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NachrufDer musizierende Wirt

Jahrzehntelang hat Francis Schmidt im Restaurant Ueli-Stube seine Gäste unterhalten.

Francis Schmidt und seine Frau Ruth sitzen vor dem Klavier in der Ueli-Stube.
Francis Schmidt und seine Frau Ruth sitzen vor dem Klavier in der Ueli-Stube.
Foto: Pino Covino

Vor anderthalb Jahren ist das Restaurant Ueli-Stube am Riehenring zusammen mit seinen Nachbarbeizen Zum alten Warteck und Wurzengraber für immer verschwunden. Nun ist auch der jahrzehntelange Ueli-Stube-Beizer Francis Schmidt im Alter von 82 Jahren von uns gegangen. Über 30 Jahre lang hat er zusammen mit seiner Frau Ruth, die letzten August verstorben ist, die urchige Wirtschaft geführt und sie zu einem einzigartigen Kleinbasler Treffpunkt gemacht.

Francis Schmidt stammte aus Strassburg und wuchs zweisprachig auf; sein Vater war Franzose, seine Mutter war Baslerin und spielte Klavier, was offensichtlich auf ihren Sohn abfärbte. Noch in seiner Schulzeit begann er in Basel Wurzeln zu schlagen und als 18-Jähriger sein pianistisches Talent in Bands der Basler Dixieland-Szene zu testen. Später machte er Tanzmusik im Hotel Drei Könige und sollte mit seinem Trio Ernst, Ruedi & Francis im Cap Horn, in der Rheinstube und im Alten Stöckli aufspielen.

Gelernt hatte Francis Schmidt den Beruf des kaufmännischen Angestellten und arbeitete in dieser Funktion bei der Messgerätefirma Camille Bauer. Doch hegte er mehr und mehr den Wunsch, in einem eigenen Restaurant seinem musikalischen Drang nachgehen zu können. Und so übernahm er 1971 zusammen mit seiner Frau die Ueli-Stube und richtete darin eine kleine Bühne mit Klavier ein. Schnell wurde die Beiz zum beliebten Treffpunkt vieler Kleinbasler. Denn wenn die warme Küche in der Beiz langsam dichtmachte, zog der Wirt seine Schürze ab, setzte sich ans Klavier und sang französische Chansons, Gassenhauer sowie Kleinbasler Lieder (siehe Hauptartikel), die er zum Teil selber komponierte und von Freunden texten liess. Gerne gesellten sich auch Gäste zu ihm auf die Bühne, setzten sich hinter das Schlagzeug und den Bass oder zogen eine Mundharmonika hervor.

Es war an einem dieser stimmungsvollen, fröhlichen Abende, dass auch die «Uelistuubete« geboren wurde, eine kunterbunte, alle zwei Jahre stattfindende Unterhaltungsshow, die Fasnächtliches mit schräger Revue verband und stets schnell ausverkauft war.

Als Sir Francis, wie er im Kleinbasel genannt wurde, zusammen mit seiner Frau der Ueli-Stube Adieu sagte und in Pension ging, endete auch langsam seine Entertainer-Karriere. Seinen letzten grossen Auftritt hatte er vor gut einem Jahr am Charivari im Volkshaus. Subtil begleitet von der Pfeifergruppe Spitzbuebe, gab er als Schlussnummer volksnahe Basler Lieder wie «Sunny Side am Rhy» und «Fährimaa, hösch, Fährimaa», «D Schyssi isch verstopft im erschte Stogg» oder «Z Basel uff dr Brugg» zum Besten.