«Die Fotosessions waren eine Mutprobe für mich»

Marietta Wullschleger (23) aus Meilen posiert für den Bauernkalender 2012. Beim Shooting hat sie gelernt, selbstbewusster aufzutreten. Sie will Tierärztin werden.

Mit Marietta Wullschleger sprach Tim Frei Jedes Jahr bewerben sich Hunderte junger Frauen für ein Foto im Bauernkalender. Warum auch Sie? Mir ist der Bauernkalender seit längerer Zeit ein Begriff. Seit zwei Jahren hängt der Bauernkalender der Männer in meinem Zimmer. Letztes Jahr habe ich meinem Mitbewohner die Frauenausgabe zu Weihnachten geschenkt. Als ich die Bilder des Kalenders anschaute, reizte es mich, auch einmal so etwas zu machen. Also beschloss ich, es zu probieren, und habe mich angemeldet. Wie hat Ihr Umfeld reagiert? Das Echo war positiv, was mich überrascht hat. Denn ich habe gedacht, dass es mehr kritische Stimmen geben würde. Meine Eltern zum Beispiel haben mich ermuntert, am Fotoshooting teilzunehmen. Meine Freunde finden es auch toll und unterstützen mich. Meine Schwester war eher skeptisch, weil sie das selber nicht machen würde. Ihr Freund war nicht eifersüchtig? Nein, überhaupt nicht. Auch er unterstützte mich dabei. Er findet es auf eine Art cool: Während die halbe Schweiz ein schönes Bild von mir sehen kann, kann er von sich sagen, dass das Girl auf dem Foto seine Freundin ist. Im Gegenteil, er ist eher stolz als eifersüchtig. Sie zeigen sich im Bauernkalender leicht bekleidet. Wo liegt diesbezüglich Ihre Schmerzgrenze? Das Kriterium bei einem Fotoshooting ist für mich, dass die Bilder schön und qualitativ hochstehend sind. Eher schmuddelige Bilder kämen für mich aber nicht infrage. Dann könnten Sie sich vorstellen, sich auch für den «Playboy» nackt fotografieren zu lassen? Ja, sofern die Qualität der Bilder stimmt. Wie fühlen Sie sich bei der Vorstellung, von vielen Männern angeglotzt zu werden? Ich bin stolz darauf, dass mich so viele Männer ansehen können. Es wäre mir allerdings unangenehm, wenn mir das Bild nicht gefallen würde. Was haben Sie bei den Shootings gelernt? Durch die Fotosessions vor der Jury habe ich gelernt, selbstbewusster aufzutreten, denn sie waren für mich immer mit einer Mutprobe verbunden. Aber ich versuchte es einfach so gut wie möglich zu machen. Auch mein Selbstbewusstsein hat sich verbessert: Schon das Anmelden brauchte Mut. Als ich die erste Hürde nahm, befürchtete ich, dass ich es vielleicht nicht bis ins Finale schaffen würde. Doch ich sagte mir: Ich bin so, wie ich bin. Wenn das der Jury passt, umso besser. Sollte dies aber nicht der Fall sein, werde ich nicht enttäuscht sein oder an mir zweifeln. Ist Ihnen das Aussehen wichtig? Ziemlich wichtig. Es trägt beispielsweise viel zum ersten Eindruck bei. Zudem finde ich es schön, wenn sich Partner im Ausgang füreinander herausputzen. Auch Charakterstärken wie Verständnis und Vertrauen sind mir wichtig. Das Aussehen ist natürlich oberflächlich. Bei tieferen Freundschaften sollte es deshalb eine untergeordnete Rolle spielen. Was für berufliche Ziele haben Sie? Ich habe mich in meinem Studium der Veterinärmedizin soeben für den Schwerpunkt Nutztiere entschieden, wo ich auch meine Zukunft sehe. Ich kann mir gut vorstellen, dereinst eine Tierärztin zu sein, die von Hof zu Hof zu den Bauern geht. Mir gefällt daran, dass die Arbeit als Tierärztin auf dem Hof so vielseitig ist: Oft lassen Familien vom Hof neben den Kühen noch die Hunde, Katzen und Pferde untersuchen. Marietta Wullschleger ist stolz darauf, dass viele Männer sie ansehen können. Foto: PD

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