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Interview mit Christoph Brutschin«Die Art Basel wird nicht nach London umziehen»

Christoph Brutschin, Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt in Basel, zum geplanten Einstieg von James Murdoch bei der MCH Group.

Christoph Brutschin: «Lupa gibt eine Standortgarantie für mindestens 15 Jahre für die Durchführung der rentablen Messen.»
Christoph Brutschin: «Lupa gibt eine Standortgarantie für mindestens 15 Jahre für die Durchführung der rentablen Messen.»
Foto: Florian Baertschiger

Finden Sie es positiv, dass sich James Murdoch bei der MCH Group einkauft?

Ja, das finde ich sehr positiv. James Murdochs Lupa Systems erfüllt die Bedingungen, die wir gestellt hatten: längerfristiges Engagement, Standortgarantie für die rentablen Messen und Kongresse in Zürich und Basel, Beziehungsnetz und Erfahrung in Geschäftsfeldern, die mit jenen der MCH Group verwandt sind. Dazu die Bereitschaft, einen höheren zweistelligen Millionenbetrag einzubringen.

Mit dem Einstieg dieses Investors werden die Anteile der anderen Aktionäre verwässert. Was ist das Ziel dabei?

Die anderen Aktionäre haben die Möglichkeit, ihre Bezugsrechte wahrzunehmen und neue Aktien zu zeichnen, womit sie einer Verwässerung vorbeugen können.

«Ohne zusätzliche Mittel und ohne die Möglichkeit, Messen durchzuführen, ginge die Liquidität Mitte nächsten Jahres dem Ende entgegen.»

Warum behält der Kanton eine Sperrminorität?

Weil damit sichergestellt ist, dass wichtige Entscheidungen, zum Beispiel eine Änderung der Statuten, nur mit, aber nicht gegen die Kantone getroffen werden können.

Warum braucht es überhaupt zusätzliche Liquidität? Die MCH Group hatte Anfang 2020 140 Millionen Franken, sie verbraucht in diesem Jahr 60 Millionen Franken, sodass für 2021 immer noch 80 Millionen Franken bleiben.

Der Cash-out ist höher als von Ihnen dargestellt. Ohne zusätzliche Mittel und ohne die Möglichkeit, Messen durchzuführen, ginge die Liquidität Mitte nächsten Jahres dem Ende entgegen.

Warum erfährt man bei einem so gewaltigen Strategiewechsel nicht, was mit der Art Basel und was mit den leeren Messehallen geplant ist?

Es gibt keinen Strategiewechsel. Der neue Investor ist vielmehr bereit, die im letzten Sommer erarbeitete Strategie mitzutragen und zu entwickeln. Lupa gibt dazu weiter eine Standortgarantie von mindestens 15 Jahren für die Durchführung der rentablen Messen an ihren bisherigen Standorten in der Schweiz.

Wird es die Art Basel also in fünf Jahren noch in Basel geben?

Ja.

Wird sie nach London umziehen?

Nein.

Sind Sie der Ansicht, dass die Art Basel sich ganz neu orientieren muss, was sie letztlich nur mit einem starken Geldgeber schafft?

Anpassungen sind immer nötig, aber eine grundsätzliche Neuorientierung ist meiner Meinung nach nicht nötig – die Art Basel ist aktuell sehr erfolgreich unterwegs.

Haben Sie konkrete Pläne mit den Messehallen oder werden die auch in den nächsten Jahren mehrheitlich leer stehen? Ist das denn vertretbar?

Selbstverständlich besteht das Ziel, die Belegung zu erhöhen.

«Es ist vielmehr so, dass der Verwaltungsrat – und auch der neue Investor – die Firma integral erhalten will.»

Gehe ich recht in der Annahme, dass der Verwaltungsrat der MCH Group die Art Basel opfern will, um die MCH Group zu retten?

Nein, diese These entbehrt jeder Grundlage. Es ist vielmehr so, dass der Verwaltungsrat – und auch der neue Investor – die Firma integral erhalten will. Richtig hingegen ist, dass es einige Interessenten gab, die das Unternehmen «filetieren» wollten.

Was wird der Staat dabei gewinnen?

Wenn sich die Strategie wie geplant umsetzen lässt: Der Staat gewinnt volkswirtschaftlichen Nutzen in Form von Nachfrage nach Gastronomie- und Hotelleriedienstleistungen. Dieser volkswirtschaftliche Nutzen ist auch die Grundlage dafür, dass der Kanton Basel-Stadt an einer Unternehmung wie der MCH Group beteiligt ist.

3 Kommentare
    John Fischer

    Wer auch nur eine dieser Antworten eines der Hauptschuldigen am Debakel glaubt, ist ein Narr.