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Porträt eines AnlageprofisDer Unternehmensgärtner

Die Aktie der Beteiligungsgesellschaft Partners Group steigt Montag in den SMI auf. Wie das Gründertrio um Alfred Gantner aus dem Nichts einen Milliardenkonzern aufgebaut hat.

Alfred Gantner, Co-Gründer der Partners Group, in der Firmenzentrale in Baar.
Alfred Gantner, Co-Gründer der Partners Group, in der Firmenzentrale in Baar.
Foto: Gerry Nitsch

Eines der erfolgreichsten Schweizer Finanzunternehmen residiert nicht an der Zürcher Bahnhofstrasse, sondern in einem Industriequartier in Baar ZG. Gegenüber der Zentrale der Partners Group liegt ein McDonald’s und eine Coop-Tankstelle. Das Erdgeschoss besteht fast nur aus einem Grossraumbüro. Trotz Corona sind viele Arbeitsplätze mit adrett gekleideten jüngeren Männern und Frauen besetzt.

Dann betritt Alfred Gantner, genannt Fredy, den Raum: Dreitagebart, Karohemd und Trachtenjacke. Der 1,90 grosse Hüne geht locker plaudernd durch die Reihen. Gantner ist einer der Gründer der Partners Group. Und kommt gerade von einem mehrtägigen Führungsseminar in den Bergen.

Vor 24 Jahren gründeten Gantner, Urs Wietlisbach und Marcel Erni die Partners Group. Heute verwaltet die Firma rund 100 Milliarden Dollar, vor allem für Pensionskassen, reiche Familien und Profi-Investoren. Die Firma beschäftigt rund 1500 Menschen und hat einen Börsenwert von 23 Milliarden Franken – fast doppelt so viel wie die Swisslife. Montag erhalten Gantner und Co. den Ritterschlag: Die Aktie der Partners Group wird in den Leitindex SMI aufgenommen und ersetzt dort Adecco.

Anders als andere Vermögensverwalter ist die Partners Group auf nichtkotierte Investments spezialisiert. Das sind zumeist Unternehmen, umfasst aber auch Windparks, Immobilien, Gasleitungen etc. «Private Equity» heisst der Oberbegriff.

Der Erfolg von Gantner und Co. ist gleich in dreifacher Hinsicht bemerkenswert. Das Unternehmen wächst nicht nur stark und ist hochprofitabel. Alle drei Gründer konnten loslassen und haben die CEO-Rolle schon vor Jahren in andere Hände gegeben. Und anders als US-Wettbewerber wie KKR oder Blackstone wurde die Partners Group auch nie als Heuschrecke angesehen.

«Wir machen keine Restrukturierungen, das ist undankbar», erklärt Gantner in seinem Büro, das voller Fotos seiner fünf Kinder ist. Auf dem Schreibtisch steht ein Schachbrett. «Wir machen Mittelständler mit starken Produkten fit für globale Märkte», erklärt er die Philosophie.

So hat Partners Group den Ventilspezialisten VAT zu einem Weltmarktführer geformt. Jetzt will Gantner die Spielfigurenfirma Schleicht ins digitale Zeitalter führen – und damit den Wert steigern. «Wir wollen die Spielzeuge mit einer Lern-App verbinden, bei der Kinder erleben können, wie ein Tiger brüllt und jagt», erklärt Gantner. Die Firmen, an denen die Partners Group beteiligt ist, beschäftigen weltweit insgesamt 250’000 Menschen. «Wir sind wie Bauern», erklärt ein Weggefährte Gantners, «wir wollen die Dinge wachsen sehen.»

Bei Goldman war es zu langweilig

Gantner ist in einfachen Verhältnissen im Aargau aufgewachsen. Nach einem Studium in den USA machte er zwei Praktika: bei Bankers Trust und bei Goldman Sachs. Beide machten ihm ein Jobangebot, er wählte Goldman.

Doch der gross gewachsene Manager ist heimatverbunden und wollte zurück in die Schweiz. Für Goldman baute er ein Verkaufsteam auf. «Ich habe strukturierte Derivate verkauft», erinnert er sich. «Das war finanziell zwar erfolgreich, aber befriedigte mich nicht. Ich wollte etwas aufbauen, etwas verändern.» Bei Goldman lernte er Wietlisbach und Erni kennen. Gemeinsam entwickelten sie die Idee, das damals noch wenig bekannte Geschäft mit nichtkotierten Vermögenswerten aufzubauen.

Der Auswahlprozess ist knallhart. «Von 100 Firmen, die wir analysieren, investieren wir am Ende in eins oder zwei», so Gantner. Einmal in der Woche tagt der Investment-Ausschuss, den Gantner immer noch leitet. Wenn die Investment-Analysten ein Dossier präsentieren, müssen sie sich auf harte Fragen einstellen. Die mündliche Matura-Prüfung ist im Vergleich dazu ein Kindergeburtstag. «Da fliessen dann schon mal Tränen», berichtet ein Beteiligter. «Jede Firma wird mindestens dreimal im Investment-Komitee besprochen, bevor wir wirklich investieren», erklärt Gantner. Der Grund für den harten Auswahlprozess prangt in grossen Lettern über den Bildschirmen im Tagungsraum: «We are responsible for dreams» steht da. Denn mit den Erträgen aus den Investments wollen sich Rentner in der ganzen Welt ihre persönlichen Träume erfüllen.

Investment-Riese setzt auf Frauen

Klingt alles nach einem testosterongetriebenen Männerladen. Doch Gantner setzt auf Gleichstellung: Noch sei nur ein Drittel der 1500 Leute Frauen. «Doch der Anteil wächst. So sind mittlerweile über 50 Prozent unserer neu angestellten Finanzanalysten Frauen», betont er. Damit Familie und Beruf besser vereinbar werden, baut die Partners Group im neuen Campus gleich eine Krippe mit.

Gantner selbst arbeitet noch 40 Stunden die Woche statt wie früher 60. Die Wochenenden gehörten immer schon der Familie. «Er ist ein Familienmensch, bodenständig und sehr zuverlässig», so ein Kollege. Aber auch ungeduldig und mit einem «kompromisslosen Qualitätsanspruch».

Gantner und die anderen Gründungspartner sind längst Milliardäre. Aufhören? Bei dieser Frage schaut der 52-Jährige leicht verwirrt. Um dann loszusprudeln: «Ich liebe es, Firmen unternehmerisch zum Erfolg zu führen», sagt er, die stundenlangen Sitzungen im Investment-Komitee seien «intellektuell stimulierend».

Und: «Ich bin motiviert, weil wir die Firmen, die uns gehören, auch in Sachen ESG (Environnement, Social & Governance, d. Red) und Nachhaltigkeit voranbringen können. Es gibt mehr im Leben als Rendite.»

Da spricht der gläubige Christ. Mit 23 Jahren trat Gantner der Kirche Jesus Christi in den USA bei, besser bekannt als Mormonen. Sechs Jahre arbeitete er auch als Seelsorger in der Schweiz. «Das christliche Engagement ist mir wichtig», sagt er, «hat aber nichts mit der Firma zu tun.»

2 Kommentare
    Rebekka

    Wenn ich die Bewertungen der Firma auf Kununu anschaue wird mir klar, dass diese Performance auf Kosten der Arbeitnehmer erreicht wird