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Nachruf auf Professor Niklaus A. WeissDer Wurmforscher hat die Welt verlassen

Niggi Weiss hat wegweisende Erkenntnisse bei Wurmerkrankungen dokumentiert und sich vernachlässigten Tropenerkrankungen gewidmet. Mitte Oktober ist er verstorben.

Niklaus A. Weiss.
Niklaus A. Weiss.

Mit Niklaus «Niggi» Weiss (26. März 1944 bis 15. Oktober 2020) verlieren wir einen lieben und weltoffenen Menschen, der uns auf vielen Ebenen stets bereichert hat. Seine Neugier und Faszination für Biologie und Ökologie haben seine Eltern in ihrem einzigen Sohn früh erkannt und gezielt gefördert, was ihn erfolgreich durch das mathematisch-naturwissenschaftliche Gymnasium und das Studium der Zoologie an der Universität Basel getragen hat. Niggi Weiss promovierte 1970 bei Rudolf Geigy, dem ersten Gründungsdirektor des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH) und seinem damaligen Assistenten André Aeschlimann mit einer Arbeit über «Parasitologische und immunbiologische Untersuchungen über die durch Dipetalonema viteae erzeugte Nagetierfilariose».

Schon früh war also bei Niggi Weiss im allerbesten Sinne «der Wurm drin». Mit dieser wegweisenden Arbeit und seinem wachsenden wissenschaftlichen Interesse an den parasitären Wurmerkrankungen, die noch immer in vielen Ländern und vor allem bei armen und vernachlässigten Bevölkerungsgruppen eine grosse Krankheitsbürde bedeuten, entwickelte er eine weltweit anerkannte Forschungsachse am Swiss TPH: die Immunparasitologie. Die vernachlässigten Tropenkrankheiten bei Mensch und Tier blieben während seiner langen und beeindruckenden Laufbahn sein Hauptfokus in Lehre, Forschung sowie der Umsetzung in der Praxis.

Niggi Weiss hat nicht nur im Labor geforscht. Seit seinem Studium, der Zeit im Iran und den berühmt-berüchtigten Zeckenerhebungen in der Schweiz durch «Abstauben» der Landschaft pflegte er den iterativen Austausch zwischen Labor und Feld – der Wirklichkeit –, wo die Krankheiten dominieren und er die Bedürfnisse der betroffenen Menschen erfuhr. Entscheidend dazu waren die vielen Forschungsaufenthalte in den Endemiegebieten. So widmete er sich in Madagaskar im Rahmen einer grossen Medikamentenstudie dem Kampf gegen die Bilharziose.

In Kamerun, Mali und der Elfenbeinküste entwickelte und validierte er neue diagnostische Methoden zur Bekämpfung der Flussblindheit und der lymphatischen Filariose. So verband er immer wieder seine wissenschaftliche Tätigkeit im Labor mit den Erfahrungen bei der Umsetzung von Forschungsresultaten rund um den Globus. Aus diesem Schatz der Erkenntnisse und Erfahrungen schöpfte Niggi Weiss in der stets anschaulichen und faszinierenden Lehre.

Als Universitätsdozent war ihm die Lehre und Ausbildung künftiger Generationen von Forschenden ein Herzensanliegen. Früh erkannte er das Potenzial von digitalen Lehrformaten. Legendär ist für Generationen sein «Wurmzirkus», der uns nicht nur begeisterte, sondern uns auch in anderen Wissensgebieten voranbrachte. Vor 20 Jahren lancierte Niggi Weiss die Swiss-TPH-Mini-Symposien, welche heute noch ein fester Bestandteil am Swiss TPH sind und schöne Plattformen für den Austausch und Wissenstransfer bilden.

Niggi Weiss hat das Swiss TPH durch seine wissenschaftliche Arbeit wie auch als Departementsleiter und Vizedirektor entscheidend und über Jahrzehnte hinweg geprägt. Er war weltweit gut vernetzt und ein gefragter Experte für internationale Organisationen und Konsortien. Immer wieder beriet er die Weltgesundheitsorganisation in Genf.

Nach jahrelangem schwerem, unheilbarem Leiden haben Niggi Weiss und seine ihm tief verbundene Ehefrau Camilla Weiss ihre letzte Reise angetreten. «Einschlafen dürfen, wenn man müde ist, und eine Last fallen lassen dürfen, die man sehr lange getragen hat, das ist eine köstliche und wunderbare Sache…» Mit diesen Worten von Hermann Hesse verabschiedeten und bedankten sie sich, und uns bleiben die schönen Erinnerungen an erfüllte Leben. So und in grosser Dankbarkeit leben sie in und mit uns weiter. Der Familie sprechen wir unser tief empfundenes Beileid aus

Autor Marcel Tanner ist Epidemiologe und Direktor emeritus des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH).

3 Kommentare
    Yann Levanski

    ... und bim drummle immer e "Düürfalle" im Gsicht! Adie Niggi!