Das verlorene Wesen der Gasse wiederbeleben

Nach dem Brand des Rheinhofs und dem Verlust der Bar Grenzwert organisieren Gastronomen und Anwohner ein Fest. Die Einnahmen sollen den Bewohnern des Hauses zugutekommen – und Trudi.

Luca Eichenberger, Nicole Körkel, Stephanie Rosenblatt, Robert Schroeder und Agnes Däster (von links) organisieren das Solidaritätsfest in der Rheingasse.

Luca Eichenberger, Nicole Körkel, Stephanie Rosenblatt, Robert Schroeder und Agnes Däster (von links) organisieren das Solidaritätsfest in der Rheingasse.

(Bild: Florian Bärtschiger)

Martin Regenass

Es geht um die Solidarität mit den Bewohnern des im August abgebrannten Rheinhofs an der Rheingasse. «Das sind bedauernswerte Kerle. Einige von ihnen stehen vor dem Nichts», sagt Robert Schroeder. Der Wirt des Schmalen Wurf hat zusammen mit Stephanie Rosenblatt von der 8Bar, mit Nicole Körkel vom Restaurant Krafft und Consum sowie mit Luca Eichenberger von der Fischer­stube und Anwohnerin Agnes Däster ein Strassenfest auf die Beine gestellt. Steigen wird es morgen Samstag in der Rheingasse. Von den Einnahmen sollen zu einem Teil an die ehemaligen und meist randständigen Bewohner des Hauses Nummer 17 gehen. Einen finanziellen Zustupf soll auch Trudi erfahren. Sie führt seit Jahren den Kiosk in der Gasse und beklagt nach dem Brand, ebenso wie die Restaurants, Umsatzeinbussen. «Trudi ist eine Institution hier. Sie erlitt aber einen extremen Umsatzrückgang, weil die Gasse seit dem Brand nicht mehr so belebt ist», sagt Nicole Körkel.

Unübersehbar hat die eingerüstete Brandruine mitsamt den Abschrankungen über die ganze Strasse einen Riegel in die Gasse geschoben. Er steht dem Austausch zwischen den verschiedenen Restaurants im Wege. «Mit dem Fest wollen wir die ursprüngliche Stimmung wieder aufleben lassen. Unter uns Gastro­nomen war immer ein Miteinander. Wir halfen uns gegenseitig aus, wenn Not war», sagt Stephanie Rosenblatt.

Das Rhygass-Fescht steigt ab 14 Uhr. Eine Strassenkünstlerin beginnt dann damit, ein Bild zu malen. Bis 22 Uhr soll es vollendet und an den Meistbietenden verkauft werden. Im Zweistundentakt treten an verschiedenen Standorten in der Strasse Blues- und Rockbands auf. Für das Kulinarische sorgen die Restaurants und Bars in der Gasse wie auch die Anwohner.

So kocht etwa ein Freund der Rheingasse beim Schmalen Wurf eine spanische Paella. Das Restaurant Krafft wartet mit Grilladen auf, und das Consum serviert seine beliebten Plättli mit Käse- und Wurstwaren. Die Fischerstube bereitet Flammen­kuchen zu. Das Team vom Grenzwert, das in der Brandruine liegt, wird Drinks verkaufen. Die Preise für die Esswaren sind den Gastronomen überlassen. Ausser beim Bier. Dort haben sich die Organisatoren darauf geeinigt, dass die Stange fünf Franken kostet.

Auf Schock folgt Idee

Die Idee für die Aktion mit ­Wohltätigkeitscharakter hatten Körkel und Rosenblatt fast gleichzeitig, aber unabhängig voneinander. Das war kurz nach dem Brand von Mitte August. «Wir standen noch unter Schock und haben mit dem Verlust der Bar Grenzwert und mit dem ­Riegel gemerkt, was das Wesen der Gasse eigentlich ausmacht.» In den letzten vier Wochen nun hat sich ein Organisationskomitee gebildet, das laut Rosenblatt eine grosse Dynamik angenommen hat. «Wir erfahren viel Unterstützung auch aus der Anwohnerschaft wie von den Lieferanten», sagt Rosenblatt. So würden Zulieferer gratis Wein oder Würste spendieren, damit den ehemaligen Bewohnern und Trudi finanziell geholfen werdenkönne.

Da das Fest auf der Gasse stattfinden soll, hoffen die Or­ganisatoren auf gutes Wetter. «Leider zeigt sich Petrus nach heutigen Prognosen noch nicht so solidarisch. Falls es regnen sollte, werden wir Aktionen in die Bars und Restaurants verlegen», sagt Rosenblatt. «Und wir sind fleissig am Zelteorganisieren», fügt Luca Eichenberger an.

Produziert hat das Komitee auch einen Ansteckknopf. Er kostet drei Franken und ist für einen guten Zweck.

Rhygass-Fescht in der Rheingasse Basel, Samstag, 19.10., von 14 bis 23.45 Uhr.

Basler Zeitung

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