Die schändliche Desavouierung von Dieter Nuhr

Der Komiker hat es gewagt, Witze über die «heilige» Greta Thunberg zu machen. Seitdem steht er unter Beschuss –zu Unrecht!

Dieter Nuhr legt überall dort seinen Finger in die Wunde gedrückt, wo gerade Aufregung herrscht.

Dieter Nuhr legt überall dort seinen Finger in die Wunde gedrückt, wo gerade Aufregung herrscht.

(Bild: Keystone)

Sebastian Briellmann

«Ich bin gespannt, was Greta macht, wenn es kalt wird: Heizen kann es ja wohl nicht sein.»

Dieter Nuhr hat vor knapp drei ­Wochen in seiner Satiresendung im öffentlichen Rundfunk diesen Witz über Greta Thunberg gemacht (und danach auch noch andere), und man kann sicherlich über den Grad an Lustigkeit diskutieren – aber was nach diesem Scherz geschehen ist, muss doch eher als bemerkenswert ange­sehen werden. Der deutsche Komiker wurde beschimpft für seine «Kritik an einem Kind», er erfuhr das, was sich heute einen Shitstorm schimpft. Früher sei er doch so gut gewesen, und heute, nun ja, einfach nur noch billig und schändlich.

«Wie kann er es wagen?», will man etwas spöttisch in die Runde werfen, ein Satiriker macht Witze über Menschen, die den aktuellen Diskurs prägen, so was aber auch. Dafür muss er nun im ganzen Land ordentlich verbale Prügel einstecken; erstaunlicherweise hauptsächlich aus jenen Kreisen, die sich früher an Nuhrs Gesellschaftskritiken ergötzt haben, weil ihre heile Welt da nicht gestört wurde.

Wenn der 58-Jährige sich nun aber erdreistet, ein paar Witze über Helden des linksliberalen Mainstreams zu erzählen – und darüber hinaus berechtigte Fragen stellt, was die Forderungen von Greta und Gefolgschaft für die ganze Bevölkerung denn bedeuteten: Dann ist das natürlich überhaupt nicht mehr komisch, sondern ein weiterer Affront eines «alten weissen Mannes». Die Desavouierung eines Komikers verstört und ist: Nuhr noch peinlich.

Das Schöne an dieser Farce allerdings ist das Resultat dieser aufgeblähten, sagen wir, Debatte: Nuhr darf derzeit, wenn er mag, täglich Interviews geben, in denen er seinen Beruf und seine Beweggründe sachlich und kompetent erklären kann, er steigert seinen Bekanntheitsgrad – und für seine wöchentlichen Sendungen wird ihm, sozusagen gratis und franko, neuer Stoff für sein Programm ­geliefert. Diejenigen, die Nuhr am meisten kritisierten, haben mit ihrem merkwürdigen Verständnis von ­Meinungsfreiheit einzig erreicht, dass sich seine Witze einer noch grösseren Verbreitung erfreuen.

Dieter Nuhr darf für sich reklamieren, stets Haltung gezeigt zu haben in seinem Beruf.

Und Nuhr tut das. Genüsslich amüsiert er sich über die Gesinnungsethiker, er lässt sich nicht beirren: In den zwei nachfolgenden Sendungen hat das Greta-Klima-Thema seine Auftritte dominiert. Der Komiker weiss: Er kann es sich leisten. In einem Interview spricht er davon, dass er noch nie so viele positive Rückmeldungen ­erhalten habe. Und er weiss wohl auch, dass er für sich reklamieren darf, stets Haltung gezeigt zu haben in seinem Beruf: Niemand erhält besonderen Schutz.

Nuhr, einst Gründungsmitglied der Grünen, aber längst aus der Partei ausgetreten, hat beispielsweise die landesweit bekannte Shitstorm-­Sendung mit ein paar bösen Vergleichen von AfD-Höcke und Adolf Hitler eröffnet. Dass er sich in seinem Vortrag also in wenigen Minuten an allen möglichen Reizthemen abarbeitet, hat offenbar niemand bemerkt. Haupt­sache Empörung. Dabei hat Nuhr nur seinen Job gemacht und überall dort seinen Finger in die Wunde gedrückt, wo gerade Aufregung herrscht.

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