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AbgefahrenDie Basler Parkplatzmisere ist hausgemacht

Dass es in der Stadt derzeit grotesk wenig Parkplätze hat, ist die Folge einer jahrzehntelangen Fehlpolitik.

Basel steht mit parkierten Fahrzeugen auf Kriegsfuss.
Basel steht mit parkierten Fahrzeugen auf Kriegsfuss.
Foto: Nicole Pont

Schon lange ist in Basel die geringe Zahl der Parkplätze ein Ärgernis. Die Stadt wächst, die Zahl der Parkplätze entlang der Strassen nimmt kontinuierlich ab – aus einer Vielzahl von Gründen. Erst kürzlich hat das Bau- und Verkehrsdepartement bekannt gegeben, weitere 530 Parkplätze zu opfern, um die Sicherheit für Velofahrer zu erhöhen und tödliche Unfälle wie jenen von Martin Vosseler zu verhindern. Damit verschärft sich die Situation weiter. Bereits heute werden in Basel mehr Anwohnerparkkarten verkauft, als es überhaupt Parkplätze in der blauen Zone gibt. Ende 2016 waren rund 35’000 Anwohner- und Gewerbeparkkarten für etwas mehr als 21’000 Parkplätze im Umlauf.

Dass im stets dichter besiedelten Raum mit vielen Velofahrern der Platz auf der Strasse knapp wird, ist wenig überraschend. Ebenso verständlich ist der Wunsch, die Sicherheit zu erhöhen und den wertvollen Raum nicht mit parkierten Autos zu verschwenden. Dass die Zahl der Parkplätze überhaupt zu einem solchen Politikum werden konnte, ist das Resultat der städtischen Politik der letzten Jahrzehnte. Wagen wir einmal einen Blick in den Nachbarkanton. In vielen Baselbieter Dörfern gibt es keine parkierten Autos auf den Strassen, obwohl es dort vielerorts sogar ohne weiteres erlaubt wäre, ein Auto abzustellen. Der Grund ist ganz einfach: Im Baselbiet wurden Bauherren bis vor kurzem dazu verpflichtet, pro Wohnung einen Parkplatz und 0,3 Besucherparkplätze bereitzustellen.

Besucher und Handwerker gehen vergessen

In Basel besteht diese Pflicht nicht. Im Gegenteil: Bauherren werden sogar noch Steine in den Weg gelegt. Das führt dazu, dass bei Neubauprojekten wenige bis gar keine Parkplätze gebaut werden. Das wäre halb so schlimm, wenn genügend Parkhäuser für Anwohner und Besucher in den Quartieren bestünden. Denn auch wenn es viele Haushalte in Basel gibt, die ohne eigenes Auto auskommen, wird stets vergessen, dass auch diese Menschen ab und zu Besuch von ausserhalb erhalten. Und auch diese Bewohner müssen zwischendurch mal einen Handwerker bestellen, der dann irgendwo in der Nähe parkieren muss.

Ob man die Zahl der fehlenden Parkplätze oder die Zahl der Autos als das eigentliche Problem erachtet, ist letztlich eine Frage der politischen Einstellung.

Die Lösung des Problems wäre im Prinzip einfach: Mit einer Erstellungspflicht von einer gewissen Anzahl Parkplätzen pro Wohnung würde das Problem langfristig aus dem Weg geschafft. Dabei braucht es in Basel vermutlich nicht einmal einen ganzen Parkplatz pro Wohnung, ein halber könnte reichen. Vorstellbar wäre auch die Schaffung einer Art Parkplatzbörse. Bauherren, die in ihrem Projekt auf die Schaffung einer Tiefgarage verzichten, müssten sich dann bei einer anderen Tiefgarage einkaufen. Sinnvollerweise müssten diese eingekauften Parkplätze aber in einer vernünftigen Distanz zum Bauprojekt sein, um eine Wirkung entfalten zu können, beispielsweise innerhalb des gleichen Postleitzahlkreises.

Künftig die gleichen Probleme in der Agglo?

Das Baselbiet hat leider kürzlich das erfolgreiche Zwangsmodell aufgeweicht: Der Kanton schreibt Bauherren keine Parkplätze mehr vor, sondern überlässt diese Regelung den Gemeinden. Zu befürchten ist daher, dass in einigen Jahren insbesondere in den boomenden Grossgemeinden in der Agglomeration dieselben Diskussionen um knappe Parkplätze toben wie in Basel.

Ob man die Zahl der fehlenden Parkplätze oder die Zahl der Autos als das eigentliche Problem erachtet, ist letztlich eine Frage der politischen Einstellung. Wer als Autofahrer aber links-grün wählt, darf sich nicht wundern, wenn er am Ende keinen freien Parkplatz findet.

43 Kommentare
    Rolf Kissling

    Bei der Heuwage genauer in dem Birsig-Parkplatz (wie diese Strasse heisst)

    werden zur Zeit oft benötigte Parkplätze teilweise unbegreiflich beseitigt!