Zum Hauptinhalt springen

Neue Konkurrenz in der SchweizDeutsche Ferienairline Condor greift Swiss und Edelweiss an

Mitten in der Krise schaltet die deutsche Fluggesellschaft auf Angriff. Condor stationiert im kommenden Sommer zwei Flugzeuge in Zürich – und könnte es damit den hiesigen Anbietern schwer machen.

Airbus A320 von Condor: Bald in Zürich stationiert.
Airbus A320 von Condor: Bald in Zürich stationiert.
Foto: zvg

Stellenabbau, Kapazitätsreduktion, Schuldenberge – momentan gibt es aus der Luftfahrtbranche kaum positive Neuigkeiten. Doch während Airlines in ganz Europa schwarzmalen, schaltet die deutsche Condor auf Angriff. Der Ferienflieger kommt in die Schweiz und stationiert zwei Airbus A320 am Flughafen Zürich.

Zunächst fliegt Condor ab Zürich nach Palma de Mallorca, Teneriffa, Gran Canaria, zu den griechischen Ferienzielen Kreta, Kos und Rhodos, nach Zypern, Sardinien und Split in Kroatien.

Man reagiere «auf die grosse Nachfrage der führenden Schweizer Reiseveranstalter», heisst es von der Airline. Ein kurzes Gastspiel hatte Condor hierzulande bereits: Nachdem die Air-Berlin-Tochter Niki 2017 den Betrieb eingestellt hatte, bot Condor einige Sonderflüge für Schweizer Urlauber an. Doch danach hatte sich die Airline wieder aus der Schweiz verabschiedet – bis jetzt.

Direkter Angriff auf Edelweiss

Schon die Destinationen lesen sich wie ein direkter Angriff auf Edelweiss, Swiss und Chair Airlines. Und auch sonst macht Condor den Schweizer Fluglinien Kunden streitig. Denn neben den direkt über die Webseite buchbaren Flügen arbeitet die deutsche Fluglinie auch mit «allen Schweizer Reiseveranstaltern» zusammen.

Das heisst: Hotelplan, DER Touristik Suisse oder Tui Suisse sichern sich Kontingente und schicken ihre Kunden mit Condor in die Ferien.

Die Reiseveranstalter dürfte der Start von Condor freuen. Seit Jahren kritisierten sie zu hohe Gebühren und der Marktmacht der Lufthansa-Töchter Swiss und Edelweiss in Zürich. Mit Condor kommt eine starke Konkurrentin in die Schweiz.

Die deutsche Airline ist seit Jahrzehnten im Feriengeschäft aktiv und dürfte zudem deutlich günstiger sein als die Schweizer Konkurrenz. «Wir freuen uns, dass Condor nach Zürich kommt und mit ihrer bewährten Expertise den Markt zweifellos bereichern wird», lässt sich dazu Hotelplan-Chef Tim Bachmann zitieren.

Bewegte Monate nach Thomas-Cook-Insolvenz

Für Condor hat der Schritt in die Schweiz doppelte Signalwirkung. Nach der Pleite des Mutterkonzerns Thomas Cook vor etwas mehr als einem Jahr sah die Zukunft der Fluggesellschaft düster aus. Damit sie nicht in die Insolvenzmasse von Thomas Cook fiel, rettete sie sich in ein so genanntes «Schutzschirmverfahren» – das ist nach deutschem Recht eine Sonderform der Insolvenz. Das Verfahren ist nur bei positiven Sanierungsaussichten möglich.

Alles sah gut aus, mit der polnischen PGL Group fand sich sogar ein Käufer für die Airline. Doch dann kam das Coronavirus. PGL, die Mutter der Airline Lot, brauchte selbst Staatshilfe, der Kauf platzte. Condor schaffte es aber dank drastischer Sparmassnahmen, auch diesen Rückschlag zu überstehen – und verkündete vergangene Woche, dass man das Schutzschirmverfahren per 1. Dezember «als gesundes Unternehmen» verlasse.

Condor-Chef Ralf Teckentrup sah ausgerechnet diese bewegten Monate als entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz in der Corona-Krise: Weil man die Kosten bereits drastisch gesenkt hatte, bliebt der ganz grosse Knall aus. Und genau diese Massnahmen sind es wohl auch, die Condor in Zürich nun zu einem ernsthaften Konkurrenten machen dürften.

21 Kommentare
    Roman Isenring

    Immer wieder ,was alles vom nördlichen Nachbar in die Schweiz hächelt, um da auch noch ein paar Pfenninge abzuholen.

    Ach die kleinen Schweizer, das war doch, zumindest z.B. im Fussball ein Standard Ausdruck, wenn es aber zum kassieren geht, dann wird gerobbt.....