Zum Hauptinhalt springen

Sport in der guten StubeDer letzte Weltmeister, der vom Bolzplatz kam

Mit dem Buch «Miro» ist Ronald Reng ein Bestseller geglückt. Das liegt auch daran, dass der Mann schreiben kann. Doch wer über die so ungewöhnliche wie grosse Karriere von Fussballer Miroslav Klose schreibt, hat per se schon keine schlechte Ausgangslage.

Der beste Torschütze der WM-Geschichte und sein Markenzeichen nach dem Treffer: Miroslav Klose.
Der beste Torschütze der WM-Geschichte und sein Markenzeichen nach dem Treffer: Miroslav Klose.
Frank Augstein/KEYSTONE

Zugegeben. Der Titel dieses Textes ist geklaut. Er findet sich auf der Rückseite des Buches, das hier empfohlen werden soll. Ein Buch, das eben nicht «Der letzte Weltmeister, der vom Bolzplatz kam» heisst. Sondern viel schlichter, einprägsamer: «Miro».

Miro, das klingt ein bisschen wie ein Jugendroman. In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, zieht Miro aus, um sich in dieser Welt zu behaupten. Und auch wenn jeder Fussball-Fan weiss, dass es sich bei diesem Titel nicht um einen Jugendroman, sondern um die Biographie des erfolgreichsten Stürmers der WM-Geschichte handelt, so ist der Vergleich gar nicht so unpassend. Denn eben: Miro, das ist ja die Geschichte des letzten Weltmeisters, der vom Bolzplatz kam. Und die hat es durchaus in sich.

Miroslav Klose ist Primarschüler, als seine Eltern beschliessen, Polen hinter sich zu lassen und nach Deutschland auszusiedeln. Kusel in der Pfalz wird die neue Heimat, der Fussball das Mittel, um die Sprache zu lernen und soziale Kontakte zu knüpfen. Miroslav Klose kann kicken. Aber er ist nicht auf dem Weg zum Profi. Ein ums andere Mal fällt er durchs Raster. Als er 20 ist, hat er eine Lehre als Zimmermann absolviert und jagt in der Bezirksliga dem Ball nach.

Vier Jahre später steht er mit Deutschland im WM-Final. Denn der Aufstieg via Reserve-Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern zum Bundesliga-Profi und Nationalspieler ist für den stillen Spätzünder so steil wie es die Sprünge sind, mit denen er sich in die Luft schraubt, um in für andere unerreichbaren Höhen den Ball ins gegnerische Tor zu köpfeln.

Was folgt, sind Transfers bis zu Bayern München und Lazio Rom. Und noch ganz viel mehr Spiele für Deutschland. Und Tore: Als Miroslav Klose zwölf Jahre später mit dem WM-Pokal seine internationale Karriere beendet, hat er in 137 Partien 71 Mal getroffen. Er ist damit vor Gerd Müller Deutschlands Rekord-Torschütze. 16 dieser Treffer hat er an Weltmeisterschaften erzielt – mehr als jeder andere. Der stille Polen-Junge ist zum Star geworden. Und still geblieben.

Wer mehr darüber wissen will, der bestellt sich dieses Buch. Es wird von den bekannten Buchhandlungen geliefert. Was es für rund 25 Franken gibt, ist kein Jugendroman. Sondern die Geschichte eines Jungen, der in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs, um die Welt zu erobern. (olg)

Miro – der stille Star.
Miro – der stille Star.

Die BaZ-Serie „Sport in der guten Stube“ gibt täglich Tipps für zuhause, die dabei helfen sollen, die Corona-Zeit halbwegs sportlich zu überbrücken.