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Migros-Tochter baut 170 Stellen abDer Abbau bei Hotelplan ist nur der Anfang

Beim Reiseveranstalter drohen noch weitergehende Sparübungen – und die Fusion mit einem Mitbewerber.

Wegen des Coronavirus hagelte es Stornierungen und Reisebüros mussten Rückzahlungen in Millionenhöhe an die Kundschaft leisten: Strand in Antalya.
Wegen des Coronavirus hagelte es Stornierungen und Reisebüros mussten Rückzahlungen in Millionenhöhe an die Kundschaft leisten: Strand in Antalya.
Foto: Kaan Soyturk (Reuters)

Im Nachhinein wirkt es wie ein Vorbote: «Das Geschäft unserer Reisetochter Hotelplan ist vorübergehend praktisch zusammengebrochen und wird sich leider nicht so schnell wieder erholen», sagte Ursula Nold, Präsidentin des Migros-Genossenschaftsbundes im «Migros-Magazin», als sie gefragt wurde, wo es denn im Konzern schwierig bleibe. Am Donnerstag nun kam die konkrete Botschaft zu Nolds Aussage: Die Hotelplan-Gruppe baut 425 von knapp 2280 Stellen – also gut 18 Prozent aller Jobs – ab. 170 davon fallen auf die Schweiz.

Damit prescht ausgerechnet die Migros-Tochter, die letztes Jahr 1,4 Milliarden Franken umsetzte, als erster der grossen Reiseveranstalter mit konkreten Abbauplänen vor. Die Mitbewerber Kuoni respektive Eigentümerin DER Touristik Suisse, TUI Suisse, aber auch die etwas anders positionierte Globetrotter-Gruppe als Nummer vier haben zwar schon Sparpläne angekündigt, aber noch keine konkreten Zahlen genannt.

Hotelplans radikaler Schritt wird Signalwirkung für die Konkurrenz haben. Denn alle kämpfen mit Problemen: Das Geschäftsmodell der grossen Veranstalter war schon vor Corona massiv unter Druck, der Wettbewerb beinhart. Das Virus hat die Branche nun vollends in den Notstand versetzt. Über Monate kam kein Umsatz rein, stattdessen hagelte es Stornierungen und mussten Rückzahlungen in Millionenhöhe an die Kundschaft geleistet werden – und das im Zustand der Kurzarbeit.

Jetzt nimmt das Geschäft zwar langsam wieder Fahrt auf, aber auf kleinem Feuer. Noch immer sind wichtige Reiseländer zu oder nur eingeschränkt bereisbar. Die Situation ist fragil. Allein die Tatsache, dass Hotelplan ankündigte, dass ein Grossteil der betroffenen Mitarbeitenden in der Schweiz schon per Ende Juli freigestellt werde, sagt schon etwas aus. Das fällt mitten in die Hochsaison.

Filialnetz ist noch immer recht üppig

Der grosse Teil der gestrichenen Stellen in der Schweiz fällt offenbar aufs Touroperating, also die Reiseproduktion. Aber auch andere Bereiche sind betroffen. Der Einschnitt im Filialnetz scheint hingegen eher moderat: 12 von 98 Reisebüros machen dicht, darunter viele ländliche, aber auch die Filiale am prestigeträchtigen Standort Migros-City in Zürich. Rechnet man mit vier bis fünf Angestellten pro Filiale, dürften also knapp 50 Mitarbeiter betroffen sein.

Mit 86 verbleibenden Reisebüros ist das Filialnetz von Hotelplan danach noch immer recht üppig. Zwar heisst es bei Hotelplan, dass man nicht von einem weiteren Abbau ausgehe, doch Insider gehen davon aus, dass das Filialnetz weiter gestrafft wird.

Remedur schafft die Hotelplan-Gruppe auch im Ausland, wo 255 Jobs dem Sparhammer zum Opfer fallen. Hier trifft es die Märkte England und Deutschland. In England haben nebst Corona der Brexit und die Pleiten von massgeblichen touristischen Playern für Probleme und Umsatzrückgänge gesorgt. Hotelplan ist in Grossbritannien im Spezialistenmarkt tätig – man bringt hauptsächlich englische Skitouristen mit Charterflügen in die Alpen. In Deutschland ist das Ferienwohnungsgeschäft vom Abbau betroffen mit den Marken Interhome und Interchalet.

Erst schlank machen, dann einen Partner suchen – die Wahrscheinlichkeit einer Konsolidierung in der Branche wird angesichts der Probleme der grossen Reiseveranstalter grösser. Kuoni-Chef Dieter Zümpel hat vor kurzem gegenüber der «Sonntags-Zeitung» entsprechende Signale gesendet: «Wir sind offen für jedes Gespräch mit Mitbewerbern – Hotelplan ist einer davon.»