Der Vogesenplatz – eine Schnittstelle zwischen Alt und Neu

Platz da!

Der Vogesenplatz steht seit seiner Entstehung im Jahr 2010 unter der kritischen Beobachtung der Anwohnerinnen und Anwohner des Quartiers. Dabei tut sich dort schon einiges und ein Besuch lohnt sich allemal.

«Mehr Grün würde dem Vogesenplatz durchaus guttun»

«Mehr Grün würde dem Vogesenplatz durchaus guttun»

Clara Vuille-dit-Bille

Bei über 30 Grad sieht der Vogesenplatz ziemlich verlassen aus. Das ist nicht verwunderlich, denn ausser unter der Luzernerringbrücke, die sich über den Platz windet, und den Unterständen an der Tramhaltestelle Bahnhof St. Johann findet man hier wenig Schutz vor der Sonne.

Die weissen Betonelemente in der Mitte geben dem Platz eine lose Struktur, daneben sprudelt Wasser springbrunnenartig aus im Boden eingelassenen Düsen in die Höhe. Umsäumt ist der Platz vom Voltacenter, das einen Coop, eine Apotheke und ein paar kleinere Geschäfte beherbergt, und vom Stellwerk, dem roten Gebäude, das Bahnhofcharme aus alten Zeiten verströmt.

«Mehr Grün würde dem Vogesenplatz durchaus guttun.»Angelina Koch, Co-Geschäftsstellenleiterin Stadtteilsekretariat Basel-West

Vor diesem Gebäude – das früher der eigentliche Bahnhof St. Johann war – treffe ich auf Angelina Koch, die Co-Geschäftsstellenleiterin vom Stadtteil­sekretariat Basel-West. An einem schattigen Platz – hinter dem Stellwerk, umgeben von Pflanzen und gleich neben den Bahngleisen – kommen wir schnell darauf, was dem Platz noch fehlt: «Mehr Grün würde dem Vogesenplatz durchaus guttun», findet Koch. «Gerade an so heissen Tagen lässt es sich dort sonst schwer aushalten.» Sie hat recht: Geht man über den Platz, so wirkt es, als hätte er sich mit Hitze vollgesogen.

Wünsche aus dem Quartier

Koch spricht mit dieser Anmerkung auch im Sinne der Anwohnerinnen und Anwohner des Quartiers: Bei einer Umfrage, die vom Stadtteilsekretariat Basel-West im Jahr 2013 durchgeführt wurde, gab ein Grossteil der insgesamt 110 befragten Personen an, ihnen gefalle der Vogesenplatz nicht.

Auf die Frage, was man sich anders wünsche, meinten 90 Prozent der Teilnehmer, dass Bäume, Blumen und Kletterpflanzen ein Gewinn wären. Zumindest ein Stück weit ist man diesem Wunsch entgegengekommen: Auf dem Platz finden sich mittlerweile schön bepflanzte Blumentöpfe. Immerhin ein paar Farbtupfer auf dem sonst betonlastigen Platz. Die Möglichkeiten sind denn auch beschränkt: Unter dem Platz befinden sich eine Tiefgarage und eine kostenlose Velostation.

2010 wurde der Vogesenplatz mit dem Voltacenter als Teil des Projekts «Pro Volta» fertiggestellt. Eng im Zusammenhang mit diesem Projekt stand die unterirdische Führung der Nordtangente, die 2008 eröffnet wurde: Eine allgemeine Entlastung in puncto Verkehr und Lärm wurde dabei fürs St.-Johann-Quartier erreicht. Das vorher stark befahrene Quartier wurde aufgewertet, und das früher durch Industrie charakterisierte St. Johann übte plötzlich eine gewisse Anziehung auf jüngere, hippe Leute aus.

An den industriellen Ursprung erinnern im St. Johann nun primär noch Strassennamen wie Kraftstrasse, Lichtstrasse, Voltastrasse oder die Kohlenstrasse.

Hip-urbanes Flair

Koch kann das Interesse von jungen Familien am Quartier bestätigen: «Die Nachfrage nach grossen familiengerechten Wohnungen im Quartier ist gestiegen», sagt sie. Dieses hip-urbane Flair spürt man auch rund um den Vogesenplatz: Hinter dem Stellwerk gibts im Giardino Urbano an den Bahngleisen frische Pizza aus dem Steinofen.

Daneben wurde vor wenigen Monaten eine Axtbude (ein Ort zum Axtwerfen) eröffnet, man findet auch ein Hamam, eine kleine Kunstgalerie, eine Bar sowie ein beliebtes Thai-Restaurant am Vogesenplatz. Zudem tummeln sich zu späteren Tageszeiten auch gerne Skater und Parcourläufer auf dem Platz. Samstagmorgens findet der St. Johannsmarkt mit verschiedenen Ständen statt.

Lebt der Platz also tatsächlich langsam auf? Hat sich der Vogesenplatz womöglich bereits zum Zentrum des Quartiers entwickelt – so wie er einst ja auch geplant war? «Der Platz hat auf jeden Fall viel Potenzial», sagt Koch. «Die Möglichkeiten des Platzes werden jedoch noch nicht voll ausgeschöpft», fügt sie an. Zumal auch bei einigen Aspekten von den Anwohnern mitbestimmt wird, wie der Platz genutzt oder eben nicht genutzt werden soll. Bezüglich der Skater gingen bereits Lärmklagen ein – obwohl gerade die jüngere Generation eine wichtige Rolle in der Belebung des Platzes spielt.

So sind es oftmals Skater oder Parcoursläufer, die sich Orte oder Gegenstände zu eigen machen, welche ihrem eigentlichen Zweck nicht vollständig gerecht werden: Die eher unbequemen Sitzelemente auf dem Vogesenplatz sind ein Beispiel einer solchen Umnutzung – sie werden als Hindernisse genutzt, die es gekonnt zu überwinden gilt.

Belebung durch Museum

Gerade im Hinblick auf kommende Projekte in der Gegend sieht Koch jedoch auch zusätz­liche Chancen auf ein neues Aufleben des Vogesenplatzes: Zwischen 2020 und 2023 soll hier der Neubau des Naturhistorischen Museums sowie des Staatsarchivs realisiert werden.

«Dadurch wird sich der Vogesenplatz sicher noch einmal ziemlich verändern. Das Museum wird unter anderem auch Schulklassen anziehen, das wäre ein Gewinn für den Platz», sagt Koch. Gerade der Teil des Platzes, der dann primär durch das Museum bespielt würde, liege bis anhin nämlich brach, da er durch die Luzernerringbrücke räumlich vom Rest abgetrennt werde.

Auch im Projekt Volta Nord, bei dem angrenzend an den Vogesenplatz bis zu 3000 Arbeitsplätze und Wohnraum für rund 2'000 Personen entstehen sollen, sieht Koch eine gute Möglichkeit, den Ort noch stärker als Quartierzentrum zu nutzen: «Der Vogesenplatz wird dann zur wichtigen Schnittstelle zwischen dem Alten und dem Neuen», sagt sie. «Auch räumlich gesehen wäre er dann schon mehr im Zentrum als bis anhin.» Auch bald zehn Jahre nach seiner Entstehung ist die Entwicklung des Vogesenplatzes somit lang noch nicht abgeschlossen, und das ist positiv zu sehen. Denn der Platz verändert sich mit der Bevölkerung, stellt aber auch Ansprüche an sie.

Ein Besuch auf dem Vogesenplatz lohnt sich aber bereits jetzt zweifellos, denn nirgends sonst lässt sich eine urbane Quartierentwicklung besser beobachten als hier.

Sommerserie der Kulturredaktion. Bisher erschienen: Der Theaterplatz, 4. Juli; Der Messeplatz, 11. Juli; Der Barfüsserplatz, 20. Juli

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