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Bauverzögerung wegen CoronaDie Eröffnung der alten Tonhalle wird verschoben

Nicht im März, sondern erst im September 2021 wird das Tonhalle-Orchester in den restaurierten Saal wechseln können. Auch das Kongresshaus nimmt den Betrieb erst dann wieder auf.

Auf der Baustelle von Tonhalle und Kongresshaus arbeitet man derzeit mit halber Besetzung.
Auf der Baustelle von Tonhalle und Kongresshaus arbeitet man derzeit mit halber Besetzung.
Foto: Sabina Bobst

Nun ist es offiziell: Die Tonhalle und das Kongresshaus am See können nicht wie vorgesehen am 11. März 2021 neu eröffnet werden, sondern erst im September. Die Bauarbeiten werden derzeit zwar weitergeführt, aber mit 150 statt 300 Arbeitern; auch die Materiallieferungen sind beeinträchtigt. Man strebe zwar nach wie vor eine möglichst rasche Bauübergabe an, heisst es in einer Medienmitteilung der Stadt Zürich; was das heisst, ist aber unklar.

Deshalb hat die Stadt nun beschlossen, die Eröffnung um ein halbes Jahr zu verschieben und den Betrieben damit zumindest eine jener Gewissheiten zu verschaffen, die derzeit so schwer zu haben sind. Einfach wird die Umplanung nicht: Das Kongresshaus muss Alternativen für bereits gebuchte Termine suchen.

Keine Orgel-Einweihung, keine gross besetzten Werke

Noch stärker trifft es die Tonhalle-Gesellschaft: Sie muss die zweite Hälfte der kommenden Saison von Grund auf neu konzipieren. Denn die geplanten Eröffnungsfeierlichkeiten fallen ebenso weg wie die Einweihung der neuen Orgel. Man habe für den Neustart bewusst gross besetzte Werke angesetzt, die nicht in die Tonhalle Maag passen, sagt Tonhalle-Intendantin Ilona Schmiel; und ob all die Dirigenten und Solistinnen, die man mit einem Auftritt im frisch renovierten Prachtsaal gelockt habe, auch in die Maag kommen werden, ist derzeit offen.

Umgekehrt braucht man nun die fünf Wochen, die für den Umzug konzertfrei gehalten wurden, nicht mehr. Sie werden kurzfristig gefüllt – ohne den Chefdirigenten Paavo Järvi, der dann bereits andere Verpflichtungen hat. Für die Tschaikowsky-Sinfonien, die er in der aktuellen Saison vorgesehen hatte und nun noch fehlen für die Gesamteinspielung, wird man eine andere Lücke finden müssen.

«Es wird eine Weile dauern, bis die alte Normalität wiederhergestellt ist», sagt Tonhalle-Intendantin Ilona Schmiel.
«Es wird eine Weile dauern, bis die alte Normalität wiederhergestellt ist», sagt Tonhalle-Intendantin Ilona Schmiel.
Foto: Paul Dutto

Auch jenseits der Bauverzögerung greift die Corona-Pandemie tief ein in den Orchesterbetrieb. Dass der Bundesrat bisher weder eine Definition noch eine zeitliche Perspektive für Grossanlässe geliefert hat, ist nur ein Problem. Dazu kommt die Frage, wann und wie weit die Reisebeschränkungen gelockert werden: Können internationale Musiker schon im Herbst wieder einreisen? Oder müssen sie nach jedem Grenzübertritt in die Quarantäne? Und wie steht es um die für November geplante Europa-Tournee des Tonhalle-Orchesters?

Unklar ist auch, wie die Hygiene-Vorschriften im Orchester umgesetzt werden können. «Die Musiker brauchen Nähe auf der Bühne,» sagt Ilona Schmiel, «Abstand ist das Gegenteil dessen, was gut ist für den Klang und fürs ZusammenspielAuch Masken auf dem Podium sind nicht nur bei den Bläsern kaum denkbar.

16 Prozent der Besucher haben die Beträge für ihre verfallenen Karten gespendet.

Im Publikum dagegen schonund auch daran wird derzeit herumgetüftelt. Schmiel kann sich vorstellen, dass es eine eigentliche «Einlass-Choreografie» geben wird, dass die Zuhörer also gestaffelt durch verschiedene Eingänge in den Saal geleitet werden. Von manchen hört sie zwar, dass sie erst wieder kommen werden, wenn eine Impfung möglich ist; «aber vielen fehlt die Musik so sehr, dass sie bei der ersten Möglichkeit wieder hier sein wollen». Dass 16 Prozent der Besucher die Beträge für vorgebuchte Karten, die wegen der Corona-Krise verfallen, gespendet haben, sieht sie als ermutigendes Signal.

Und auch als ganz konkrete Hilfe. Denn die finanziellen Einbussen sind gross, und sie werden wegen der Verschiebung der Eröffnung weiter wachsen. Der Maag-Saal hat weniger Plätze als die alte Tonhalle, und die Tonhalle-Gesellschaft muss in der Interimsspielstätte auch jene Betriebskosten tragen, die im Stammhaus von der Kongresshaus Zürich AG übernommen werden. Was dazukommt etwa wenn nur ein Teil der Plätze besetzt werden darf –, ist im Moment noch nicht abzusehen.

Sicher, so formuliert es Ilona Schmiel, scheinen derzeit nur zwei Dinge: einerseits, dass es eine Weile dauern wird, bis die alte Normalität wiederhergestellt ist. Und andererseits, dass man in der Tonhalle «mit Geduld und Optimismus und Flexibilität» alles tut, um bereit zu sein, wenn es wieder losgehen darf.