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Nadal am ATP-FinalDer Abschied von London könnte ein trauriger werden

Schon zum 16. Mal ist Nadal für ein Saisonfinal qualifiziert. Gewonnen hat er es noch nie, und auch 2020 stehen seine Chancen nicht sehr gut.

Kein Mann für Hallenturniere: Lieber spielt Rafael Nadal auf Sand oder er vergnügt sich, wie bei den Baleares Golf Championships Ende Oktober, auf Golfplätzen.
Kein Mann für Hallenturniere: Lieber spielt Rafael Nadal auf Sand oder er vergnügt sich, wie bei den Baleares Golf Championships Ende Oktober, auf Golfplätzen.
Foto: Cristian Trujillo (Getty Images)

Rafael Nadal gähnt, als er sich in den Interviewraum setzt. Es ist dunkel in der O2-Arena und leer, denn die Journalisten sitzen irgendwo auf der Welt an Bildschirmen. Auch das Publikum wird in der gigantischen, 17’000 Zuschauer fassenden Arena fehlen, wenn am Sonntag das 12. und letzte Saisonfinal an der Themse im Londoner Stadtteil Greenwich steigt. Nächstes Jahr disloziert er nach Turin.

«Es ist traurig und nicht fair, dass wir zum Abschied hier ohne Zuschauer spielen müssen», gibt Nadal zu. Im Gegensatz zu anderen Jahren, als die Spieler in der Innenstadt wohnten und per Boot auf der Themse an- und abreisten, hat die Corona-Pandemie auch die Wohnsituation verändert. Die Spieler logieren jetzt in einem Hotel nebenan. «Obwohl es nur 200 Meter sind, dürfen wir diese nicht zu Fuss gehen», bedauert Nadal.

Aber – nein, er wolle sich nicht beklagen. «Wir haben Glück, dass wir unseren Sport überhaupt ausüben können. Dafür müssen wir dankbar sein.» Auch wenn er über das Londoner Saisonfinal schwärmt, begrüsst er den Umzug. «Es war hier grossartig, das Stadion toll, die Organisation hervorragend. Aber das Tennis muss sich bewegen, der Anlass muss um die Welt reisen und unseren Sport unter die Leute bringen.»

Für London war das ATP-Final zweifellos eine Erfolgsgeschichte, für Nadal weniger. Wie schon bei seinen ersten zwei Saisonfinals in China, wo er im Halbfinal an Roger Federer gescheitert war, konnte er auch hier nie gewinnen. Zweimal stand er im Endspiel, 2010 unterlag er Federer, drei Jahre später Djokovic. Das ATP-Final, früher auch Masters oder ATP-Weltmeisterschaft genannt, ist die letzte grosse Lücke in Nadals Palmarès, das inzwischen 20 Grand-Slam-Pokale umfasst.

«Diese Beläge sind für mich nicht ideal. Aber es gibt keine Entschuldigungen.»

Rafael Nadal

Sein Pech aber war, dass er es nie auf Sand bestreiten konnte. Als ihn ein Reporter darauf aufmerksam machte, dass nur zwei seiner 86 Turniersiege an Hallenturnieren zustande kamen, sagte er: «Diese Zahlen sind da, und es gibt keine Entschuldigungen. Ich spielte auch weniger Indoor-Turniere, aber es stimmt, dass diese Beläge für mich nicht ideal sind, auch wenn ich mich darauf verbessert habe.»

Der Mallorquiner ist keiner für die dunkle Jahreszeit, keiner für Hallenturniere, und oft war er so spät in der Saison ohnehin nicht mehr fit oder rekonvaleszent. Die Turniere abzusagen, fällt ihm denn auch nicht sehr schwer. Bereits sechsmal hat er an einem Saisonfinal gefehlt, ein weiteres Mal stieg er nach einer Partie aus. In neun Teilnahmen kam er bisher zu 18 Siegen, aber auch 14 Niederlagen. Federer ist mit sechs Titeln und 57 Einzelsiegen der Rekordsieger an diesem Turnier.

Auftakt mit dem letztjährigen Final

Angesichts der Tatsache, dass der Baselbieter fehlt und Djokovic zuletzt wenig Motivation zeigte, könnte Nadal aber durchaus Aussenseiter-Chancen auf den Titel haben. «Das sind nur Spekulationen», winkte er ab. «Aber immerhin habe ich in Paris-Bercy vier Partien gespielt und dürfte einigermassen gut vorbereitet sein.» Allerdings trifft er mit Andrei Rublew gleich zu Beginn am Sonntagabend auf einen sehr schwierigen Gegner. Neben dem Russen gehören auch US-Open-Sieger Dominic Thiem und Titelverteidiger Stefanos Tsitsipas zu seiner Vierergruppe. Die zwei letztjährigen Finalisten treffen diesmal am Sonntag schon im Startspiel aufeinander.