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Das Ende einer WeltmesseDie Baselworld ist Geschichte

Eine Messe mit dem Namen «Baselworld» wird es nicht mehr geben. Neue Plattformen werden geprüft, auch andere Städte sind als Austragungsorte im Gespräch.

Die Zeit für die Baselworld ist abgelaufen.
Die Zeit für die Baselworld ist abgelaufen.
Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Die MCH Group rutscht weiter in den Schlamassel. Die Baselworld, einst die wichtigste Einnahmequelle aus dem Messegeschäft, wird es in ihrer bisherigen Form nicht mehr geben. Der Name Baselworld verschwindet definitiv. Auch andere Austragungsorte wie Zürich, Luzern oder Lausanne kommen für ein Nachfolgeformat infrage. Dies bestätigt Messechef Michel Loris-Melikoff. Der Ersatztermin (28. Januar bis 2. Februar) für das Corona-Jahr 2020 ist gestrichen.

«Wir sind intensiv daran, zusammen mit den Ausstellern und Besuchern die Bedürfnisse und Möglichkeiten neuer Plattformen abzuklären und zu diskutieren», bestätigt der Leiter der Baselworld, Michel Loris-Melikoff. Letztlich habe man sich entschieden, die Planungen für die auf 2021 verschobene Baselworld einzustellen, einen Schlussstrich zu ziehen und an zukünftigen, neuen Plattformen für die Baselworld zu arbeiten, sagt MCH-Group-Sprecher Christian Jecker. «Die Tatsache, dass es im Januar 2021 keine Baselworld geben wird, heisst nicht, dass es 2021 nichts geben wird», sagt Jecker, ohne aber bereits sagen zu können, ob und was es dann und in den folgenden Jahren geben wird. Denkbar sei alles, auch der Verzicht auf die Organisation einer Uhren- und Schmuckmesse.

«Wir sind bis an die Grenzen des Möglichen gegangen.»

Christian Jecker, Sprecher MCH Group

Eigentlich, sagt Jecker, sei die Entwicklung im Live-Event-Geschäft ein bisschen wie bei den Medien. Die Zeiten, als man die Informationen einmal am Tag im Briefkasten hatte, sind vorbei. Heute erhalte man die neusten Informationen darüber hinaus den ganzen Tag, auf verschiedenen Kanälen und in verschiedenen Formaten. In diese Richtung wolle sich auch die Baselworld weiterentwickeln und Communitys bilden, die über physische Events hinaus das ganze Jahre über verbunden sind und interagieren können.

Immerhin hat die MCH Group jene, die noch nicht Abschied von der Baselworld genommen haben, nicht weiter vergrault. Man sei sich «in Bezug auf die Abrechnung» für die Ausgabe 2020 einig geworden, heisst es. Gemeinsam mit dem Comité des Exposants suisses sei eine einvernehmliche Lösung erarbeitet worden. «Das Grundmodell sieht vor, dass sich die Aussteller zu rund einem Drittel an den bis zur Absage aufgelaufenen Kosten beteiligen», sagt Jecker. «Wir sind damit an die Grenzen des Möglichen gegangen.»

Watches & Wonders in Genf

Der ursprüngliche Plan der MCH Group bestand darin, für diejenigen, die im Januar 2021 zurückkommen wollten, 85 Prozent der bereits gezahlten Beträge als Anzahlung für die Ausgabe 2021 anzurechnen. Die restlichen 15 Prozent wollte die MCH Group dafür verwenden, einen Teil der im laufenden Jahr anfallenden Kosten zu decken. Das jetzige Modell sieht keine Gutschriften mehr vor, sondern Rückzahlungen, die allerdings etwas kleiner sind.

Zuletzt gab es bei der Baselworld einen regelrechten Aderlass. Den Anfang machte Swatch, dann folgten weitere Schlüsselmarken wie Patek Philippe, Rolex, Tudor, Chanel, Chopard, Hublot, TAG Heuer und Zenith. Aber auch Breitling, Bulgari und Seiko zeigten Basel die kalte Schulter. Viele der Marken werden im April an der neuen Uhrenausstellung Watches & Wonders in Genf teilnehmen.

Die MCH Group rechnet als Folge von Covid-19 mit Ausfällen von 140 bis 170 Millionen Franken. Gemäss Finanzbericht 2019 werden die Auswirkungen auf den Cashflow auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag geschätzt.

35 Kommentare
    Karl Sutter

    Das Ende der Baselworld hat verschiedenste Ursachen. Zweifellos trug die MCH ungenügend zur Lösung der Ausstellerprobleme bei. Trotzdem. Man kann jetzt nicht einfach sagen "Die MCH hat die Baselworld ruiniert". Dazu ist immer wieder zu lesen, dass die MCH die neuen Messehallen wollte. Das ist falsch. Es waren die (jetzt abtretenden Uhrenhersteller, allenvoran Herr Hayek) die per Ultimatum die neuen Hallen forderten, "sonst gehen wir nach Genf". Natürlich war es falsch, dieser Erpressung aus der Romandie nachzugeben. Ich darf aber erinnern. Das Volk hat diesen Hallen zugestimmt. Die Genfer Messe wird nicht funktionieren. Genf hat eine miserable Messe Infrastruktur, noch viel teurere Hotels und Restaurants und Zudem massive Verkehrsprobleme. Alles Dinge mit denen man reiche Besucher vergrämt. Ein erster Versuch ist ja schon kläglich gescheitert. Nach 3 "Ausgaben" war schon wieder Schluss. Es kamen einfach keine Besucher.