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Trump gegen BidenDer teuerste Wahlkampf aller Zeiten

Der Kampf um die US-Präsidentschaft ist in diesem Jahr noch mehr als sonst auch eine Geldschlacht. Donald Trump ist mit einer vollen Kriegskasse gestartet – und hat nun plötzlich Geldsorgen.

Wahlkampf mit Sonnenuntergang: Donald Trump bei einem Auftritt in Winston-Salem (North Carolina).
Wahlkampf mit Sonnenuntergang: Donald Trump bei einem Auftritt in Winston-Salem (North Carolina).
Foto: Logan Cyrus (Getty Images)

Es ist noch nicht lange her, da klangen die Demokraten verzweifelt, wenn sie über ihre Wahlkampfmittel sprachen. Donald Trump habe bereits jetzt so viele Spenden eingenommen, dass sein Vorsprung nicht mehr einzuholen sei, klagte ein Berater des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden im April. Für diese Ansicht gab es gute Gründe: Der US-Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt 187 Millionen Dollar mehr auf dem Konto als sein Gegner. Bereits am ersten Tag nach seinem Amtsantritt hatte Trump damit begonnen, Spenden zu sammeln, so früh wie keiner seiner Vorgänger – nun schien sich das auszuzahlen.

Biden dagegen war lange ein lausiger Wahlkämpfer. In den demokratischen Vorwahlen sammelte er regelmässig weniger Geld als seine parteiinternen Rivalen, und nach einem desaströsen Start bei den Vorwahlen in Iowa und New Hampshire war seine Kampagne fast pleite. Doch nun hat sich das Blatt gewendet. Den ganzen Sommer über nahm Biden Rekordmengen an Geld ein, auch dank vielen Grossspendern – Millionären aus dem Silicon Valley zum Beispiel. Zu Beginn des entscheidenden Monats Oktober hatte Bidens Kampagne gemäss der «New York Times» 177 Millionen Dollar auf dem Konto, fast dreimal so viel wie jene von Trump.

Der Todesstern explodiert

Mit Geld allein gewinnt man auch in den USA keine Wahlen. Das musste schon Hillary Clinton erfahren, die vor vier Jahren deutlich mehr finanzielle Mittel in den Wahlkampf stecken konnte als Trump. Aber es kann durchaus helfen, viel Geld zu haben, besonders im Endspurt. Je näher der Wahltag rückt, desto mehr kostet es, Wahlkampfwerbung am Fernsehen zu schalten. Und während Biden in den Swing-States pausenlos auf allen Lokalsendern zu sehen ist, musste Trumps Wahlkampforganisation die Werbung zuletzt in mehreren Bundesstaaten zurückfahren.

Bei den Republikanern fragen sich nun viele, wie es sein kann, dass Trump seit Anfang 2017 mehr als eine Milliarde Dollar eingenommen hat – und nun trotzdem Geldprobleme hat. Einige geben die Schuld Brad Parscale. Trumps inzwischen gefeuerter Wahlkampfchef hatte damit geprahlt, eine «unaufhaltbare Maschine» gebaut zu haben, die er mit dem Todesstern der Star-Wars-Serie verglich. Schon damals machten sich allerdings viele über den Umstand lustig, dass der Todesstern im Film explodierte. Parscale habe Geld verbrannt «wie ein besoffener Matrose», sagte ein republikanischer Berater der «New York Times».

Bettelbriefe in Grossbuchstaben

Trumps furiose Last-Minute-Tournee durch das Land – er hält derzeit täglich bis zu drei grosse Wahlkampfveranstaltungen ab – kann man auch vor diesem Hintergrund verstehen. Wenn Trump irgendwo auftritt, hat er die grossflächige Berichterstattung durch die lokalen Medien auf sicher. Dies sei ohnehin mehr wert als Werbespots, sagt Trumps aktueller Wahlkampfchef Bill Stepien. Gleichzeitig hat Trumps Kampagne die Spendensammlung nochmals verstärkt. Wer in der Adresskartei des Präsidenten steht, erhält inzwischen fast zwei Dutzend Bettel-E-Mails pro Tag.

Die «dringenden Aufrufe» Trumps sind oft in Grossbuchstaben gehalten, in denen es um die VIER WEITEREN JAHRE Trumps im Weissen Haus geht, und sie sind mit Aufforderungen versehen: Er werde mit dem Präsidenten bald die neueste Spendenliste durchgehen und ihm zeigen, «dass er die Unterstützung von Patrioten aus dem ganzen Land hat», heisst es in einer E-Mail, die Bill Stepien am Mittwoch verschickte: «Stellen Sie sicher, dass er dort Ihren Namen sieht

Auch Joe Bidens Kampagne verschickt etliche Bettel-E-Mails. Sie kommen im Ton etwas bescheidener daher: «Dies ist eine ganz persönliche E-Mail. Ich hoffe, Sie werden sie lesen», schrieb Joe Biden (oder eher: jemand in seinem Namen) am Mittwoch. Doch inhaltlich läuft es auf dasselbe hinaus: Man möge doch bitte spenden, jetzt, gleich, sofort.

Die Online-Revolution

Fest steht, dass die aktuellen US-Wahlen die teuersten in der Geschichte werden. Das unabhängige Center for Responsive Politics schätzt aufgrund seiner Datenbank OpenSecrets, dass beide Parteien 11 Milliarden Dollar für die Wahlen ausgeben werden. Das ist ein gewaltiger Anstieg gegenüber 2016, als die Ausgaben auf 6,5 Milliarden Dollar beziffert wurden. Am meisten geben dabei in diesem Jahr die Demokraten aus, nicht nur für das Präsidentschaftsrennen, sondern auch für die Wahlen für das Repräsentantenhaus und den Senat. Auf die Demokraten entfallen gemäss OpenSecrets 54 Prozent der Ausgaben.

Beiden Parteien hilft bei der Spendensammlung, dass sie spezialisierte Plattformen im Netz aufgebaut haben, die Informationen über Spender bündeln. Bei den Demokraten heisst das: Wer zum Beispiel auch nur einmal für einen demokratischen Kandidaten bei einer Lokalwahl gespendet hat, ist beim Onlineportal ActBlue eingetragen und wird von der nationalen Partei nach jedem Nachrichtenereignis gezielt angeschrieben. Allein nach dem Tod der Richterin Ruth Bader Ginsburg kamen so binnen eines Tages 70 Millionen Dollar zusammen – ein Rekord.

14 Kommentare
    Boris Güttinger

    Finanziert wird der Wahlkampf durch Spenden. Von privaten direkt an einen Kandidaten sind sie auf unter USD 3'000 beschränkt. In die Kassen der Super-PACs fliessen jedoch seit 2010 Beträge in unbegrenzter Höhe und diese Super PACs betreiben dann für ihren Kandidaten Werbung. Das Geld ist nicht geschenkt. Wenn Grossunternehmen, Lobbyorganisationen und Grossspender bis zu dreistellige Millionenbeträge überweisen, erwarten dies, dass ihre Interessen vom Kandidaten vertreten werden.