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Zum Tod von Alt-Bundesrat Flavio CottiDer Europäer

Der Tessiner Bundesrat wollte die Schweiz in die EU führen: Nun ist Flavio Cotti 81-jährig verstorben.

Hoch über Locarno gestikuliert der damalige Bundespräsident Flavio Cotti für eine Aufzeichnung seiner 1.-August-Rede. (30. Juli 1998)
Hoch über Locarno gestikuliert der damalige Bundespräsident Flavio Cotti für eine Aufzeichnung seiner 1.-August-Rede. (30. Juli 1998)
Foto: Karl Mathis (Keystone)

Bundesräte zitieren beim Rücktritt gerne die Maxime «servir et disparaître». Sie kündigen an, fortan nicht mehr öffentlich in Erscheinung zu treten – und können es dann doch nicht lassen. Eine Ausnahme war Flavio Cotti: Der Tessiner liess sich nach seinem Rücktritt 1999 kaum mehr vernehmen. Regelmässig lief man als Journalist bei ihm auf, wollte man ein Statement zur Tagespolitik einholen. Irgendwann gab man es auf.

Es müssen in politischer Hinsicht schmerzhafte letzte Lebensjahre gewesen sein für Cotti, den überzeugten Europäer. Der CVP-Mann war ein typischer Vertreter jener Politikergeneration, die die Jahre nach 1989 prägte: Der Kalte Krieg war zu Ende, Europa wuchs immer stärker zusammen – und niemand glaubte, dass die Geschichte je wieder in die Gegenrichtung gehen könnte. Entsprechend betrübt war Cotti über den Brexit, über die starke Zunahme zentrifugaler Kräfte innerhalb der EU und die europaskeptische Stimmung in der Schweiz. Der Brexit sei auf einen «gravierenden Mangel an Führung seitens der EU» zurückzuführen gewesen, erklärte Cotti im kleineren Kreis.

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