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Erneute Corona-Welle in ItalienDie Angst vor dem zweiten Lockdown

Die italienische Bevölkerung blickt voller Sorge auf die steigenden Corona-Infektionszahlen. Die Regierung hat die Beschränkungen verschärft – doch das dürfte nicht reichen.

Die Italiener müssen auch draussen Schutzmaske tragen – und tun dies, ohne zu murren.
Die Italiener müssen auch draussen Schutzmaske tragen – und tun dies, ohne zu murren.
Foto: Ciro de Luca (Reuters) 

Nach dem Sommer haben sich die Italiener eine Weile lang in der Hoffnung gewiegt, die zweite Welle der Seuche könnte ihr Land weniger dramatisch treffen als die erste und vielleicht weniger stark als andere Länder in der europäischen Nachbarschaft, weil man sich schliesslich streng und meistens vorbildlich an die wichtigsten Vorgaben halte.

Bis vor zwei Wochen hielt diese Hoffnung an. Nun aber steigt die Zahl der Neuinfektionen auch in Italien wieder stark an, und plötzlich ist die Angst zurück. «Weihnachten in Gefahr», titelt «La Repubblica». Die Sorge ist gross, dass zu Weihnachten ein nationaler Lockdown nötig sein wird, um den Winter einigermassen heil zu überstehen.

Die Italiener wissen, wie schnell es gehen kann

Zuletzt waren es 8804 Neuansteckungen binnen 24 Stunden, das ist sieben Mal mehr als vor einem Monat. Wieder trifft es die Lombardei am härtesten, dann Kampanien, Venetien, Latium, Toskana, Piemont. 8804 – das ist der höchste Wert überhaupt seit Ausbruch der Pandemie im März. Natürlich rührt das vor allem daher, dass jetzt viel mehr getestet wird als vor sieben Monaten: Im März wurden in Italien pro Tag etwa 25 000 Abstriche gemacht, nun sind es auch mal 163 000. Die Dunkelziffer dürfte deshalb deutlich tiefer sein. Noch etwas ist fürs Erste anders als in der akuten Phase: Auf den Intensivstationen liegen 539 Patienten mit Covid-19, im Frühling waren es mehr als 3000. Doch gerade die Italiener wissen aus Erfahrung, wie schnell es geht und das Gesundheitswesen an seine Grenzen stösst.

Und so halten sich nun fast alle an die neuen Vorschriften der Regierung, die seit einigen Tagen in Kraft sind und ihre Wirkung wohl erst in zwei Wochen entfalten werden. Die Maske? Tragen die Italiener jetzt auch im Freien, Tag und Nacht, ohne zu murren. Nur wenn man allein im Wald oder in den Bergen unterwegs ist und Sport macht, darf man sie ablegen. Partys sind sowohl im privaten wie im öffentlichen Raum untersagt, daheim dürfen sich höchstens sechs Personen treffen. Bars und Pubs ohne Tische im Freien müssen um 21 Uhr schliessen, Pizzerias und Restaurants um 24 Uhr. Nachtclubs und Diskotheken sind schon seit Sommer geschlossen.

Nicht mehr als 30 Personen an der Hochzeit

Neu sind Kontaktsportarten für Amateure untersagt, also auch das geliebte Calcetto: Fussball fünf gegen fünf. Hochzeiten, Trauerfeiern? Nie mehr als dreissig Personen, alle sitzend. Für Grossanlässe galt schon vorher: maximal tausend Zuschauer draussen, einige Hundert in der Halle – je nach Region. Suspendiert wurden nun auch alle Schulausflüge.

Bereits am Wochenende will die Regierung über eine neue Verschärfung der Auflagen reden: über lokale Lockdowns, nächtliche Sperrstunden – und über gestaffelte Schulzeiten, damit der öffentliche Verkehr zu Stosszeiten entlastet wird. Viel hänge von der Disziplin der Bürger ab, sagte Premier Giuseppe Conte. «Dieses Spiel gewinnen oder verlieren wir alle zusammen.»

15 Kommentare
    Heusser

    Leute, hört doch auf euch gegenseitig schlecht zu reden. Alle übertreffen sich in Selbstzerstörung. Heute so Morgen so. Mehr Tote hat es aber keine, nur die Menschen die mit Vorerkrankungen und ihrem Immunsystem zu kämpfen gaben, also so wie immer.