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EntdecktDer Hofladen an der Tramhaltestelle

Am Allschwilerplatz gibt es seit neuestem erntefrisches Gemüse und gesundes Take-away. Der ehemalige Kiosk an der Tramhaltestelle ist zu einem Hofladen der besonderen Art mutiert.

Vom Geistesblitz zum Hofladen im ehemaligen Kiosk: Nick Fäh verkauft seit Ende August regionale Produkte am Allschwilerplatz.
Vom Geistesblitz zum Hofladen im ehemaligen Kiosk: Nick Fäh verkauft seit Ende August regionale Produkte am Allschwilerplatz.
Foto: Kostas Maros / Tamedia AG

Lange stand der Kiosk am Allschwilerplatz verwaist da, nun wurde er wieder wachgeküsst. Allerdings gibt es hier keine Heftli, Zigaretten oder Kaugummis zu kaufen an diesem städtischen Hofladen mit dem Namen RegioFrisch wird Erntefrisches aus der Region feilgeboten. Neben dem bunten Angebot an Gemüse und Früchten stehen in einer Vitrine Gläser mit Birchermüesli, Salaten, Sandwiches und Backwaren. Eine Schar Kinder strömt zielstrebig zum Kiosk und versammelt sich erwartungsvoll vor den Plexiglasscheiben. «Das sind Schüler des Gotthelf-Schulhauses, die heute beim Schwimmen waren und jetzt von uns eine kleine Stärkung bekommen», erklärt Niklaus Fäh, der die Idee mit RegioFrisch hatte. Er schenkt jedem Kind einen frischen Most vom Bauernhof in einen Mehrwegbecher ein. Als Gegenleistung stimmen die Kleinen ein Lied für ihn an.

Geistesblitz beim Einkauf

«Ich wohne gleich um die Ecke an der Gotthelfstrasse und fand es sehr schade, dass der Kiosk seit zwei Jahren leer stand», sagt der 56-Jährige, der als Brandmanager bei einem Uhrenhersteller arbeitet momentan in Kurzarbeit. Früher sei er den Biomärkten der Region nachgereist, um frische Ware einzukaufen. «Anfang Juli holte ich im Drisselhof in Oberwil Kirschen und kam mit der Bäuerin ins Gespräch. Dabei erzählte sie mir von ihren Verkaufskanälen – da kam mir der Geistesblitz: Ich eröffne einen Hofladen in der Stadt.» Rasch stand das Konzept, und Fäh einigte sich mit der BVB, der Kioskbesitzerin. «Wir wollten zuerst in einem dreiwöchigen Test schauen, ob das eine Chance hat.»

Nach wenigen baulichen Massnahmen war der Kiosk hofladentauglich, sodass Fäh mit seinem Team Ende August das erste Mal die Rollläden hochlassen konnte. Das Angebot kam sofort gut an. «Schon während der Vorbereitungsarbeiten zur Wiedereröffnung fragten die Quartierbewohner von ihren Balkonen runter, ob es wieder einen Kiosk gebe, und vom ersten Tag an hatten wir Kunden.» Während Fäh das erzählt, bildet sich wie zum Beweis eine Menschentraube vor den Verkaufstresen. Eine Frau füllt ihren Velokorb mit frischem Gemüse, andere decken sich mit Take-away für die Mittagspause ein. Zu jedem Einkauf gibt es einen Gratisapfel. «Als Kind bekam ich beim Traiteur immer ein Stück Wurst geschenkt. Das gibt es heute nicht mehr, und deshalb wird es geschätzt. Wir haben hier sehr schöne Begegnungen.»

Feigen aus dem Quartier

Für Fäh und seine Truppe war nach der dreiwöchigen Testphase rasch klar, dass es weitergehen soll. Nebst seiner Freundin helfen die Schwester, deren Tochter, ein Arbeitskollege sowie Fähs Töchter gelegentlich mit. Sie kümmern sich um den Onlineauftritt, produzieren Wähen, Crumble und weitere Leckereien. «Ein alter Schulfreund von mir übernimmt die Logistik. Weil wir RegioFrisch heissen, haben wir stets erntefrische Ware im Angebot. Deshalb fährt er jeden Tag frühmorgens zu den Bauern nach Biel-Benken, Bottmingen und Oberwil, um die Ware abzuholen.» Weil das Gemüse frisch geerntet werde und eine kurze Lieferkette habe, schmecke es einfach besser und sei gesünder, ist Fäh überzeugt. Wo möglich setze er auf Bioqualitätwegen des höheren Nährstoffgehalts. Die Kundschaft schätzt dieses Angebot und gibt entsprechende Feedbacks. «Manchmal steigen die Leute extra aus dem Tram aus, weil sie etwa von den Zwetschgen angelacht wurden.» Kürzlich seien zwei Quartierbewohnerinnen auf ihn zugekommen und hätten ihm Feigen und Kräuter aus ihren Innenhöfen und Gärten angeboten. «Jetzt haben wir Feigen im Angebot, die 200 Meter von hier gewachsen sind – lokaler gehts nicht mehr.»

Gesunde Ernährung für alle

Der Aufwand, der für die hohe Qualität betrieben wird, hat auch seinen Preis. «Wir schauen, dass wir tendenziell nicht teurer sind als ähnliche Angebote wie etwa das Biogemüse von Coop. Natürlich gibt es wirtschaftliche Aspekte, aber wir legen Wert darauf, dass sich jeder und jede unsere Produkte leisten kann.» Noch ist der Laden nicht selbsttragend. «Wir sind noch lange nicht dort, wo wir sein müssten, denn wir haben hohe Logistikkosten, und die Margen sind sehr dünn.» Wie die Geschichte mit dem Gemüsekiosk weitergeht, ist noch nicht entschieden. Für die Wintermonate werden die Öffnungszeiten angepasst der Kiosk ist ab November nicht mehr täglich, sondern noch am Freitag und Samstag geöffnet. «Wir wollen die erntearme Zeit sinnvoll nutzen, um die gemachten Erfahrungen zu analysieren und weitere Anpassungen vorzunehmen. Wir planen, den Gemüse- und Früchtekiosk im Frühling mit frischem Elan und erweiterten Öffnungszeiten weiterzubetreiben und für unsere Kundschaft da zu sein.»

www.regiofrisch.ch

3 Kommentare
    Jörg Kramer

    Die Tatsache der guten Idee, lässt nicht darüber hinwegtäuschen, dass hinter dem Kioskgebäude kein Hof steht. Das Plagiat besteht ebenso bei Läden, die von allerlei Lieferanten Waren beziehen bzw. sich liefern lassen. In einem Hofladen werden Erzeugnisse des Hofes verkauft, deren Herkunft und Verarbeitung aus unmittelbarer Umgebung stammt. Und am Alschwilerplatz nach heimischer Scholle zu suchen erübrigt sich. Deshalb finde ich es schade, dass diese an sich gute Idee nicht so heisst, was es wirklich ist. Kiosk mit Frischwaren.