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Hitze hat FolgenDas Trinkwasser wird in Teilen des Baselbiets knapp

Bachbetten trocknen aus, in einigen Gemeinden befindet sich der Grundwasserspiegel auf einem Tiefstand.

Der Pegelstand ist zu tief. Daher sollten weder Menschen noch Hunde in der Birs baden.
Der Pegelstand ist zu tief. Daher sollten weder Menschen noch Hunde in der Birs baden.
Foto: Dominik Plüss 

«In der Schweiz verfügen wir über den Luxus, dass es fast überall Wasser von sehr hoher Qualität zu sehr günstigen Preisen gibt», sagt Dominic Utinger vom Amt für Umweltschutz und Energie, «da kommen viele nicht mehr auf die Idee, sparsam damit umzugehen.» Doch genau das fordern derzeit die Gemeinden Ormalingen, Läufelfingen, Buckten, Känerkinden und Lausen von ihren Einwohnerinnen und Einwohnern explizit.

Grundwasserstände und Quellschüttungen befinden sich auf einem Tiefstand. Utinger, Leiter Ressourcenwirtschaft und Anlagen, erklärt, das rühre nicht von der aktuellen Hitzephase her. Es sei normal, dass im Sommer der Grundwasserstand sinke und die Quellschüttungen rückläufig seien. Doch im Herbst und Winter müsse das durch genügend Niederschlag kompensiert werden. «So sieht der normale Zyklus aus», sagt Utinger, «wir sind aber schon mit tiefen Ständen in den Frühling gegangen.» Das Problem dieses Sommers hat seinen Ursprung also in den beiden Wintern zuvor.

Massnahmen sind gefragt

«Es ist jetzt wichtig, dass sich die Leute an den Aufruf der Gemeinden halten», bemerkt Dominic Utinger, «im Extremfall droht sonst eine Notwasserversorgung.» Känerkinden beispielsweise empfiehlt, die Spartaste von Waschmaschinen und WC-Spülung zu benützen; die Dusche dem Bad vorzuziehen; Blumen und Gemüse mit der Spritzkanne zu giessen und keine Reinigungsarbeiten unter fliessendem Wasser auszuführen. Känerkinden verbietet das Bewässern von Rasen, Bäumen und Sträuchern sowie das Waschen von Fahrzeugen. Schwimmbäder, Biotope und Weiher dürfen nicht mehr gefüllt oder nachgefüllt werden.

Gerade in der Zeit, in der Dorfbrunnen abgestellt werden, ist die Lust auf Wasser am grössten: abends eine zusätzliche Dusche, ein Bad im mobilen Pool, der bis zu 4 Kubikmeter Wasser schluckt, und, und, und. «Die Schere geht auseinander», sagt Utinger. «Es ist weniger Wasser vorhanden, aber das Bedürfnis steigt.»Der Klimawandel habe grossen Einfluss, sagt Utinger, der auch im Teilstab Trockenheit des kantonalen Krisenstabs tätig ist. Seit geraumer Zeit seien sie jedes Jahr im Einsatz. Fast jährlich werde irgendwo ausgefischt. Aktuell auch in der Ergolz oberhalb Sissach. Grundsätzlich gelte, je weiter hinten im Tal eine Gemeinde liegt und je kleiner der Bach, desto eher trocknen die Gewässer aus.

Nicht planschen

Die Birs führt zwar genügend Wasser, der Pegelstand ist aber tief. Deshalb sollte ausser im Unterlauf nicht in ihr geplanscht werden, auch nicht von Hunden. Was generell für Gewässer mit tiefem Pegel gilt. Die Fische sammeln sich an den tiefsten Stellen und stehen jetzt schon unter Stress. Kommt hinzu, dass ein Fluss, der weniger Wasser führt, schneller von der Sonne erwärmt wird. Forellen passt das gar nicht.

Fliessende Gewässer seien offene Systeme, sagt Dominic Utinger. Grundwasser drücke in das Gewässer und umgekehrt. In Juralandschaften wie der unsrigen sei es normal, dass immer mal wieder ein kleineres Gewässer austrockne. Des durchlässigen Untergrunds wegen. Seit einigen Jahren kommt es jedoch im Hochsommer vermehrt dazu, dass im Baselbiet kleine Bäche austrocknen. Betroffen sind davon nicht nur die Fische. «Eine grosse Lebensgemeinschaft», beschreibt Utinger, sei darin zu Hause. Insekten, Kleinstlebewesen, Sumpfpflanzen. «Ökologisch ein Verlust.»

13 Kommentare
    emil petersen

    Stress wohin man schaut und liest....der Wald, die Böden, die Seen, das Wasser, die Luft, das All, tatsächlich, die Tiere, sogar die Viren und wir dazu...und niemand hat eine Lösung, die taugt, weil des einen Reduzierung den andern nicht in dieser leben lassen kann....