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StadtjägerDer Sturz in den Brunnentrog

Den Armbrustschützen auf dem Brunnenstock hinter dem Kollegiengebäude der Universität bringen Betrachter gern mit Wilhelm Tell in Verbindung.

Die Betrachter des Stachelschützen stellen gern eine Verbindung zum mythologischen Nationalhelden Wilhelm Tell her.
Die Betrachter des Stachelschützen stellen gern eine Verbindung zum mythologischen Nationalhelden Wilhelm Tell her.
Foto: Dominik Heitz

Der Brunnen liegt versteckt am Spalengraben, beim hinteren Eingang des Uni-Kollegiengebäudes. Dennoch gehört er trotz seines etwas verschämten Standorts zu den grössten in Basel – und zeitweise auch zu den sehr beliebten, denn jeweils im Sommer suchen zahlreiche Kinder und Erwachsene in seinem Wasserbecken Abkühlung.

Es ist nicht der erste Brunnen, der dort steht. Zwischen 1490 und 1500 nennt Hans Zschan, Basels damaliger Brunnenmeister, auf seinem Brunnwerkplan einen «brunn uff dem platz under der eich». Später zeigt ein Aquarell aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts einen Brunnen mit wuchtigem Hellebardenträger. Und von 1676 bis 1847 bekrönte den Brunnen die Figur des römischen Kriegsgottes Mars. 1847 änderte sich das Aussehen des Brunnens erneut; wegen Schadhaftigkeit musste er ersetzt werden. An seine Stelle trat das heutige achteckige Becken aus Kalkstein samt einem «Sudeltröglein».

Die Brunnensäule blieb allerdings lange ohne figuratives Dekor; es dauerte achtzehn Jahre, bis eine Abschlussfigur zustande kam. Ihr Künstler war Bildhauer Heinrich Rudolf Meili (1827–1882). Er schuf einen im Renaissancestil gekleideten Mann mit einem Federbarett auf dem Kopf, einer Dolchscheide am Gürtel und einem Schwert, halb verdeckt vom Mantel.

So sehr die Figur des Armbrustschützen auf dem Brunnen Standhaftigkeit ausstrahlt – sie selber war nicht immer standhaft.

Wichtigster Gegenstand aber ist die Armbrust, die der Mann auf seiner linken Schulter trägt. Die Betrachter der Figur stellen denn auch gern eine Verbindung zum mythologischen Nationalhelden Wilhelm Tell her. Der Armbrust wegen wird der Brunnen aber als Stachelschützen-Brunnen bezeichnet. Der Name bezieht sich auf jene Art von Armbrust, deren zu spannender Bogen nicht aus Holz, sondern aus Stahl war. Das Wort «Stahl» wiederum leitete sich vom spätmittelalterlichen Wort «Stachel» ab.

Der Name des Brunnens ist nicht schlecht gewählt, denn schon im 15. Jahrhundert befand sich gegenüber dem heutigen Brunnen ein Schützenhaus, wo sich wehrpflichtige Männer im Armbrustschiessen übten. Das später architektonisch veränderte und seiner ehemaligen Funktion längst enthobene Gebäude steht immer noch und erinnert – wie der Stachelschütze auf dem Brunnenstock – an jene hohe Zeit des Armbrustschiessens.

So sehr die Figur des Armbrustschützen auf dem Brunnen Standhaftigkeit ausstrahlt – sie selber war nicht immer standhaft. 1925 fiel die linke Hand herunter und musste ersetzt werden. Gar noch Schlimmeres ereignete sich 1943: Ein Arbeiter, der die Figur reinigte, machte eine ungeschickte Bewegung und fiel mitsamt der Figur ins Brunnenbecken. Die Figur konnte repariert werden. Über das Schicksal des Arbeiters ist nichts bekannt.

Der Stachelschützen-Brunnen liegt versteckt beim hinteren Eingang des Uni-Kollegiengebäudes. Er gehört zu den grössten in Basel, und im Sommer suchen zahlreiche Kinder und Erwachsene in seinem Wasserbecken Abkühlung.
Der Stachelschützen-Brunnen liegt versteckt beim hinteren Eingang des Uni-Kollegiengebäudes. Er gehört zu den grössten in Basel, und im Sommer suchen zahlreiche Kinder und Erwachsene in seinem Wasserbecken Abkühlung.
Foto: Dominik Heitz