Zum Hauptinhalt springen

Leistungsmarsch in Isone TIDer Tod des Grenadier-Rekruten lässt Fragen offen

In welcher persönlichen Verfassung hat sich der später Verstorbene befunden, als er zum Leistungstest antreten musste? Die Umstände, bei denen der 21-jährige Waadtländer starb, sind ungeklärt.

Häuserkampf in Isone: Die Ausbildung als Grenadier-Rekrut ist hart.
Häuserkampf in Isone: Die Ausbildung als Grenadier-Rekrut ist hart.
(KEYSTONE/Christian Beutler/Symbolbild)


Wer bei Elitesoldaten Maximalleistungen abrufen will, muss für psychologische Betreuung sorgen.
Die Mitteilung über den Tod eines Rekruten an der Grenadierschule Isone TI vom Dienstag sorgt für Erschütterung in der Armee und ausserhalb. Ungeklärt sind die Umstände, bei denen der 21-jährige Waadtländer starb.

Offenbar hatten die Rekruten nach einem Start im Zugsverband – mit etwa 30 Kollegen – auf sich allein gestellt auf einer Waffenplatzstrasse einen 6,5-Kilometer-Leistungsmarsch zu absolvieren, wie es hiess. «Leistungsmarsch» bedeutet im vorliegenden Fall: 6,5 Kilometer rennen, mit einem 15 Kilogramm schweren Rucksack. Das ist – in der Regel – für körperlich überdurchschnittlich Leistungsfähige wie Grenadiere keine unmenschliche Herausforderung.


Die Leistungsfähigkeit künftiger Grenadiere wird erstmals bei deren Aushebung geprüft, lange vor RS-Beginn. Sie wird später laufend weiter überprüft. Die Frage ist nun, in welcher persönlichen Verfassung sich der später Verstorbene befand, als er zum Leistungstest antreten musste. Blieb ein Gesundheitsschwachpunkt bei ärztlichen Untersuchungen unentdeckt? Oder war der Rekrut nach dem Wochenendurlaub in einem vorübergehenden körperlichen oder mentalen Tief?

War der Mann unter Druck?

Aufhorchen lässt die Mitteilung, wonach das Fehlen des Rekruten erst im Ziel bemerkt wurde. «Nach kurzer Suche», wie die Armee mitteilte, wurde er aufgefunden, konnte aber nicht mehr reanimiert werden.

Von Belang bei der Aufklärung des Todesfalls dürfte sein, welchen Druck Vorgesetzte ausgeübt hatten und ob dieser Druck – falls vorhanden – der persönlichen Verfassung der Rekruten angepasst war.

Ein ehemaliger Ausbildner von Spezialkräften im Ausland sagt auf Anfrage anonym, eine moderne Grenadier-Ausbildung erfolge heute anders als noch vor Jahren. Wer bei Jungen Maximalleistungen abrufen wolle, habe für psychologische Betreuung zu sorgen.

Ebenso wichtig sei das Bilden einer Vertrauenskultur, die Fehler und Schwächen nicht ausblende. Kann ein Rekrut den Vorgesetzten beispielsweise sagen, er habe seit Nächten nicht geschlafen, weil sich in der Familie ein Unglück ereignet hat? Oder heisst es einfach: Sei kein Weichei?

Im Todesfall von Isone stehen Antworten noch aus.

58 Kommentare
    Martin Locher

    Grundsätzlich ist an diesem Setting nichts auszusetzen. Es stellt sich (neben den medizinischen Aspekten) aber schon die Frage, ob bei der Instruktion darauf eingegangen wird, was zu tun ist, wenn einer am Boden liegt und auf Zurufe nicht reagiert. Es müsste schon eindeutig darauf hingewiesen werden, dass Nothilfe im Fall von medizinischen Problemen nicht sanktioniert wird. Ich glaube nicht, dass das Kader bei der Instruktion darauf eingeht.

    Nothilfe muss funktionieren - Einzelleistungsmarsch hin oder her!