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Hilferuf aus Dubai Der Emir, der seine Tochter gefangen hält

Unter seiner Herrschaft wurde Dubai zur Glitzermetropole. Doch privat ist Mohammed bin Rashid al-Maktoum ein Tyrann, der vor wenig zurückschreckt.

«Es ist mir egal, ob du lebst oder stirbst», dichtete Mohammed bin Rashid al-Maktoum
«Es ist mir egal, ob du lebst oder stirbst», dichtete Mohammed bin Rashid al-Maktoum
Foto: Fayez Nureldine (AFP)

Als der Herrscher des Emirats Dubai sich das letzte Mal von einer Frau blossgestellt fühlte, schrieb er Verse und veröffentlichte sie auf Instagram: «Du Verräterin, Du hast das kostbarste Vertrauen verraten und Dein Spiel wurde enthüllt», dichtete Mohammed bin Rashid al-Maktoum. Den Namen der Frau, von der es da hiess, «es ist mir egal, ob du lebst oder stirbst», nannte al-Maktoum nicht.

Da aber seine sechste Ehefrau wenige Tage zuvor mit zwei gemeinsamen Kindern nach London geflohen war, mussten die Exegeten nicht lange rätseln, wer gemeint sein könnte: Wohl Haya bint al-Hussein, die mit al-Maktoum seit 2004 verheiratete jordanische Königstochter. Sie sagte, sie verspüre in der Nähe des Gatten Todesangst.

Ein beklemmendes Video

Am Wochenende tauchte kein neues Gedicht auf der Seite des Mannes auf, der sich auf Instagram @Sultan41 nennt. Dabei ist der 71-Jährige wieder einmal in den Schlagzeilen, wieder erhebt eine Frau aus seiner Familie schwere Vorwürfe gegen ihn: Seine Tochter Latifa, die 2018 filmreif mit einem Jetski aus dem Emirat in internationale Gewässer floh, berichtete in heimlich aufgenommenen und von der BBC veröffentlichten Videos davon, gefangen gehalten zu werden. Die Flucht ging damals schief, ein Einsatzkommando kaperte das Boot, das sie in internationalen Gewässern bestieg.

Beklemmende Videobotschaft: Latifa, die Tochter des Emirs.
Foto: BBC/Redaktion Tamedia

Anstelle von Reimen veröffentlichte die Londoner Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, zu denen Dubai gehört, eine kurze Stellungnahme. «Ihre Hoheit wird zu Hause umsorgt und von ihrer Familie und Medizinern unterstützt», heisst es darin zu Latifa. Die heute 35-Jährige mache «weiter Fortschritte und wir sind hoffnungsvoll, dass sie zu gegebener Zeit ins öffentliche Leben zurückkehren wird». Die Familie bedanke sich bei allen, die sich um Latifas Wohlergehen sorgen, doch die Videos spiegelten nicht die wahre Situation wider.

Eine Darstellung, die nicht viele überzeugen wird: Al-Maktoum ist bereits im vergangenen Jahr einschlägig verurteilt worden. Damals machte ihn der High Court in London für Entführungen, Folter und Morddrohungen verantwortlich. Geklagt hatte dort Ehefrau Haya, die Richter sahen es auch als erwiesen an, dass al-Maktoum 2018 Latifa und 16 Jahre zuvor ihre Schwester Shamsa der Freiheit beraubt hatte, als die sich in Grossbritannien abzusetzen versuchte.

Mit Festkleid und Zylinder

Reisen zur ehemaligen Kolonialmacht, die er zuvor so genoss, meidet al-Maktoum. Seit er 1965 zur Ausbildung ins Vereinigte Königreich kam, pflegte er eine spezielle Beziehung zu den britischen Inseln: Der Milliardär besitzt dort ausgedehnte Ländereien und den grössten Rennstall der Welt. Bei Society-Events wie dem Royal Ascot zeigte er sich gern mit Cutaway und Zylinder.

Die Zeiten mit Small Talk auf britischen Adelstreffen sind für al-Maktoum nun wohl vorbei – wegen der juristischen Probleme, aber auch, weil er im Ausland zur Persona non grata zu werden droht. Zu Hause herrscht er bislang unangefochten: 1971, im Jahr der Unabhängigkeit der Emirate, wurde er Verteidigungsminister des neuen Zusammenschlusses kleiner Fürstentümer am Persischen Golf, damals der jüngste der Welt. Zum 50-Jahr-Jubiläum der Staatsgründung hat er das Amt noch immer inne, ist seit dem Tod seines Bruders 2006 jedoch zudem auch noch Premierminister und Vizepräsident.

Die Modernität ist nur Fassade

Die Verwandlung des kleinen Handelsstützpunkts, in dessen Altstadt er geboren wurde, in eine Glitzermetropole mit bald 3,5 Millionen Einwohnern trieb al-Maktoum massgeblich mit voran. Doch die Modernität, die die Skyline vorspiegeln soll, ist nur Fassade: Privat scheint der Vater von 25 Kindern immer wieder in die Rolle des Familientyranns zu fallen.

14 Kommentare
    Margot Helmers

    Eines ist sicher, Latifa ist nicht mehr im Besitz eines Handy's. Und es ist mehr als zu begrüssen, dass dieser Skandal weltweit thematisiert wird. Nur so kann der Druck auf solche Gewaltherrscher ausgeübt werden und eine Veränderung bewirkt werden.