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Wie überwintern?Die grosse Dahlien-Frage

Je nach Art der Dahlie und Standort des Gartens überstehen die beliebten Herbstblüher den Winter auch draussen.

Schön, aber empfindlich: Dahlien sind attraktive Herbstblüher, mögen aber keinen Frost und keine Staunässe.
Schön, aber empfindlich: Dahlien sind attraktive Herbstblüher, mögen aber keinen Frost und keine Staunässe.
Foto: Stefano Schröter

Wunderschön, unermüdlich und üppig blühen sie jedes Jahr im Garten. Aber dann, nach dem ersten Frost, müssen die Dahlien aus dem Boden gegraben und die Knollen im Keller überwintert werden. Denn der winternasse Boden oder lang anhaltender Frost würden die Knollen faulen lassen.

Wer also Dahlienblüten will, der muss die Mühe auf sich nehmen – es sei denn, man setzt auf Wildartdahlien und baut ihnen eine entsprechende Drainage ein. Dann überlebt die Pflanze den Winter auch ohne mühsames Ausbuddeln und Einlagern. Dies jedenfalls ist die Erfahrung der passionierten Dahliengärtnerin Sonja Bächler aus Sempach.

«Dahlien machen süchtig.»

Sonja Bächler, Gärtnerin und Floristin

Bächler, gelernte Gärtnerin und Floristin, hat vor neun Jahren ganz unverhofft die Dahliensammlung eines verstorbenen Gartenliebhabers geerbt. 60 Sorten insgesamt, die sie auf dem Hof ihres Bruders auspflanzte. Schon bald realisierte sie: «Dahlien machen süchtig

Leidenschaftliche Sammlerin: Sonja Bächler in ihrem Garten in Sempach, in dem sie rund 200 verschiedene Dahlien kultiviert.
Leidenschaftliche Sammlerin: Sonja Bächler in ihrem Garten in Sempach, in dem sie rund 200 verschiedene Dahlien kultiviert.
Foto: Stefano Schröter

Jedes Jahr kaufte sie neue Sorten dazu, sodass ihre Sammlung heute rund 200 verschiedene Dahlien zählt. Sonja Bächler freut sich an den vielfältigen Blüten, die sie zu Sträussen bindet oder weiterverarbeitet: zu Tees, Sirup, Essig, Gelee und vielem mehr.

Experimentierfreudige Expertin

Auch im Garten experimentiert sie mit Dahlien. So fand sie eine Abwehrstrategie gegen die Schnecken: Sie pflanzt Tagetes zwischen die Dahlien. Um nicht jedes Jahr 200 Sorten einzeln aufbinden zu müssen, hatte sie die Idee mit einem Netz: Sie spannt auf ungefähr 100 Zentimetern Höhe waagrechte Netze mit 15×15 Zentimeter grossen Quadraten, die den Dahlientrieben Halt geben. Und sie fand heraus, dass Wildart-Dahlien den Winter draussen verbringen können – wenn man sie entsprechend pflanzt.

Vor vier Jahren bekam sie von einem befreundeten Gärtner aus Deutschland die Wildart Dahlia merckii geschenkt mit der Bitte, sie solle testen, ob diese auch in der Schweiz winterhart sei. Sie nahm die Knolle mit in den Garten, grub ein Loch, baute eine Drainage, damit das Wasser gut abfliessen kann, setzte die eine Hälfte der Dahlienknolle und überwinterte die andere Hälfte normal im Keller – als Reserve, falls der Versuch schiefgehen würde. Doch die Drainage funktionierte. Die Dahlia merckii bleibt seither das ganze Jahr im Garten und blüht jedes Jahr neu.

Würde es mit den gezüchteten Dahliensorten nicht auch klappen, also jenen Gartendahlien, die durch Züchtung aus den Wildarten entstanden sind? Wildarten hätten nicht nur Knollen, sondern auch Rhizome als Speicherorgane, erklärt Sonja Bächler. Damit hätten sie einen Vorteil gegenüber den normalen Dahliensorten, die nur Knollen hätten.

Kleinere Blüten als ihre gezüchteten Artgenossen: Wilddahlien in Sonja Bächlers Garten.
Kleinere Blüten als ihre gezüchteten Artgenossen: Wilddahlien in Sonja Bächlers Garten.
Foto: Stefano Schröter

Aber der Klimawandel zeige schon Wirkung: «Ich erhalte oft Rückmeldungen von Dahlien-Liebhabern aus niederschlagsarmen Regionen wie zum Beispiel der Region Basel, dass sie ihre Dahlien gar nicht mehr ausgraben.» Dies funktioniere also in einigen Gärten sogar ohne Drainage schon gut.

Im Herbst werden 200 Sorten ausgegraben

In milden Gegenden kann es also einen Versuch wert sein, auch normale Dahlien im Boden zu überwintern. Weil es aber trotz Klimawandel zwischendurch wieder kalte Winter geben kann, riskiert man so unter Umständen einen Totalverlust.

Sonja Bächler selbst wohnt in der niederschlagsreichen Zentralschweiz und möchte es nicht riskieren, die Sammlung zu verlieren. Deshalb lässt sie nur die Wildart-Dahlie Dahlia merckii im Boden. Die 200 Sorten holt sie jeden Herbst nach dem ersten Frost, wenn die Kälte die Zellen der Pflanze platzen liess und die Knolle den Saft einzieht, eine nach dem anderen aus dem Boden, putzt sie, beschriftet sie, legt sie in Kisten und stapelt sie im Keller.