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Kommentar zu Marco ChiesaDer neue SVP-Chef: Kann er einen Fehlstart verhindern?

Wenn sich Marco Chiesa nicht vorsieht, könnte seine Krönung der beste Tag seiner Karriere als SVP-Chef gewesen sein.

Wird er die SVP zurück zum Erfolg bringen? Der neue SVP-Chef Marco Chiesa nach seiner Wahl an der Delegiertenversammlung in Brugg-Windisch.
Wird er die SVP zurück zum Erfolg bringen? Der neue SVP-Chef Marco Chiesa nach seiner Wahl an der Delegiertenversammlung in Brugg-Windisch.
Foto: Urs Jaudas


Alles wie immer, einfach etwas eleganter. Weniger Mundart, mehr Italianità. Freiheit, Sicherheit, Selbstbestimmung, Unabhängigkeit, direkte Demokratie. Der SVP-Singsang, seit Jahren erprobt und wiederholt und seltsam selten angezweifelt. «Das letzte Wort muss immer die Schweizer Bevölkerung haben, nicht die Bürokraten in Brüssel!», sagte Marco Chiesa während seiner Antrittsrede. «Wir lassen uns unsere Selbstbestimmung nicht von ihnen nehmen!»

Der gleiche Marco Chiesa, der sich als Kämpfer für die Demokratie präsentierte, war nur wenige Momente vorher in einer «demokratischen Wahl» an die Spitze der Volkspartei gehievt worden, die wenig mit Selbstbestimmung oder Freiheit oder gar direkter Demokratie zu tun gehabt hatte. Eine Auswahl wurde den Delegierten nicht geboten. Nationalrat Alfred Heer, der mögliche Gegenkandidat, wurde von seiner eigenen Kantonalpartei ausgebootet.

Marco Chiesa übernimmt eine Partei, die schon bessere Zeiten gesehen hat.

Das war in der SVP schon immer so: Direkte Demokratie ist gut und recht, solange das Resultat der Parteispitze gefällt. Was allerdings neu war: dass drei gewählte Amtsträger öffentliche Kritik an der Wahlfarce und sogar an Christoph Blocher himself äusserten.

Das muss Marco Chiesa zu denken geben. Er übernimmt eine Partei, die schon bessere Zeiten gesehen hat. Erfolgreichere. Mit fähigerem und mit besser motiviertem Personal. Falls die Begrenzungsinitiative von der Bevölkerung im September abgelehnt wird, beginnt die Präsidentschaft Chiesas wie jene von Albert Rösti: mit einer Niederlage in einem SVP-Kernthema.

Albert Rösti war ein erfolgloser, ein unglücklicher SVP-Präsident (das sah man auch daran, wie glücklich er bei seinem Rücktritt wirkte). Marco Chiesa muss nicht das gleiche Schicksal erfahren.

Doch wenn er dem SVP-Singsang nicht ein paar neue Töne hinzufügt, wenn er es nicht schafft, wieder einmal über die SVP-Klientel hinaus die Leute zu überzeugen und für Themen der Partei zu gewinnen, dann besteht durchaus die Möglichkeit, dass Chiesas Krönung sein glücklichster Moment als SVP-Präsident gewesen ist.