ersten Welle gelten werden. Das Tragen von Schutzmasken etwa, so hört man, wird noch für eine ganze Weile zum Alltag gehören.