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Neuer iMac im TestDer letzte seiner Art

Apple hat seinen Alles-drin-Computer noch mal auf den neusten Stand gebracht. Doch bald kommen rundum neue Macs. Warten oder kaufen?

Angenehm für Fotobearbeitung: der matte Bildschirm ist eine Freude – aber teuer.
Angenehm für Fotobearbeitung: der matte Bildschirm ist eine Freude – aber teuer.
Rafael Zeier

Der erste iMac von 1998 hat Apple vor dem Konkurs gerettet. Der Alles-drin-Computer war bunt, durchsichtig und vor allem eine Revolution.

Der neueste iMac ist all das nicht. Es ist das altbekannte Design von 2009. Seither wurde der iMac nur etwas dünner, wie diese gelungene Infografik der Wikipedia zeigt, aber ansonsten ist es der so gewohnte wie elegante Alu-Glas-Computer – mit den dicken Rändern um den Bildschirm.

Vom bunten Original bis zum heutigen Alu-iMac.
Vom bunten Original bis zum heutigen Alu-iMac.
Grafik: Wikipedia / Giulia Piccoli Trapletti, DensityDesign Research Lab

Anfang August hat Apple einen neuen 27-Zoll-iMac (ab 1999 Franken) angekündigt. Der sieht nicht nur gleich aus wie seine über zehnjährigen Vorgänger, im Inneren stecken auch weiterhin Intel-Prozessoren. Zur Erinnerung: Apple hat im Juni angekündigt, sich von Intel zu trennen und künftig auf eigene Prozessoren, wie in den iPhones und iPads, zu setzen. Dieser Wechsel soll in den nächsten 2 Jahren vollzogen werden.

Apple hat damals aber auch angekündigt, dass das Unternehmen auch noch weitere Computer mit Intel-Prozessoren in der Pipeline hätte. Damit war (wohl unter anderem) dieser neue iMac gemeint. Die Chancen stehen gut, dass er der letzte seiner Art wird. Angetrieben wird er von neuen Intel-Prozessoren, und auch sonst hat Apple die Innereien auf den neusten Stand gebracht.

Schluss mit Festplatten

Standardmässig gibt es den iMac nun mit SSD-Speicher. Wer aber weiterhin lieber einen Mix aus schnellen SSDs und geräumigen Festplatten möchte, kann auch das haben. Man muss es aber speziell auswählen. Nichts verändert hat Apple bei den Anschlüssen. Der iMac hat weiterhin 4 alte USB-Anschlüsse, 2 moderne Thunderbolt-USB-C-Anschlüsse, einen Kopfhöreranschluss und einen SD-Karten-Einschub.

Anders als bei den Macbooks oder dem iMac Pro ist Apple beim iMac also weniger mutig und innovationsfreudig, was die Anschlüsse angeht. Neue Kameras wenden sich von SD-Karten ab, und gerade mal 2 Thunderbolt-USB-C-Anschlüsse sind insbesondere bei den teuersten Modellen (mit allen Optionen kommt man auf bis zu 10’000 Franken) schon etwas knauserig.

Nanotexturglas

Was bislang nach einem langweiligen – ja enttäuschenden – Mini-Update klingt, wandelt sich in eine ausgesprochen positive Überraschung, wenn man den ausgeborgten Test-iMac einschaltet. Gegen einen Aufpreis von 550 Franken gibt es den Bildschirm nämlich mit Nanotexturglas. In Alltagssprache übersetzt bedeutet das: Der Bildschirm sieht zwar aus wie der gewohnte Hochglanzbildschirm, ist aber matt.

Wer beim Gedanken an diese Neuerung die Augen verdreht, kann gerne ein paar Zeilen weiterhüpfen. Aber der Bildschirm ist – trotz den unzeitgemäss dicken Rändern – dank dem neuen Glas ein Hingucker. Da reflektiert nichts mehr. Selbst wenn man mit einer Taschenlampe reinzündet, gibt es nur einen kleinen Lichtpunkt.

Praktisch ist der Bildschirm auch, wenn man ihn abfotografieren oder filmen möchte. Sonst hat man da regelmässig mit Reflexionen zu kämpfen. Mit dem neuen Glas ist das kein Problem.

Strahlendes Matt

Trotzdem wirkt das Bild nicht etwa matt oder langweilig. Die Farben sind weiter kräftig, und es macht grosse Freude, damit Fotos und Videos anzuschauen. Dasselbe Nanoglas hat Apple letztes Jahr beim über 5000-fränkigen Profibildschirm vorgestellt. Dort kostet das Upgrade auf das teurere Glas übrigens 1000 Franken.

Im Alltag gefiel der matte Bildschirm so gut, dass ich mir das nun für alle Geräte wünsche. Auch auf dem Tablet oder Smartphone würde das gut aussehen. Ob das technisch möglich ist, werden die nächsten Jahre zeigen.

Ähnlich wie mir erging es auch Testpersonen, denen ich den neuen iMac vorführte. Immer wieder hörte ich die Frage: «Warum hat Apple keinen bezahlbaren Monitor, den ich an meinem Macbook nutzen kann?»

Für wen ist dieser iMac?

Unter normalen Umständen hätte ich jetzt geschrieben: Wer heute einen Alles-drin-Computer (insbesondere einen Mac) möchte, kann mit dem neuen iMac nichts falsch machen. Er wird Ihnen auch in 10 Jahren noch gute Dienste leisten.

Aber da Apple daran ist, auf die eigenen Prozessoren zu wechseln, und neue Designs nur noch eine Frage der Zeit sind, ist die Sache nicht ganz so einfach. Darum hier eine Checkliste: