Zum Hauptinhalt springen

«Himmelsleiter»-OrgelDas «Wunder von Muttenz» erklingt

Mit einem Konzert weihte die Römisch-katholische Pfarrei Muttenz die neue Orgel der Kirche ein. Diese ist gleich in mehrfacher Hinsicht aussergewöhnlich.

Hausorganist Christoph Kaufmann und Sopranistin Franziska Baumgartner weihten die neue Orgel in der Muttenzer Kirche Johannes Maria Vianney mit einem Konzert ein.
Hausorganist Christoph Kaufmann und Sopranistin Franziska Baumgartner weihten die neue Orgel in der Muttenzer Kirche Johannes Maria Vianney mit einem Konzert ein.
Foto: Pino Covino

Als Michael Meyer vom Orgelbauer Kuhn AG eine Tonleiter durch ein ganzes Register spielt und so 56 Pfeifen erklingen lässt, ist das Erstaunen in der sehr gut besetzten Kirche Johannes Maria Vianney gross. Zum ersten Mal entfaltet die neu erbaute Orgel ihre ganze Kraft und Vielfalt vor Publikum. Als Meyer mehrere Register – mal alleine, mal in Kombination – spielt, wird das ganze Potenzial der Orgel hörbar. Das anschliessende Konzert von Hausorganist Christoph Kaufmann und Sopranistin Franziska Baumgartner wird zum akustischen Erlebnis. Endlich, so mögen die Mitglieder der Römisch-katholischen Pfarrei Muttenz am Sonntag gedacht haben, steigen Klänge der Himmelsleiter empor. Denn so wird die neue Orgel liebevoll genannt – in Anlehnung an die Architektur des Muttenzer Gotteshauses, aber auch an die biblische Erzählung, wonach Jakob auf der Flucht einen Auf- und Abstieg zwischen Erde und Himmel erblickt haben soll.

Nach dem von Michael Meyer gespielten Register mit Flöten war definitiv klar: Die Himmelsleiter verleiht der Kirche den in den vergangenen Jahren so vermissten musikalischen Glanz. Dass ein grosser Teil der Kosten von 1,3 Millionen Franken durch Spenden zusammengekommen ist, was medial mehrfach als «Wunder von Muttenz» bezeichnet wurde, würdigte der Baselbieter Kirchendirektor Anton Lauber (CVP) in seinem Grusswort als «grossartigen Erfolg». «Das ist ein Beweis der Lebendigkeit der Kirche und ihrer Solidarität.» Für Pfarrer René Hügin bereichert die Himmelsleiter die «liturgische Stube» optisch und akustisch. «Die Engel steigen hoch», meinte er leicht euphorisch.

Vom Pianissimo bis zum strahlenden Plenum

Mit Interpretationen von unter anderem «Praeludium» in a-Moll von Johann Sebastian Bach, «Ave Maria» von Camille Saint-Saëns, «Ronde Turque» von Georges Bizet und «Le Jardin suspendu» von Jehan Alain unterhielten Organist Christoph Kaufmann und Sopranistin Franziska Baumgartner mit leisen und lauten, feinen und kraftvollen Klängen Besucherinnen und Besucher sowie geladene Gäste. Selbst die subtilen Töne seien bis in die hintersten Ecken des Betonbaus zu hören, würdigte Kirchgemeindepräsident Felix Wehrle das Bauwerk.

Organist Kaufmann, der nach der Vorstellung reichlich Glückwünsche empfangen durfte, überzeugt die neue Orgel unter anderem durch ihr «farbenreiches Klangspektrum». Die Orgel zeige vom Pianissimo bis zum strahlenden Plenum das volle Werk. Er habe im Konzert versucht, die verschiedenen Klangfarben darzustellen. Stilistisch ist die Orgel französisch-elsässisch konzipiert. Speziell daran sind gemäss Kaufmann die eingebaute Ophikleide, ein Blasinstrument aus dem 19. Jahrhundert, und die extra für Muttenz aus einer historischen Orgel ausgebaute und restaurierte 8-Fuss-Klarinette. Insgesamt besteht die Orgel aus 35 Registern und über 2000 Pfeifen.

Wer sich von der Klangkraft und dem Farbenreichtum der neuen Orgel überzeugen möchte, kann dies bereits am kommenden Samstagabend, wenn das erste Konzert der Reihe «Muttenzer Orgelsprossen» steigen wird.