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Kolumne Krogerus & TschäppelerDie drei Gesetze des Programmierens

Software ist die neue Religion unserer Welt. Aber was sind ihre Gebote?

Foto: Roman Tschäppeler

Eines der einschneidendsten Ereignisse der letzten fünfzig Jahre war, abgesehen vom Cupsieg der Young Boys vorletzte Woche, die Digitalisierung. Bei fast allen unseren Tätigkeiten spielt sie, oft nur im Hintergrund, eine Rolle. Obwohl Software so wichtig ist, wissen wir kaum etwas darüber. Zum Beispiel: Nach welchen Regeln wird eigentlich programmiert?

In dem wegweisenden Buch «Exploring Scrum: The Fundamentals» erörterte der Chefdenker der Programmierer, ein Mann namens Jeff Sutherland, drei «Gesetze» der Softwareentwicklung.

1. Humphrey’s Law – «Menschen wissen nicht, was sie wollen, bevor sie es sehen.» Das Gesetz ist einer der Hauptgründe, warum Google, Microsoft und Apple es vorziehen, Versionen zu veröffentlichen anstatt vollendete Software. Denn sie wissen nicht, was der User will, und der User weiss es auch nicht. Also zeigen sie ihm etwas, er probiert daran herum, gibt Feedback. Humphreys Gesetz ist eine Abkehr von dem Versuch, eine perfekte Lösung zu präsentieren. Es gibt keine Perfektion, es gibt nur konstante Verbesserung. Übersetzen wir das Gesetz in unsere Welt: Was in Ihrem Leben sollten Sie verbessern?

2. Ziv’s Law – «Softwareentwicklung ist unvorhersehbar und kann nie vollends verstanden werden.» Das Gesetz – auch bekannt als «Unsicherheitsprinzip» – besagt, dass bei Softwareentwicklung wie im Leben gilt: Alles ist unvorhersehbar. Besonders wenn man es zum ersten Mal macht. Der zweite Teil des Gesetzes: Das meiste im Leben ist so kompliziert, dass wir es eh nicht verstehen. Fragen Sie sich: Was ist Ihre Strategie, um mit Unsicherheit umzugehen?

3. Conway’s Law – «Software ist ein Spiegel der Firma und der Menschen, die sie entwerfen.» Conways Gesetz ist das älteste der drei, es stammt aus den 1960er-Jahren, und vielleicht ist es das weitreichendste. Es besagt, dass alles, alle Produkte, die wir herstellen, alle Arbeiten, die wir verrichten, ein Spiegel unserer selbst sind. Betrachten Sie also heute mal Ihr Tagewerk, und fragen Sie sich: Erkenne ich mich selbst in meiner Arbeit wieder?

Mikael Krogerus ist «Magazin» -Redaktor, Roman Tschäppeler ist Kreativproduzent. hallo@guzo.ch