Zum Hauptinhalt springen

Trumps Schwiegersohn gegen CoronaDer ahnungslose Krisenmanager

Jared Kushner nimmt bei der Bekämpfung von Covid-19 eine tragende Rolle ein. Sein Leistungsausweis spricht nicht für ihn.

Weil er 25 Bücher zum Thema gelesen hat, hält er sich für einen Nahost-Experten: Jared Kushner. Im Bild mit Ivanka Trump am WEF in Davos. (21. Januar 2020) Bild: Jonathan Ernst/Reuters
Weil er 25 Bücher zum Thema gelesen hat, hält er sich für einen Nahost-Experten: Jared Kushner. Im Bild mit Ivanka Trump am WEF in Davos. (21. Januar 2020) Bild: Jonathan Ernst/Reuters

Es gibt einen Satz von Jared Kushner, der immer wieder herangezogen wird, um zu beschreiben, dass es dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump womöglich an der Erfahrung mangeln könnte, die grossen politischen Probleme unserer Zeit zu lösen. Kushner gilt als wichtigster Berater des Präsidenten, unter anderem wurde er von seinem Schwiegervater damit beauftragt, den Nahost-Konflikt zu lösen. Nun haben sich in Lauf der Jahrzehnte viele kluge Köpfe vergeblich an der Lösung dieses Konflikts versucht. Was also ihn, Kushner, befähige? Er habe 25 Bücher zum Thema gelesen, sagte der 39-Jährige.

Den Nahost-Konflikt hat Kushner bisher nicht gelöst. Überhaupt sind seine Erfolge überschaubar. Die «New York Times» hat kürzlich in einem vernichtenden Artikel angemerkt, Kushner sei in seinem Leben bisher «bei exakt drei Dingen» erfolgreich gewesen: Er sei als Sohn der richtigen Eltern geboren worden, habe gut geheiratet und gelernt, seinen Schwiegervater zu beeinflussen. Seine anderen Unternehmungen seien Fehlschläge gewesen.

Das ist ein wenig unfair. Kushner hat es Ende 2018 tatsächlich geschafft, eine Strafrechtsreform in und durch den Kongress zu bringen. Sein Portfolio im Weissen Haus ist weitreichend. Er ist unter anderem für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko zuständig, für diplomatische Beziehungen zu Saudiarabien und China, für den Nahen Osten, für die Justiz, für das Gesundheitswesen, und immer wieder auch für das, was gerade so ansteht. Im Moment für die Corona-Krise.

Er will alles besser wissen

Liberale Kommentatoren erfüllt es mit Schrecken, dass Kushner in der grössten Krise des Landes mindestens seit den Anschlägen von 11. September 2001 der Mann ist, auf den der Präsident hört. Intern soll Kushner einem Bericht des Magazins «Vanity Fair» zufolge gesagt haben, dass er die Schätzungen der Gouverneure über deren Bedarf zum Beispiel an Beatmungsgeräten für übertrieben halte. Dabei hatte er wohl besonders den New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo im Blick, der sagte, man werde auf dem Höhepunkt der Krise 30000 Beatmungsgeräte brauchen. Kushner soll gesagt haben, dass er selber Daten gesammelt habe und zu dem Schluss gekommen sei, dass New York nicht so viele Geräte benötige.

Die Autorin Andrea Bernstein, die ein Buch über die Kushners und die Trumps veröffentlicht hat, sagte, Jared Kushner glaube grundsätzlich, er könne die Dinge besser regeln als irgendjemand sonst, auch wenn er nicht die geringste Ahnung habe, wovon er rede. Darin ist er seinem Schwiegervater nicht unähnlich. Dass Kushner so extrem selbstbewusst ist, mag mit seiner Herkunft zu tun haben. Er wuchs in New Jersey in komfortablen Verhältnissen auf. Sein Vater Charles Kushner ist ein milliardenschwerer Immobilienmakler. Zum Studium wurde er in Harvard angenommen, nachdem sein Vater der Uni 2,5 Millionen Dollar gespendet hatte. Bereits im Alter von 23 Jahren stand er an der Spitze des Familienunternehmens, was daran lag, dass sein Vater für 14 Monate ins Gefängnis musste, unter anderem wegen Steuerhinterziehung und Zeugenbeeinflussung.

Wegen ihm zögerte Trump

2007 kaufte er für 1,8 Milliarden Dollar einen Wolkenkratzer in New York, ein Rekord. Das war der schlechteste Zeitpunkt, denn kurz danach brach die Finanzkrise aus. Die Schulden hätten die Firma fast erdrückt. Kushner soll Trump, so berichten mehrere Medien, zu Beginn der Corona-Krise gesagt haben, diese sei eher eine Bedrohung für die Märkte und die öffentliche Meinung, weniger für die Gesundheit. Das habe dazu geführt, dass Trump lange nicht aktiv wurde. Mittlerweile gibt es über 400000 offiziell bestätigte Fälle in den USA, mehr als 12000 Menschen sind gestorben. Das Magazin «Time» veröffentlichte im Januar einen langen, im Grundsatz sehr freundlichen Artikel über Kushner. Darin wird er mit den Worten zitiert: «Ich hoffe, meine Ergebnisse sprechen für sich.»

Podcast «USA: Entscheidung 2020»

Donald Trump tritt täglich vor die TV-Kameras. Die Einschaltquoten sind hoch. Aber wie lange noch? Darüber diskutieren Christof Münger und Martin Kilian in einer weiteren Folge des Tamedia-Podcasts «Entscheidung 2020».