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Die Rückkehr der Champions LeagueDer Spurt zur Fussball-Krone startet mit einem Duell voller Brisanz

Ab heute Freitag werden die letzten Viertelfinalisten der Champions League bestimmt – bevor dann in Lissabon innert zwölf Tagen der Gewinner ermittelt wird.

Wer sprintet in den Viertelfinal? Modric (links) mit Real oder De Bruyne mit Manchester City?
Wer sprintet in den Viertelfinal? Modric (links) mit Real oder De Bruyne mit Manchester City?
Foto: Imago

Vor zwei Monaten sollte die Champions League mit dem Final in Istanbul entschieden werden. Corona hat das verhindert, und damit die Uefa ihren wichtigsten Wettbewerb doch noch retten kann, hat sie ein zwölftägiges Finalturnier aus dem Hut gezaubert, bei dem vom Viertelfinal an alles in K.-o.-Spielen ausgemacht wird. Für die Zuschauer werde das wahrscheinlich die spannendste Champions League aller Zeiten, vermutet Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.

Real gegen Manchester City: Was für ein Achtelfinal

Der Spurt zur Krone in Lissabon beginnt heute Freitag mit einem Achtelfinal-Rückspiel voller Brisanz: Manchester City gegen Real Madrid, Pep Guardiola gegen Zinédine Zidane, die Neureichen gegen die Aristokraten des Weltfussballs.

Guardiola und City sind diesmal in der Premier League chancenlos gewesen gegen Liverpool. Nur die Champions League kann ihre Saison noch zu einem Erfolg machen. Gerade für Guardiola ist die Sehnsucht nach diesem Titel gross, seit er ihn 2011 mit Barcelona letztmals gewann. Mit Bayern schied er dreimal im Halbfinal aus, mit City ist er in den ersten drei Jahren nie über den Viertelfinal hinausgekommen.

Gegen Real geht City immerhin mit einer 2:1-Reserve ins Rückspiel im eigenen Stadion. Aber eben, das ist Real, und dieses Real hat nach dem Lockdown mit zehn Siegen in Serie die Meisterschaft gewonnen. Sergio Ramos ist der überragende Leader einer Mannschaft, die ihre Arbeit mit viel Pragmatismus und Seriosität versieht. Und für diese Arbeit steht einer, der einst als Spieler ein Ästhet war: Zidane.

City oder Real? Wer immer sich durchsetzt, gehört unweigerlich zu den Anwärtern auf den Titel.

Bayern München: Einer der Topfavoriten

Meister, Cupsieger und die Chance aufs Triple: Bayern-Trainer Hansi Flick wird von seiner Mannschaft nach dem Pokalfinal gefeiert.
Meister, Cupsieger und die Chance aufs Triple: Bayern-Trainer Hansi Flick wird von seiner Mannschaft nach dem Pokalfinal gefeiert.
Foto: Reuters

2013 gewannen die Bayern schon einmal das Triple, in der Abschiedssaison des grossen Jupp Heynckes. Jetzt haben sie diese Chance wieder, die Meisterschaft und den Cup haben sie bereits gewonnen, und Verantwortlicher dieser Mannschaft ist mit Hansi Flick ein Trainer, der einen erstaunlichen Aufstieg hinter sich hat.

Im letzten November sollte er eigentlich nur für zwei Spiele das Amt von Niko Kovac übernehmen, dann aber machte er seine Arbeit so gut, dass er inzwischen einen Vertrag bis 2023 erhalten hat. Die Bilanz spricht für ihn: 29 Siege und 100:23 Tore in 32 Spielen, seit der letzten Niederlage im Dezember mit 25 Siegen in 26 Spielen. Flick wird für seinen Umgang mit den Spielern gelobt und für den offensiven Fussball.

Die Bayern müssen zwar erst noch die Aufgabe im Achtelfinal erledigen, wo sie gegen Chelsea mit einer 3:0-Reserve ins Rückspiel gehen können. Und bereits im Viertelfinal könnte Barcelona warten und im Halbfinal Real oder Manchester City. Aber diese Bayern sind einer der Topfavoriten auf den Titel.

Barcelona: Messi und die Krise

Messi und Barcelona brauchen in der Champions League neuen Schwung.
Messi und Barcelona brauchen in der Champions League neuen Schwung.
Foto: Keystone

«Wir sind eine schwache Mannschaft, die mit genug Intensität bezwungen werden kann. Wir müssen Selbstkritik üben angefangen bei den Spielern, aber im ganzen Verein.» Das hat in diesen Tagen nicht irgendwer gesagt, sondern Lionel Messi. Und wenn Messi etwas öffentlich macht, ist das vor allem deshalb ausserordentlich, weil das sonst nicht seine Art ist.

In Barcelona stimmt es offensichtlich an allen Ecken und Enden nicht mehr. Der Club ist mit einer Milliarde Franken verschuldet. Es gibt eine Kluft zwischen Präsident Josep Bartomeu und den Spielern. Es gibt das Problem, dass Trainer Quique Setién die Kontrolle über die Mannschaft verloren hat. Dass der Club jüngst für sechs Spieler wie Coutinho, Dembélé oder Griezmann 570 Millionen Franken verschwendet hat, weil sie Enttäuschungen geworden sind. Dass Messi und Gerard Piqué im Team zu mächtig geworden sind und die Entwicklung anderer Spieler hemmen.

Im Achtelfinal kommt nun Napoli ins Camp Nou, das ist nur der Siebte der Serie A. Der sollte auch für Barcelona bezwingbar sein.

Paris St-Germain: Vier Titel, aber kein Glanz

Problemduo? Bei PSG drehe sich alles um Mbappé (links) und Neymar, was für Missstimmung sorge, heisst es.
Problemduo? Bei PSG drehe sich alles um Mbappé (links) und Neymar, was für Missstimmung sorge, heisst es.
Foto: Keystone

In der einen Hälfte des Tableaus sind die grossen, die klangvollen Namen, von Real über Barcelona und Bayern bis Juventus, Italiens Serienmeister mit Cristiano Ronaldo. In der anderen stehen die Viertelfinalisten schon fest: Leipzig, Atlético Madrid, Atalanta Bergamo und eben auch Paris St-Germain. Leipzig hat Dosengeld im Rücken und Atlético den wilden Diego Simeone an der Seitenlinie, Atalanta mit dem Schweizer Remo Freuler ist die Überraschung der Serie A, während PSG weiter seinen Traum verfolgt, in der Königsklasse endlich einmal erfolgreich zu sein.

Vier Titel haben die Pariser diese Saison schon gewonnen. Das begann mit dem Supercup, dann wurde ihnen der Titel in der abgebrochenen Meisterschaft zugesprochen, und nach einer Corona-Pause von viereinhalb Monaten gewannen sie Ende Juli den Cup und den Ligacup. Die französische Presse überschlägt sich deshalb nicht mit Lobeshymnen nach ihren jüngsten Auftritten, was wiederum Trainer Thomas Tuchel erzürnt. «Sie finden immer etwas Negatives», schleudert er den Journalisten am Freitag entgegen.

Vielleicht reagiert er auch deshalb gereizt, weil «Le Parisien» gerade erst davon schrieb, Tuchel sei intern Kritik der Mannschaft ausgesetzt. Weil sich alles um Neymar und Mbappé drehe und die Trainings lasch seien. Da könnte ein Erfolg in der Champions League nicht schaden. Die Bilanz von PSG ist allerdings bescheiden, seit die katarischen Besitzer vor neun Jahren begannen, den Club mit ihrem Geld hochzurüsten: In der Königsklasse ist er bisher nie über den Viertelfinal hinausgekommen.