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Statistik gegen RotblauDer FCB hat seine letzte Chance auf die Meisterschaft bereits verspielt

Will der FC Basel doch noch den Titel, muss er die Geschichte der Super League neu schreiben. Denn noch nie hatte ein Meister zwölf Runden vor Schluss so viel Rückstand – und nie so viele Niederlagen.

Wenn es nach der Statistik geht, dann erlitten Trainer Marcel Koller und der FC Basel in Luzern die eine Niederlage zu viel.
Wenn es nach der Statistik geht, dann erlitten Trainer Marcel Koller und der FC Basel in Luzern die eine Niederlage zu viel.
Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Im Prinzip war Fabian Frei nach der 1:2-Niederlage in Luzern noch vorsichtig. «Im Moment geht es für uns um den dritten Platz», sagte der Routinier des FC Basel nach einer schwachen Leistung. Dabei hätte es genug Gründe gegeben, um ein härteres Fazit zu ziehen, das da lautet: Das wars mit der Meisterschaft.

Der Auftritt in Luzern ist dabei nur ein Argument. Hinzu kommen nicht messbare Faktoren wie das – durch Absenzen und anstehende Abgänge – ausgedünnte Kader oder die Unruhen rund um den Club, die vor allem in puncto drohende Zahlungsunfähigkeit auch auf die Spieler abfärben dürften.

Es gibt aber auch Gründe, die sich mit Zahlen belegen lassen. Zwar sind noch 36 Punkte zu gewinnen oder zu verlieren. Doch der dritte Platz, verbunden mit acht Punkten Rückstand auf gleich zwei Rivalen, spricht gegen die Basler. Und zwar eindeutig, wie der Blick zurück zeigt. Um nun noch Meister zu werden, müsste der FCB die Geschichte der Super League gleich in mehreren Punkten neu schreiben:

Man muss Zweiter sein

Seit der Einführung der Super League in der Saison 2003/04 hat es nur zwei Titelträger gegeben, die nach dem 24. Spieltag nicht auf Platz 1 standen. In der Saison 2009/10 überholte der FCB noch den BSC Young Boys, in der Spielzeit 2005/06 zog der FC Zürich in der Finalissima im St.-Jakob-Park an Rotblau vorbei. Beide Mannschaften lagen nach dem 24. Spieltag aber auf dem zweiten Tabellenplatz.

Was das auch bedeutet: Wer nach 24 Runden Erster ist, hat theoretisch eine klar grössere Chance als der Zweitplatzierte, um am Ende zuoberst zu stehen. Denn in 14 von 16 Spielzeiten war dies der Fall. Allerdings ist dies allein noch nicht Grund genug, um nun in der Ostschweiz den Champagner kühl zu stellen: Punktgleichheit zwischen dem Ersten und dem Zweiten lag nach 24 Runden lediglich in einem von 16 Fällen vor: 2013 wiesen der FCB und der zweitplatzierte Grasshopper Club je 49 Zähler auf.

Sechs Punkte sind das Maximum

Aussagekräftiger als die Platzierung ist der Punkterückstand nach 24 Runden. Und hier sieht es für den FC Basel richtig schlecht aus. Denn noch nie hat eine Mannschaft nach zwei Dritteln der Meisterschaft acht Zähler Rückstand wettgemacht. Rekordhalter ist der FCZ von 2005/06, beim FCB von 2009/10 fehlten zwölf Runden vor Schluss noch vier Zähler, um Spitzenreiter YB abzulösen.

Hinzu kommt, dass jene Equipen ihren geringeren Rückstand nur gegen je einen Spitzenclub wettmachen mussten. Der FCB jedoch muss acht Zähler auf zwei Mannschaften aufholen.

Es geht nur mit sieben Niederlagen

Bislang gilt: Wer die Super League über 36 Runden für sich entscheiden will, darf nicht mehr als sieben Partien verlieren. Acht oder mehr Niederlagen wies seit 2004 kein Schweizer Meister in seiner Schlussbilanz auf. Der FCZ kam 2007 auf sieben Niederlagen. Aktuell steht YB bei vier Pleiten, St. Gallen bei sechs – und der FCB hat inzwischen achtmal verloren.

Auch der Blick in die Vor-Super-League-Zeit darf da nicht täuschen. Zwar gab es seit Einführung der Dreipunkte-Regel zwei Meister, die mehr als sieben Niederlagen aufwiesen: Der FCB kam 2002 auf acht verlorene Spiele, GC 2001 gar auf zehn. Nur: Damals wurden zunächst 22 Qualifikationspartien ausgetragen, bevor man die Punkte halbierte und 14 Finalrunden-Spiele folgten. Will heissen: Eine Niederlage in der Qualifikation wog ungleich leichter. Dazu passt: Der FCB von 2001/02 weist fünf, GC von 2000/01 gleich acht Qualifikations-Niederlagen auf.

Es braucht 44 Punkte

Seit Einführung der Super League ist keine Mannschaft Meister geworden, die wie der FC Basel nach zwei Dritteln der Spiele nur 40 Punkte auf dem Konto hatte. Das Minimum waren bisher 44 Zähler, mit denen der FCB, Ausgabe 2004/05, als Tabellenführer ins letzte Meisterschaftsdrittel ging und den Titel holte.

Mit je 48 Zählern sind zwar auch St. Gallen und YB in dieser Saison keine Überflieger. Allerdings erfüllen sie – wie in allen anderen statistischen Bereichen – die nötigen Voraussetzungen, um am Ende den goldenen Kübel stemmen zu dürfen.

Die schlechte Phase dauert zu lang

Von den letzten sieben Liga-Partien hat der FCB inklusive Jahreswechsel und Corona-Pause bei einem Sieg und einem Remis gleich fünf Begegnungen verloren. Eine derart schwache Phase hatte der FCB nie vorzuweisen, wenn er Meister wurde. Eine identische Serie wies er vor 19 Jahren auf. Käme eine weitere Niederlage hinzu, würden die Basler bei einem Sieg und einem Remis eine Serie von sechs Niederlagen in den letzten acht Partien aufweisen. Das käme einem Rückfall in den Herbst 1998 gleich. Dabei gibt es eine verblüffende Parallele: Damals wie heute fand die sechste Partie der Pleiten-Phase zu Hause gegen Servette statt. Damals wie heute verlor der FCB die siebte Partie in Luzern. Und danach? Danach fuhr er an den Neuenburgersee und kassierte gegen Xamax die sechste Niederlage in acht Spielen …