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Fernwärme wird grünDie EBL heizt Liestal tüchtig ein

Der Baselbieter Stromanbieter plant einen grossen Verbund mit ökologischem Mehrwert. Pro Jahr werden neun Millionen Liter Heizöl überflüssig.

Die neue Heizzentrale in Liestal wird neun Meter höher und unweit der Eisenbahnlinie zum Werbeträger der EBL.
Die neue Heizzentrale in Liestal wird neun Meter höher und unweit der Eisenbahnlinie zum Werbeträger der EBL.


Die Elektra Baselland (EBL) baut ihr Fernwärmenetz in Liestal massiv aus und schliesst die sieben bestehenden Verbünde zu einem einzigen zusammen. War die Fernwärme in der Baselbieter Kantonshauptstadt bis jetzt nur dem Namen nach grün, so soll sie es in Zukunft tatsächlich sein. Der Holzanteil steigt auf über 90 Prozent, was einer Verdoppelung entspricht. Dadurch können jährlich neun Millionen Liter Heizöl eingespart werden. Die CO
2-Belastung nimmt dadurch um 24'000 Tonnen ab. Aktuell werden im Raum Liestal 6000 Haushaltungen mit jährlich 80 Gigawattstunden versorgt.

«Wir in Liestal müssen keinen Klimanotstand ausrufen.»

Stadtpräsident Daniel Spinnler, FDP

Das Projekt ist Teil eines Leuchtturm-Projektes der Oberbaselbieter Genossenschaft. Diese ist seit über einem Vierteljahrhundert als Pionierin bei der Fernwärme aktiv und hat dafür auch viel Lehrgeld bezahlt, wie EBL-CEO Tobias Andrist bei der Grundsteinlegung sagte. Alleine in Liestal baute sie sechs kleinere Netze auf, eines erwarb sie 2016 vom Kanton. Mit dem Grosswärmeverbund Liestal nimmt auch die erneuerbare Energieschiene Ergolztal langsam Gestalt an. Diese umfasst den energie- und wärmetechnischen Ausbau zwischen Pratteln und Ormalingen.

Die Gesamtkosten für die Energieschiene Ergolztal belaufen sich auf über eine Viertelmilliarde Franken. Ziel ist es, jährlich über 230 Gigawattstunden Wärme zu produzieren und dadurch 19 Millionen Liter Heizöl einzusparen. Der Gesamteffekt beim CO2-Ausstoss wird bei 49'000 Tonnen liegen.

Holz aus der Region

Anders als etwa in Basel erfolgt der Fernwärme-Ausbau nicht auf einer gesetzlichen Grundlage. Er fusst auf einer privaten Initiative. Dies sei Absicht, erklärte der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektor Isaac Reber. «Wir schaffen Anreize, leisten über das Energiepaket Anschlussbeiträge.» Der Grüne erinnerte an die ehrgeizigen Klimaziele und sprach im Zusammenhang mit der Energieschiene von einem guten, aber nicht dem letzten Schritt.

«Wir leisten einen Beitrag an ein globales Problem», ergänzte Liestals Stadtpräsident Daniel Spinnler. Und mit Blick auf die beiden Basel sagte er: «Wir in Liestal müssen keinen Klimanotstand ausrufen.» Die Kantonshauptstadt sei bereits eine Energiestadt und investiere wie etwa beim Primarschulhaus Gestadeck nachhaltig, damit nicht die Atmosphäre, sondern das Gebäude geheizt werde.

Gebaut wird die neue Fernwärmezentrale in Liestal an der Spitalstrasse, direkt neben der Zentralwäscherei und direkt vor der Eisenbahnlinie. Damit sich Verkehrsbehinderungen in Grenzen halten, wird die Grossbaustelle zum Vierspurausbau der SBB, die Erneuerung der Waldenburgerbahn und die Baustelle Zentrum Nord eng aufeinander abgestimmt. Die Bauarbeiten zum Verlegen der Leitungen beginnen im Herbst 2021 und werden bis Juni 2023 abgeschlossen sein.

Die erste Bauetappe in Liestal kostet 42 Millionen Franken. Rück- und Neubauten werden parallel ausgeführt. Entscheidend sei, sagte Andrist, dass die Wärmeversorgung der Kunden durchgehend gewährleistet sei. Im nächsten Jahr verschwinden die bestehenden Beton-Silos, in denen bis jetzt Heizöl gebunkert wurde. Ersetzt werden sie durch zwei Holzsilos und zwei neue Holzheizkessel mit einer Leistung von 19 Megawatt. Die Liestaler Heizzentrale wird um neun Meter höher. Gemäss Andrist wird die erste Bauetappe in drei Jahren abgeschlossen sein.

31 Kilometer langes Netz

In einem zweiten Ausbauschritt werden die Wärmeverbünde Burg, Brunnmatt und Hallenbad an die modernisierte und mit mächtigen Holzsilos ausgestattete Heizzentrale angeschlossen. Durch den Zusammenschluss wird das Netz eine Länge von 31 Kilometern umfassen. EBL-Fernwärme-Chef Roger Scheidegger veranschlagt die Kosten für einen der insgesamt 5000 neuen Laufmeter auf 1500 Franken.

Angenehmer Nebeneffekt des Netzausbaus in Liestal: Das Wärme-Management wird nachhaltig verbessert. Mit Power-to-Heat wird überschüssiger grüner Strom, in Spitzenzeiten von Fotovoltaikanlagen produziert, in Wärmespeicher aufgenommen und bei Bedarf an das Fernwärmenetz abgegeben.

Gleichzeitig mit der Grundsteinlegung unterzeichnte die EBL auch einen Liefervertrag mit der Raurica Wald AG, die sich aus den grossen Waldbesitzern der Region zusammensetzt. Alleine für Liestal muss diese gegen 80'000 Kubikmeter Trockenholz pro Jahr bereitstellen. Ein Ausschreibung des Grossauftrages ist gemäss Andrist nicht erforderlich, da die EBL über keinen Auftrag der öffentlichen Hand verfügt noch sich in deren Hand befindet.

Spatenstich bei der Zentralwäscherei in Liestal. EBL-Chef Tobias Andrist (2. von links oben) und Regierungspräsident Isaac Reber (2. von links unten) packen symbolisch mit an.
Spatenstich bei der Zentralwäscherei in Liestal. EBL-Chef Tobias Andrist (2. von links oben) und Regierungspräsident Isaac Reber (2. von links unten) packen symbolisch mit an.