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Industriekultur bewahrenDer Erneuerer

Pascal Troller aus Olten hat einen aussergewöhnlichen Job: Er treibt Geld auf, damit alte Dampfloks und andere alte Maschinen der Nachwelt erhalten bleiben.

Pascal Troller mit den Original-Lokschildern der E 3/3 Nummer 8551 vor einer modernen Rangiermaschine aus dem Haus Alstom.
Pascal Troller mit den Original-Lokschildern der E 3/3 Nummer 8551 vor einer modernen Rangiermaschine aus dem Haus Alstom.
Foto: Markus Wüest

Sein Enthusiasmus und seine Begeisterungsfähigkeit sind scheinbar unerschöpflich. Und wenn Pascal Troller sagt, das sei jetzt aber das letzte Projekt, das er anpacke, darf man getrost davon ausgehen, dass danach noch eins kommt. Der gelernte Buchdrucker hat sich seit 2007 einem ganz anderen Beruf zugewandt. Doch vielleicht ist es auch gar kein Beruf, sondern eher seine Berufung: Er beschafft die erforderlichen finanziellen Mittel, damit wertvolle Industriekulturgüter erhalten werden können.

Wenn das jetzt ein bisschen zu unspezifisch klingt, ist das beabsichtigt. Denn wer behaupten würde, der Troller, der kümmere sich um alte Dampflokomotiven, wird dem 64-Jährigen nicht gerecht. So hat er zum Beispiel auch die Automobil-Dampfspritze der Basler Feuerwehr wieder zum Laufen gebracht. Und er ist im Moment daran, ein historisches Kraftwerk oberhalb von Meiringen wieder in Schuss zu bringen.

Sein nächstes Projekt ist die schon fast legendäre ehemalige Rheinhafen-Dampflokomotive 8551, die während vielen Jahren vor dem Schifferkinderheim in Kleinhüningen stand und wohl manchem heute etwas älteren Semester in Erinnerung geblieben ist. Eine Lok des Typs E 3/3. Das heisst, eine Dampflokomotive mit drei Achsen. Lokomotiven mit dieser Achsfolge werden in Fachkreisen auch als «Tigerli» bezeichnet.

Ein Tigerli im Regen

Das arme Tigerli vor dem Schifferkinderheim stand mehrere Jahrzehnte draussen rum. Seit 1963 immobil. Es rostete. Es litt. Wurde nie mehr bewegt, was für einen Tiger wie ein «Tigerli» bestimmt keine gute Sache ist. Als es an seinem alten Standort am Weilerweg neuen Plänen im Weg stand, wäre es um ein Haar verschrottet worden. Der Verein Draisinen Sammlung Fricktal erstand die Lok auf Initiative von Pascal Troller für einen symbolischen Franken und liess sie im Februar 2010 nach Brugg (AG) transportieren.

Mittlerweile gehört sie ihm. Sie steht immer noch in Brugg, im alten Lokdepot beim Bahnhof. Und jetzt wird sie zu seinem nächsten, dem «mit Sicherheit zweitletzten» Projekt, wie Troller sagt. Auf die Frage, wie teuer es werde, der alten Lok wieder Leben einzuhauchen, kann er sich nicht festlegen. «Mehrere Hunderttausend Franken wird der betriebsfähige Erhalt sicher kosten», schätzt er.

Nach all den Erfahrungen, die er mit der erfolgreichen Realisierung seiner bisherigen Projekte gesammelt hat, weiss er, wovon er spricht. Konkret bedeutet es: Kontakte herstellen, Vorgespräche führen, Briefe schreiben. «Ohne die namhafte Unterstützung durch den weltweit tätigen Unternehmer und Mäzen Hansjörg Wyss und meine vielen interessanten und sehr wertvollen Kontakte zu Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft hätte ich meine Projekte über all die Jahre nicht realisieren können», sagt Troller nicht ohne Stolz.

Qualifizierte Fachleute

Die Geldbeschaffung mag die Knochenarbeit sein. Damit diese alten Lokomotiven – wie zum Beispiel die Dampflokomotive 41 der ehemals in Basel domizilierten Schweizerischen Centralbahn oder die HG 3/3 Nummer 1068 der Brünigbahn – sich wieder aus eigener Kraft bewegen können, braucht es auch eine ganze Reihe von entsprechend qualifizierten Fachleuten. Zum Beispiel den Kesselschmied Demian Soder im aargauischen Dintikon. Der weiss, wie man einen Dampfkessel wieder verrohrt oder korrodierte Stellen aufschweisst.

1959 an gleicher Stelle wie das Bild vorher: Die E 3/3 8551 – die alte SBB-Nummer – im Dienste der Schweizerischen Reederei.
1959 an gleicher Stelle wie das Bild vorher: Die E 3/3 8551 – die alte SBB-Nummer – im Dienste der Schweizerischen Reederei.

Pascal Trollers Geheimnis ist wohl seine Energie. Wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, zieht er es auch durch. Freude an alten Lokomotiven hatten lange vor ihm andere auch schon. Sie kauften altes Rollmaterial günstig, hofften darauf, es irgendwann, irgendwie aus dem Dornröschenschlaf wecken zu können. Den wenigsten ist das gelungen. Denn der Aufwand ist enorm. Die Kosten hoch. «Solange das jeweilige Projekt nicht ausfinanziert ist, vergebe ich keinen Revisionsauftrag», sagt Troller. Das heisst, zuerst muss die Finanzierung sichergestellt sein, bevor es losgehen kann.

Für das Tigerli 8551 aus Basel hat er nebst den möglicherweise seit Jahrzehnten fehlenden Original-Lokschildern auch die charakteristischen Lokomotiv-Signallaternen sowie einen Grossteil der fehlenden Original-Armaturen sichern können. Und er hat in der einschlägigen Literatur alles zusammengesucht, was er über diese spezielle Lok hat finden können. Auch Fotos. Unter anderem eines, welches das «Tigerli» 1959 im Rheinhafen zeigt.

Als er für einen Besuch nach Basel kommt, lässt er beim Fototermin nicht locker, bis er mit den Originalschildern der 8551 möglichst genau dort steht, wo sie vor über 60 Jahren für einen anderen Fotografen posiert hat. Da kommt dieser Enthusiasmus voll zum Tragen.

Später erklärt er, woher seine Faszination für Dampflokomotiven der Achsfolge 3/3 kommt. «Es fing mit einem Familienausflug 1961 an. Wir fuhren nach Schaffhausen und es gibt ein Foto von meiner Schwester und mir auf einer solchen Lok auf dem Spielplatz beim Munot in Schaffhausen. Da liegt die – hoffnungsvolle – Konklusion nahe: Dampfloks haben einen langen Schnauf. Und Pascal Troller auch.

Vorher. Das Tigerli der ehemaligen Schweizerischen Centralbahn mit Sitz in Basel. Verrostet als Werklok der Giesserei Emmenbrücke.
Vorher. Das Tigerli der ehemaligen Schweizerischen Centralbahn mit Sitz in Basel. Verrostet als Werklok der Giesserei Emmenbrücke.
Foto: Pascal Troller
Nachher.  Dieselbe Lokomotive, nun wieder als SCB 41 erkennbar – und vor allem wieder betriebsfähig.
Nachher. Dieselbe Lokomotive, nun wieder als SCB 41 erkennbar – und vor allem wieder betriebsfähig.
Foto: Pascal Troller