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Eine Teenie-Ikone wanktDie einstige Teenager-Bibel «Bravo» kämpft mit Auflagenschwund

Die Jugendzeitschrift hat mit den sozialen Medien heftige Konkurrenz bekommen. Schafft sie es noch rechtzeitig, sich zu modernisieren?

Der Ruf hat in den vergangenen Jahren stark gelitten: Ist das «Bravo» dem Untergang geweiht?
Der Ruf hat in den vergangenen Jahren stark gelitten: Ist das «Bravo» dem Untergang geweiht?
Foto: pd

Dass Medien sich heutzutage ständig neu erfinden und an die neuen digitalen Welten anpassen müssen, dürfte mittlerweile im letzten Winkel der Redaktionswelt angekommen sein. Eine Zeitschrift muss sich ganz besonders beeilen: das «Bravo». Sie muss sich mit einem Zielpublikum auseinandersetzen, das mit dem eigenen Social-Media-Kanal lieber gleich selbst ein Medium betreibt, bevor es auch nur im Entferntesten auf die Idee kommt, irgendwelche Papier-Abos abzuschliessen.

Es geht seit Jahren bergab

Auflagentechnisch geht es mit dem Print-«Bravo seit Jahren bergab. 2015 lag die Auflage noch bei mehr als 173‘000, im vergangenen Quartal betrug sie noch 90’000. Die Frequenz hat der Verlag zunehmend gedrosselt: Erschien das «Bravo» früher noch wöchentlich, erscheint das Heft seit 2020 nur noch einmal im Monat.

Das «Bravo» im Wandel der Zeit: Titelseiten von 1956 bis 2014.
Das «Bravo» im Wandel der Zeit: Titelseiten von 1956 bis 2014.
Foto: Bravo/dpa

In der vergangenen Woche gab der Verlag bekannt, dass er die Produktion des «Bravo» ab übernächstem Heft an ein externes Redaktionsbüro auslagern, beziehungsweise «outsourcen» will, wie der Verlagsleiter Karsten Binke sagt. Die bisherige Redaktion soll sich vollständig darauf konzentrieren, mit den jungen Menschen und ihren Medienformen besser Schritt zu halten.

In einer Welt, in der junge Menschen von politischen Themen längst nicht mehr angeödet sind, wirkte das Heft oft wie aus der Zeit gefallen.

Während man im Bewegtbild-, Social- und Digitalbereich mit voller Wucht in die Zukunft brettern will, soll sich das Printheft gar nicht grossartig verändern. Fraglich ist allerdings, ob das «Bravo» als ehemaliges Quasi-Zentralorgan von Teenagern auch inhaltlich heute noch auf der Höhe der Zeit ist. In den vergangenen Jahren hatte der Ruf gelitten.

In einer Welt, in der junge Menschen von politischen Themen längst nicht mehr angeödet sind, sondern sich vielmehr aktiv gegen Sexismus oder Diskriminierung engagieren, wirkte das Heft oft wie aus der Zeit gefallen, etwa mit Tipps und Tricks, wie devote Mädchen süsse Boys für sich begeistern können («Guck Jungs immer leicht von unten an, das wirkt am süssesten auf Typen»).

«Wenn wir nicht an ‹Bravo› glauben würden, dann hätten wir es längst eingestellt.»

«Bravo»-Verlagsleiter Karsten Binke

Wenn man die aktuelle Ausgabe des «Bravo» durchblättert, finden sich zumindest in Teilen neue Ansätze: Zwei Seiten erklären die US-Wahl, es gibt ein doppelseitiges Feature über «Gender-Rules» («wie man jeden richtig anredet und warum das wichtig ist»), eine Anleitung zum Erkennen von Fake-Accounts in sozialen Medien und ein Porträt über die Rapperin Megan Thee Stallion mit dem Titel «Girl Boss».

Früher gab's den «Knigge für Verliebte», heute «Gender-Rules».
Früher gab's den «Knigge für Verliebte», heute «Gender-Rules».
Foto: Picture Alliance/dpa

Karsten Binke sieht im Heft keine inhaltlichen Schwächen, es gehe nun darum, die neuen Verbreitungswege für die Inhalte weiter zu erschliessen, effizienter zu werden. Ob das nicht am Ende doch auf Kosten der Qualität des Heftes geht? Denn irgendwie klingt «Outsourcing» hier ja doch eher nach einer Verlegung des altehrwürdigen «Bravo» ins Hospiz, zum langsamen, aber sicheren Ableben? Das will Binke nicht gelten lassen: «Wenn wir nicht an ‹Bravo› glauben würden, dann hätten wir es längst eingestellt.»

8 Kommentare
    Klaus Weber-Fink

    Wer braucht noch Bravo? Die Teenager haben alle iPhones und gucken Pornos.