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Streit um «La Colline» «Die einen profitieren, und die Öffentlichkeit bezahlt die Reparaturkosten»

«Wenn Arten dabei sterben, zeugt es von einer gewissen Arroganz der Menschen, zu urteilen, ob diese Gebiete wichtig sind oder nicht»: Peter Huggenberger plädiert für den Schutz des Feuchtgebiets in der Schwinbach-Aue in Arlesheim.

Peter Huggenberger, sind Feuchtgebiete wie «La Colline» in Arlesheim tatsächlich so wichtig, wie die Naturschützer behaupten?

Sie sind sehr selten geworden. Erhalten wir die Feuchtgebiete nicht, kann auch die Artenvielfalt nicht erhalten werden. Die Zerstörung von Feuchtgebieten ist also ein Eingriff in die Biodiversität. Natürlich gibt es Leute, für die sind Naturschutzgebiete einfach «nice to have» und nicht etwas, das zwingend nötig ist. Wenn Arten dabei sterben, zeugt es von einer gewissen Arroganz der Menschen, zu urteilen, ob diese Gebiete nun wichtig sind oder nicht. Für intakte Ökosysteme sind intakte Feuchtgebiete zentral.

Sie sagen, Feuchtgebiete seien selten geworden. Warum?

Der Druck auf sie wird gerade in urbanen Gebieten immer grösser. Sie werden als Bauland interessant, weil die Landpreise inzwischen sehr hoch sind. Die ziemlich umfassenden Tiefbaumassnahmen, die nötig werden, stehen so in einem günstigeren Verhältnis zum Gesamtpreis. Es gibt ganz viele handfeste Interessen. Die Ökonomie spielt eine enorm grosse Rolle.

Früher wäre das anders gewesen?

Früher hätte man abgewinkt: zu viel Wasser im Boden. Heute werden die Häuser von «La Colline» einfach auf Betonpfähle gestellt. Diese treibt man in den Boden, bis sie auf felsigen Untergrund treffen. Das macht das ganze Konstrukt stabil. Der Beton sorgte unter anderem für die gemessene Verunreinigung des Wassers, da ihm Chemikalien beigegeben werden. Diese Pfähle, kombiniert mit der geplanten Tiefgarage, bilden eine Barriere für den Wasserfluss. Was hier abgelaufen ist, kann stellvertretend sein für viele Orte, die im Rahmen der Urbanisierung unter Druck geraten sind.

Was macht denn ein Feuchtgebiet aus?

Feuchtgebiete funktionieren nur, wenn der Wasserhaushalt, die Hydrologie, stimmt. Die Wege des Wassers sind kompliziert. Es fliesst diffus den Hang hinunter. Die einen Zonen sind durchlässiger, andere weniger oder gar nicht. Mal versickert der Wasserstrom, dann tritt er wieder zutage. Das führt zu einer Mikrotopografie. Sie kann essenziell sein für Tiere, die Feuchtigkeit gewohnt sind oder sie sogar benötigen. In einer Trockenperiode können sie sich in feuchte Zonen zurückziehen.

«Wenn jemand Wasser verschmutzt, müsste das meiner Ansicht nach als Offizialdelikt betrachtet werden.»

Peter Huggenberger

Wäre es möglich, das Naturschutzgebiet zu verschieben oder zu reparieren?

Schützen kann man die Arten nur, wenn man die Dynamik der Feuchtgebiete aufrechterhält. Man kann nicht einfach drei Rohre legen und dann ist es gelaufen. Das Quellgebiet aus der Dachwasserversickerung und der Siedlungsentwässerung ist auch schwierig. Dieses Wasser ist meist belastet. Vielleicht denken manche, man könne so ein Ökosystem selbst basteln, aber man kann es nicht einfach bauen wie einen Spielplatz. Ich würde immer noch versuchen, zu retten, was zu retten ist. Dazu sollten sich Hydro-Geologen und Ökologen zusammensetzen. Aktuell sieht es so aus, dass die einen profitieren, und die Öffentlichkeit bezahlt die Reparaturkosten.

Sind Politik und Wirtschaft zu wenig sensibilisiert?

Der anthropozentrische Schutz des Wassers, des Trinkwassers, wird in Bauplänen festgelegt. Im Bewilligungsverfahren wurde jedoch davon ausgegangen, dass es hier kein Grundwasser gibt, was von der Definition abhängt. Es hat aber nicht kein Wasser, sondern Wasser, das ein Ökosystem speist. Alle stützen sich auf die Baubewilligung. Die zählt aber nur für die Parzelle, die bebaut wird. Es braucht jedoch eine Gesamtsicht. Die Baubewilligung berechtigt nicht, das Nachbarareal zu schädigen. Wenn jemand Wasser verschmutzt, müsste das meiner Ansicht nach als Offizialdelikt betrachtet werden.

12 Kommentare
    P. Eckert

    Wie schon bei der Rütihard versucht und zum Glück aufgeschoben. Die bauwütigen "Beton"köpfe der SVP und FDP Landräte führen zu solchen Situationen wo noch die letzten Reste der Natur dem Profit geopfert werden.