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Leitartikel zur MCH GroupDas wars dann mit der Messe Basel

Mit dem Einstieg des amerikanischen Investors James Murdoch wird die MCH Group zu einem Unternehmen, bei dem die Entscheide in Mumbai und New York gefällt werden. Basel versinkt in der Provinz.

Grosse Tristesse am Messeplatz. Die MCH Group hat nicht nur wegen Covid-19 viele Teile ihres Geschäfts verloren.
Grosse Tristesse am Messeplatz. Die MCH Group hat nicht nur wegen Covid-19 viele Teile ihres Geschäfts verloren.
Foto: Florian Bärtschiger

Die ausserordentliche Generalversammlung bei der MCH Group war am Freitagmorgen noch im Gang, als auf Immobilienplattformen bereits der Verkauf einer ihrer Wohn- und Geschäftsliegenschaften im Rosental angekündigt wurde. Sie soll für 14 Millionen Franken den Besitzer wechseln, weil sie nicht mehr «betriebsnotwendig» ist.

«Aus ‹Tout Bâle› ist vor allem ‹Peu Bâle› geworden, weil es auf die falschen Pferde gesetzt hat.»

Besiegelt ist auch der Verkauf der Messehalle 3 und des Musical Theater Basel an die Einwohnergemeinde der Stadt Basel. Hier fliesst ein tiefer einstelliger Millionenbetrag in die Kassen des angeschlagenen Messe- und Event-Organisators.

Mit der faktischen Machtübernahme von James Murdoch, dem Sohn des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch, ist der Ausverkauf in Basel lanciert. Die Zentrale im Kleinbasel wird zur Befehlsempfängerin. Die wichtigen Entscheide fallen in Zukunft entweder in Mumbai oder New York. Murdoch ist mit seiner Lupa Systems global aufgestellt. Mit Basel verbindet ihn höchstens ein respektables Aktienpaket.

Die Art Basel als Hoffnungsträger

Dass die MCH Group Hallen und Liegenschaften abstösst, ergibt Sinn. Trotz frischen Kapitals von rund 100 Millionen Franken bleibt die Eigenkapitalquote mit 11 Prozent dünn. Die Gefahr weiterer Wertberichtigungen droht. Eine ungenügende Auslastung erhöht auch das Risiko für Basel-Stadt. Entweder kauft sie nun weitere Messehallen, um sie anschliessend teuer umzubauen, oder sie kassiert tiefere Baurechtszinsen und hofft auf eine Wiederbelebung des Messegeschäfts am Sankt-Nimmerleins-Tag.

104 Jahre nach der Gründung der «Schweizer Mustermesse» ist ihr Ende erreicht. Nach dem Aus wichtiger Traditionsmessen hat sich die MCH Group sehr spät für eine Transformation entschieden. Ihr Fokus gilt in Zukunft noch stärker der Eroberung virtueller Räume. Ihr Alleinstellungsmerkmal wird sie so nicht behalten. Sie wird zu einem von vielen Veranstaltern im Netz. Messehallen sind bei diesen Perspektiven nur noch ein Klotz am ohnehin schon kranken Bein.

Murdoch wird in Zukunft den Gemischtwarenladen MCH Group weiter ausdünnen und sich auf die prestigeträchtige Marke Art Basel fokussieren. Das muss er sogar tun, wenn er seine Millionen in Basel nicht den Rhein runterspülen will. Das Filetstück, die Art Basel, ist inzwischen eine globale Marke, die Basel allein nicht mehr gehört. Als Folge der Klimadebatte, aber auch wegen der Corona-Pandemie und neuer Marktbedürfnisse, werden sich die Messe- und Eventbühnen der Welt zwangsläufig verschieben und nur noch dort physisch wahrgenommen werden, wo sie auch genügend finanzkräftiges Publikum anziehen. Basel hat bereits bewiesen, dass es dies nur in Einzelfällen wie der Art oder der Swissbau kann.

Das mit Murdoch besiegelte Ende des grossen Messestandorts Basel wird das Selbstwertgefühl der Stadt zwar nicht weiter belasten. Dafür ist das Image der kriselnden Gruppe schon zu lange ramponiert. Die Entwicklung für die Stadt ist aber besorgniserregend. Der Bankenplatz hat sich nach Zürich verabschiedet, das Uhrenuniversum trifft sich in Zukunft in Genf, und die Fussballhauptstadt der Schweiz liegt seit mehreren Jahren in Bern. Basel versinkt wieder in der Provinzialität, tut aber immer noch gerne so, als wäre es der Nabel der Welt.

Ein linker Mangel an Identität

Gut wäre es deshalb, wenn sich Stadt und Kanton wieder auf ihre eigentlichen Stärken besinnen. Diese sind zwar nicht so aufreizend wie eine Rolex-Uhr am Handgelenk, in der Sache aber wesentlich bedeutender. Basel ist der führende Logistik-Hub in der Schweiz und einer der wichtigsten Life-Sciences-Standorte der Welt. Standortpflege ist zwar mühsam, für Basel aber wichtiger denn je.

Vor allem dem linken Basel gelang es in den 16 Jahren seiner andauernden Regentschaft nicht, sich auf die Basler Identität zu besinnen. Basel ist sich heute fremder, als es vielen Fremden ist, die aus der ganzen Welt nach Basel reisen, um hier zu leben und zu arbeiten.

Aus «Tout Bâle» ist vor allem «Peu Bâle» geworden, weil es auf die falschen Pferde gesetzt hat und die besten Gäule, Pharma und Chemie, schon mit einer notorisch zu nennenden Boshaftigkeit vergrault. Also, liebe Baslerinnen und Basler, macht weniger auf Messe- und Kultur-Nostalgie und kümmert euch wieder aufrichtig und nicht scheinheilig um eure fantastischen kleinen, mittleren und auch sehr grossen Firmen mit Weltruf.

«Basel ist sich heute fremder, als es vielen Fremden ist.»

50 Kommentare
    Fabio Rossi

    Dies passiert wenn man zu hoch hinaus will und sich mit Grossstädten im asiatischen Raum vergleichen will. Das Sprichwort klein aber fein hat Basel über Jahrzehnte hinaus gute Dienste geleistet. Nun hat man eine Käseraffel und überdimensionierte Gebäude an einem Ort der sich mal Platz nannte und der einst mal lebendig war. Und wenn jetzt wieder linkes Bashing getrieben wird. Wann war denn Basel in den letzten Jahrzehnten nicht vornehmlich links, und sieht es im SVP Pleite und Nehmerkanton Aargau etwa besser aus?