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Interview zu Rassismus«Die elitären Linken liessen mich spüren, dass ich einer anderen Schicht angehöre»

Die deutsch-türkische Politikwissenschaftlerin Çiğdem Toprak über den «Kanaken-Stil» und den Rassismus von Kreisen, die sich als besonders aufgeschlossen verstehen.

Ihr Blick ist unbestechlich, deshalb mag sie nicht automatisch in den Chor einstimmen, sobald jemand «Rassismus!» schreit: Çiğdem Toprak fragt lieber genau nach – auch mit dem Risiko, sich damit unbeliebt zu machen.
Ihr Blick ist unbestechlich, deshalb mag sie nicht automatisch in den Chor einstimmen, sobald jemand «Rassismus!» schreit: Çiğdem Toprak fragt lieber genau nach – auch mit dem Risiko, sich damit unbeliebt zu machen.
Foto: Marc Krause

Zunächst: Wie spricht man Ihren Vornamen aus?

Tschidem! Das g ist stumm, wie bei Erdogan. Da sagt man: Erdo-an.

Mit dieser Frage befinden wir uns mitten im Minenfeld der politischen Korrektheit: Denn damit einher geht die Frage nach der Herkunft – was heute als rassistisch gilt. Sehen Sie das auch so?

Nein. Im Gegenteil: Es ist nicht per se eine rassistische, vielmehr eine selbstverständliche Frage. In Deutschland – genauso in der Schweiz – gibt es ja auch eine Binnenmigration, das heisst, die Leute ziehen vom Land in die Stadt oder von einer Stadt in eine andere, von Bayern nach Berlin oder von Hamburg nach Frankfurt, weil heute niemand mehr fünfzig Jahre am selben Ort lebt. Das ergibt jene Vielfalt, die so oft gepriesen wird, da fragt man automatisch: Woher kommst du? Heute sind alle Fremde, und weil man sich vertrauen und kennen lernen will, fragt man eben: Woher kommst du?

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