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Innovative KMU-Vereine Dem Baselbieter Gewerbe hilft nicht nur der Kanton

Mit Geschenkkarten und Gutscheinen unterstützen verschiedene Organisationen die lokalen Geschäfte – die Ideen kommen gut an.

Den lokalen Geschäften in Liestal wird unter die Arme gegriffen.
Den lokalen Geschäften in Liestal wird unter die Arme gegriffen.
Foto: Pino Covino

Die Wirtschaftskrise, der drohende Ruin und die schlafraubenden Existenzängste – seit Monaten beklagt sich das Gewerbe über die Corona-Krise. Man kann es ihm nicht verübeln, den Unternehmen geht es finanziell so schlecht wie nie zuvor. Was tun? Nebst der kantonalen Härtefallregelung, die der Landrat am Donnerstag abgesegnet hat, haben einige Baselbieter Vereine und Hilfsorganisationen überlegt, wie sie den lokalen Restaurants, Beizen und Geschäften unter die Arme greifen können.

Weihnachten steht vor der Tür. Vor allem für die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) wäre das die erfolgreichste Phase des Jahres. So besinnlich, wie wir die Adventszeit aus vergangenen Tagen aber kennen, soll es nicht werden. Bundesrat Alain Berset besuchte erst diese Woche die Baselbieter Regierung und rief in Erinnerung, wie beunruhigend die Lage noch immer sei.

Die Gemeinden verfallen deswegen aber nicht in Tristesse. Sie wollen das Geschäft aufrechterhalten. Der Verein KMU Muttenz hilft dem lokalen Gewerbe etwa mit einer eigenkreierten Geschenkkarte. Die Leute sollen die Möglichkeit haben, die Unternehmen selber zu unterstützen, sagt Präsident Beat Huesler. Den Gewinn, den der Verein mit der Karte erziele, fliesse ausschliesslich in die Muttenzer KMU. «Sie müssen im Gegenzug auch keine Provisionen bezahlen», versichert Huesler. Die angemeldeten Betriebe, vorrangig seien es Restaurants, müssen einzig Mitglieder des Vereins sein.

Karte funktioniert prächtig

Die Karte habe eingeschlagen wie eine Bombe. Der Umsatz sei in den ersten Tagen durch die Decke. «Wir waren überrascht, wie gut sie ankam», sagt Huesler. Im ersten Jahr rechnete der Verein eigentlich mit einen Umsatz von rund 50’000 Franken. Nach vier Wochen hatte er aber bereits 60’000 Franken generiert. Täglich melden sich neue Unternehmen. «Das ist total erfreulich. Wir hoffen, dass es so weitergeht», sagt der Präsident.

KMU Muttenz habe sich seit März den Kopf zerbrochen. Der Verein ahnte, dass auch der Weihnachtsverkauf noch von Corona geprägt sein würde. Mit der Geschenkkarte habe man jetzt eine nachhaltige und zeitgemässe Lösung gefunden. «Sie kann immer wieder aufgeladen werden und ist sehr handlich», sagt Huesler.

Auch in Liestal überlegte man lange, wie man den gebeutelten Unternehmen bestmöglich helfen könne. Der Verein Begegnungszone Liestal probiert seit mehreren Wochen die Menschen mit Gutscheinaktionen für das Stedtli zu begeistern. «Wir wollen das Wohl der Liestaler KMU unbedingt sicherstellen», sagt Vereinspräsident Stefan Ulrich. Nebst den Gutscheinen könne man dank des Hauptpartners auch einen vierstelligen Betrag für das Gewerbe verlosen. Das Feedback sei durchwegs positiv, die geplagten Unternehmen seien sehr dankbar.

Wirtschaftskammer dankt

Fast alle Baselbieter Gemeinden unterstützen ihre KMU mit innovativen Ideen. In Pratteln hat eine Geschenkkarte bereits seit Jahren Tradition. Die Wirtschaftskammer Baselland schätzt dieses Engagement sehr: «Wir freuen uns über die vielfältigen Initiativen und Spenden», sagt Sprecher Michael Köhn. In einigen Fällen, etwa in Allschwil oder Birsfelden, gebe es auch gemeinsame Aktionen, die man unter dem Projekt «s Baselbiet schaffts» durchführe. Die Wirtschaftskammer arbeite noch an weiteren Hilfsaktionen, diese seien aber noch nicht spruchreif.

1 Kommentar
    Marco Moser

    Es ist mir vollumfänglich bewusst, dass nur durch Einnahmen die laufenden Ausgaben gedeckt werden können, aber vielleicht müsste der Wirteverband resp. die Restaurantbesitzer sich gerade jetzt überlegen, ob man doch nicht den einen oder anderen Preis auf der Angebotskarte, vor allem beim Kaffee, auf einem Niveau reduziert wird, damit auch wieder mehr Menschen sich so was im Restaurant gönnen !

    Interessant ist doch, dass wir es beim "Italiener" gewöhnt sind, dass es nach dem Essen immer noch ein Kaffee, Limoncello oder Grappa GRATIS gibt, aber in "anderen" Restaurant alles kleinlich auf die Quittung getippt wird.

    Mal ein Ansatz was zu ändern.