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Höchstgefahr wegen CoronaDer verzweifelte Kampf der Basler Alterspflegeheime

Trotz Besuchsverboten und weiteren Massnahmen: In mehreren Heimen wurden betagte Bewohner mit dem Coronavirus angesteckt. Es kam zu Todesfällen.

An Corona erkrankte Heimbewohner werden in ihrem Zimmer isoliert. (Symbolbild).
An Corona erkrankte Heimbewohner werden in ihrem Zimmer isoliert. (Symbolbild).
Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Das Coronavirus ist für betagte Menschen lebensgefährlich. Bisher hörte man jedoch wenig über die Situation in den Basler Alterspflegeheimen, dort, wo eben jene Hochbetagten oft leben. Eine Mail, welche die BaZ erreichte, zeigt jedoch, dass es nicht gelungen ist, das Virus von den Heimbewohnern fernzuhalten. Darin schreibt eine Leserin, dass eine nahe Verwandte in einem Basler Alterspflegeheim positiv auf Corona getestet worden und nun verstorben sei. Sie wisse von einem weiteren Todesfall im selben Heim – ebenfalls mit positivem Testergebnis. In den Todesanzeigen der letzten drei Wochen sind zwei weitere Verstorbene aufgelistet, die ebenfalls dort gewohnt haben. Ob sie das Virus in sich trugen, ist daraus nicht zu entnehmen. Klar ist aber, dass das Heim schon sehr früh betroffen war. Am 11. März, also zu einem Zeitpunkt, als Basels Schulen noch offen hatten, wurden aufgrund eines positiven Befundes die Besuche unterbunden.

Der Leiter des betroffenen Heims verweist für Auskünfte an den Verband für Basler Alterspflegeheime, Curaviva Basel Stadt. Vizepräsident Urs Baudendistel bestätigt, dass einige Heime betroffen sind. Der Verband sei diesbezüglich in engem Austausch mit dem Gesundheitsdepartement. Namen nennt er jedoch keine: «Die Aufgabe, die die Pflegeheime im Moment meistern müssen, ist riesig. Wenn wir jetzt öffentlich Namen von betroffenen Heimen nennen, wird deren Belastung noch grösser, und es bringt nichts.»

«Es kann alle treffen»

Trotz aller Vorsichtsmassnahmen könne eine Übertragung des Virus nicht vollständig verhindert werden, sagt Urs Baudendistel: «Alle Heime, bei denen es unter den Bewohnerinnen und Bewohnern bisher keine positiven Fälle gibt, hatten schlicht Glück. Es kann alle treffen.»

Die Situation sei für Alterspflegeheime besonders schwierig: «Menschen sind in einem Heim, weil sie sehr betagt sind und mehrere Erkrankungen aufweisen. Jede Bewohnerin und jeder Bewohner gehört zur Hochrisikogruppe.» Das Problem ist: Die Betagten können nicht vollständig von der Aussenwelt abgeschirmt werden. «Mitarbeitende gehen rein und raus. Manche müssen für den Arbeitsweg den öffentlichen Verkehr nutzen. Und bei der Arbeit kommen sie den Menschen so nahe wie sonst fast nirgends», sagt Baudendistel. Diese Rahmenbedingungen bedeuteten für die Heime eine riesige Verantwortung: «Jeden Tag optimieren wir die Schutzstandards und passen diese den neuesten Entwicklungen an.»

«Wir brauchen Rückhalt»

Die Alterspflegeheime halten sich laut Urs Baudendistel an klare Vorgaben. Betroffene Bewohner werden in ihren Zimmern isoliert. Mitarbeiter dürfen den Raum nur mit Schutzanzug, Schutzbrille, speziellem Mundschutz und einer Haarhaube betreten. Zudem wird Einweggeschirr benutzt. «Diese Form von Isolation sind wir vom Norovirus her gewohnt, und das Personal ist diesbezüglich geschult», so der Curaviva-Vizepräsident. Auch ausserhalb der Zimmer trage das ganze Heimpersonal einen Mundschutz. «Wir sind im Krisenmodus. Wir brauchen den Kontakt mit den Behörden und deren Rückhalt. Unser Auftrag ist zurzeit von einem hohen Risiko geprägt. Wir tragen unsere Verantwortung. Doch im Unterschied zu den Spitälern haben wir keine Spezialisten, die das Virus und die notwendigen Massnahmen zu dessen Bekämpfung umfassend einschätzen und bestimmen können. Hier sind wir auf die Kompetenz des Gesundheitsdepartements angewiesen», sagt Baudendistel. An den einzelnen Alterspflegeheimen sei es dann, diese Weisungen in die Praxis umzusetzen. «Wir Basler Alterspflegeheime haben einen hohen Pflege- und Betreuungsstandard. Wir können das.»

Eine Nachfrage beim Gesundheitsdepartement ergibt Ähnliches: «Selbstverständlich gibt es Heime, die besonders betroffen sind, und andere, die gar nicht betroffen sind. Die aktuellen Zahlen werden zurzeit erhoben», schreibt Anne Tschudin, Sprecherin des Gesundheitsdepartements, und fügt an: «Das Virus ist in allen Fällen von aussen ins Heim getragen worden.» In Anbetracht dessen, dass in den Pflegeheimen nur Risikogruppen leben würden (Durchschnittsalter 85,7 Jahre), seien bis jetzt aber noch nicht überdurchschnittlich viele Fälle festzustellen.